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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-09 · Heft 24 (9.6.1874) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 24 (9.6.1874)
Date
1874-06-09
Page
Seite 407 (sequence 9)
Language
German
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407 . Dr. Ignatz Ortenau zum königl. Notar hier ernannt, 24. Mar 1867 derselbe, der erste Jude in Bayern, zum Regimentsauditor im hiesigen Landwehrregiment, 1861 wurde der erste'Israelit, Herr Max Berlin von hier, zum besoldeten königl. Assessor am Stadtgerichte zu Nürnberg ernannt. Auch auswärts wohnen zahlreiche Israeliten von distinguirter Stellung, die hier geboren und den ersten Grund zu ihrer Bildung gelegt haben. Auch in politischer Hinsicht spielen hier unsere Glaubensgenosien eine bedeutende Rolle, und sämmtliche politische Fractionen hiesiger Stadt zählen Israeliten zu ihren Führern. Sie entnehmen diesen Thatsachen, daß die sociale Stellung der hiesigen Israeliten eine äußerst angenehme, ja glänzende ist; daß die hiesigen Israeliten vermöge ihrer intellectuellen Begabung und unermüdlichen Strebsamkeit es verstanden, von jedem ihnen zustehenden Rechte, das die Gesetze ihnen einräumten, würdigen Gebrauch zu machen; daß fast alle ersten jüd. Beamten in Bayern, ja sogar einzelne erste in Deutschland, aus dem Schooße der hiesigen Gemeinde hervorgingen; daß sie hier eine Stellung sich errungen, die in Bayern wenigstens, selbst an Orten mit etwa gleicher jüdischen Bevölkerung; wie München, Nürnberg, wohl einzig in ihrer Art dasteht. Und es braucht nicht bezweifelt zu werden, daß die hiesigen Israeliten das Errungene auch für die Zukunft zu bewahren verstehen werden. Sigmund Heumann. Oesterreichisch-ungarische Monarchie. Wien, im Mai. Die Wiener israelitische Cultusgemeinde unterhielt bis vor einigen Jahren eine Central-Religionsschule. Als jedoch die Zahl der israelitischen Schüler in dem städtischen Real-Gymnasium und in der Staats-Realschule in der Leopoldstadt sehr anwuchs, entsendete der Vorstand der israelitischen 'Gemeinde in diese Anstalten Religionslehrer, die jedoch vorläufig für diese Dienstleistung keinen Gehalt beziehen. Inzwischen wuchs die Zahl der israelitischen Studirenden in der Mittelschule. Im verfloffenenen Schuljahre 1872/73 befanden sich beispielsweise im Akademischen Gymnasium 270 israelitische Schüler. Es ist nun selbstverständlich, daß es im Interesse der Sache läge, wenn diese Schüler den Religionsunterricht in der Lehranstalt selbst genießen würden. Die Wiener israelitische Gemeinde besitzt jedoch keinen Fonds, aus welchem dieser Unterricht bestritten werden könnte. Der Vorstand der Gemeinde wendete sich daher an den Landesschulrath in Niederösterreich, damit auch hier das Gesetz vom 20. Juli 1872, nach welchem der Gehalt des Religionslehrers aus dem Aufwande der Schule zu bestreiten ist, zur Geltung komme und israelitische Religionslehrer in jene Schulen, wo die Anzahl der israelitischen Schüler beträchtlich ist, entsendet werden. Es steht wol außer Frage, daß dies der Fall sein werde , da es sich doch nur um die Ausführung eines Gesetzes handelt. Wien, im Mai. (Privrtmitth.) Wenn in diesem Blatte vor Kurzem die Gründung der ersten israelitischen Blindenanstalt verdientermaßen hervorgehoben worden, so steht dieser die ältere Schwester, „das allgemeine österreichische israelitische Taubstummen-Institut" allhier würdig zur Seite, und zwar bereits von einer langen Wirksamkeit und von bedeutendem, wenn auch immer noch dem Bedürfniß nicht völlig entsprechenden Umfange da. Es sind jetzt über zwanzig Jahre, daß Sie, Herr Redacteur, dieses Institut besuchten, und sich mit .wahrhafter Begeisterung darüber aussprachen. Seitdem hat es fort und fort unter der Leitung des kais. Rathes Directors Deutsch mit steigendem Wachsthume und jeder Verbesserung zugänglich gewirkt. In diesen Tagen ist der zwanzigste Bericht (früher wurde ein solcher nicht jedes Jahr veröffentlicht) erschienen. In der Einleitung wird auf den vielen Fremdenbesuch, der der Anstalt während der Weltausstellung zu Theil ward, besonders von Fachmännern, hingewiesen, und welche Urtheile von Letzteren in das Fremdenbuch eingeschrieben worden. Dennoch muß auf einen größeren Zufluß von Spenden gewirkt werden, wie es heißt: „Denn immer ndch sind unsere Mittel im bedeutenden Rückstände gegen das Bedürfniß, noch immer drängen sich die würdigsten Aufnahms-Bewerber an unser Asyl heran, ohne daß wir denselben den nöthigen Schutz angedeihen lassen' können. Im abgelaufenen Jahre gingen 60 Gesuche um Aufnahme ein, wovon wir nur 11 Gewährung leisten konnten, während 49 unberücksichtigt bleiben mußten. Die Anstalt zählte Heuer 102 Zöglinge, 69 männlichen, 33 weiblichen Geschlechtes, und trotz der erhöhten Anzahl derselben haben sich die regelmäßigen Einnahmen nicht in dem Maße gesteigert, als die Theuerung der Lebensmittel zugenommen hat. Wenn Sie aber demungeachtet in den Tabellen einen Saldo im Activum von 11,188 fl. 64 kr. erscheinen sehen, so wollen Sie diesen Ueberschuß bloß dem Umstande zuschreiben, baß außer dem vom Jahre 1872 schon übertragenen größeren Saldo einige unerwartete außergewöhnliche Spenden den Jnstitutszwecken gewidmet wurden. Es waren dies Einnahmen, wie die momentane Gunst sie bewirkt — allerdings sehr dankenswerthe Kundgebungen der Sympathie — aber doch nicht ständige Factoren, die bei einem Voranschläge für die allernächste Zukunft in Rechnung gezogen werden' dürfen." Eine solche Anstalt — neben den vielen anderen der hiesigen Gemeinde — zu erhalten, gereicht sicherlich dem Wohlthätigkeitssinne der Wiener Juden zu großer Ehre, und sie können mit Recht fragen, welche jüdische Gemeinde noch zwei solcher Institute in ihrem Schooße birgt, wie diese Taubstummen- und die neue Blindenanstalt. Die Jahresbeiträge allein beliefen sich auf 7349 fl., die Schenkungen auf 2825 ft., die Bethaus- Spenden auf 876 fl., die neuen Legate und Stiftungen auf 5675 fl., die Zinseneinnahmen auf 5945 fl., eine Theater- Vorstellung im Karltheater brachte 2662 fl. em. Dem oft ge-

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