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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-02 · Heft 23 (2.6.1874) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 23 (2.6.1874)
Date
1874-06-02
Page
Seite 393 (sequence 15)
Language
German
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durch den Umstand, baß Nichtsein Brief in Wahlsachen Nach Barnow kam, sondern vier Briefe. Der erste trug wieder däs Lemberger ÄMtssieget und enthielt nichts als die Aufforderung an die politische Behörde, die Listen zufammenzustelleN und die Wahl an einem bestimmten Tage zu veranlassen. Und gleich hinterher kam auch Herr Graf Rodzicki zu Herrn v. Witocki gefahren, und die beiden Herren hatten auch diesmal eine lange Conferenz. Aber sie sahen minder fröhlich drein als sie schieden. „Täuschen wir uns nicht," sagte der kaiserlich königliche hochedelgeborne polnische Wladislaus, „so leicht wie sonst werden wir es diesmal nicht haben. In diese verdammten Juden ist ein sonderbarer Geistgefahren. Bei den Listen läßt sich freilich Einiges thun, auch bei den Zustellungen; aber dabei muß Man sehr vorsichtig zu Werke gehen — Sie wissen ja, was für ein Ministerium wir jetzt leider Haben: Freilich geht zum Glück Alles über Lemberg, aber man muß doch immer auf der Hut sein. Also — waS' an mir liegt, wird geschehen. Dann können wir auf den Jankozählen,- und vielleicht gewinnen Sie auchden Chaim Krgtzer, den Winkelschreiber, der für Geld zu Allem zu haben ist. Aber, wie gesagt, Herr Graff täuschen wir uns' nicht: es' wird heiß hergehen." Und dies'prophetische Wort erfüllte sich—noch dazu' in' weit höherem Grade, als es der pflichteifrige k. k. Prophet selbst geahnt. Ehe eine Woche in's Land gegangen war, hatten sich in Barst ow vier WahlcomiM gebildet. Zwei hiervon'wirkten M den Grafen, die beiden anderen für den Advocaten vr. Mche- Rösenblatt aus der nächsten Kreisstadt: - Comitss, Programms Agitationen, Wahlreden' — es' war etwas Unerhörtes/ Unglaube liches, aber es war da. Und es verdient, gebührend geschildert zu werden. Das erste Wahlcomits war das der Polen. Sein Candivat war natürlich Graf .Rodzicki; und sein Programm' hieß : „Resolutivn" oder, wie der Häuptagitator des Comitäs, Herr Janko Czupka, hartnäckig sagte: „Propination". Es bestand/da weder dÄ Cästdidat; noch Hers v/ Witocki, der k. k. -Beamte, nominell Mitglieder sein konnten/ aus dem katholischen Pfarrer, dkn beiden Lehrern an der Volksschule, dem polnischen Schuster, ditto' Schneider vom Barnow. Mehr Mitgliederkonnte das' Cömitü nicht haben', weil ftist Programm' leider auch>.nicht' mehr AMhästgdr hatte. Ganz dasselbetraf bei dem zweiten Comitü zu/ welches für denselben Eandidawn wirkte, den der „israelitischen Pölest", dessen Feldgeschrei war: „Resolution und Jüdenthum!" Es' bestand aus Herrn Chaim Kratzer, Winkelschreiber zu Barnow' — der einzige Mann was Partei, Comits und Hauptagitatös zugleich. Ein seltener Mann, dies er Chaim Kratzer; überaus gesetzeskundig und überaus uneigennützig! Er thatkeinen Schritts für - den' er nicht bezahlt würde, und' seine juristischen KestMiffb erstreikten sich nicht blöff auf das bürgerliche Gesetzbuch, aus welchem er seine Clienten berieth, sondern auch auf das^ Sttafrecht) iw welchemer die Theorie .mit' der Praxis sehrwirksam verband, denn er war bereits dreimal Megen Bestuges" abgestraft. Bishdr hatte er sich, die Zuchthäuser abgerechnet, wenig mit öffentlichen Dingen beschäftigt, höchstens daß er zstweilen bet den Assentirungen kleine Geschäftchen vermittelte; nun aber Warf er sich mit glühendem Eifer auf die Politik — selbstverständlich aus innerster, lauterster Ueberzeugung. Er hatte nämlich (das zweite Schreiben, welches in Wahlfachen nach Barnow geflattert kam) vom Grafen Rodzicki hundert Gulden zugeschickt bekommen, mit dem Versprechen eines gleichen Betrages im Falle des Wahlsieges. Und außerdem erhielt der ehrenwerthe Mann die Befugniß, .jedem Wähler fünf Gülden zu versprechen. . . . Das dritte und vierte Schreiben in Wahlsachen, Leide lithögraphrrt und unverschloffen , hatten die Leiden gegnerischen Eo- Mt6s in's Leben gerufen, welche für lw. Max Rosenblatt wirkten. Da war zuerst ein Aufruf der „Rada ruska", welcher das „Comitä der Ruthenen" geboren. Es bestand aus Sr. Hochwürden Herrn Wladimir Borodaykiewicz, dem ruthenischen Pfarrer, einem sehr dicken' Manne mit sehr , großem Batte, gesegnet mit einer überaus stattlichen Gattin und zahlreicher Nachkommenschaft, Und ferner noch aus' drei Männern von den zwanzig wahlberechtigten Rüthendn von' Barnow. Se. Höchwürden hatten in der ersten (und letzten)'Sitzung' des CoMös folgende Rede gehalten': /Also, Brüder, was manuns' aus Lemberg schreibt, habt Ihr gehört. Also, wir werden Alle'zur Wahl kommen und' für den Rosenblatt stimmen. Alsch dafür helfen die Juden anderswb unseren Brüdern. Also, natürlich wird Keiner fehlen/ Und was etwa noch' nöthist ist, also , Vas wird Euch der Basil sägen!" Birst! Ehymko aber Wad der junge Lehrer aus dem' Nächsten' Dorfe/ ein blasser/' mägerer Mensch mit lastgen Haaren und dunklen Äugen/ in denen' es seltsam' glühte und blitzte. Er war ein'Schwärmer, ein Phantast, und zwei wahnsinnig stärke Gefühle bewegtest ihn': mnsägÜched Haß gegen die' Polen/ unsägliche Liebe für siiw ärmes Dolk. And aus ganz' ähnlichem Holze' war auch' der Agitator Wes vierten, des „verfassungstreuen jüdischen Comitss" geschnitten. iSchlo'Me Barrasch hieß er' und war gleichfalls ein seltsamer Mensch: In seiner Jugend hatte er stüditen wollen und es' bis -zur zweiten Lateinclaffe gebracht; aber da hatte ihn feirt: Pater, halb mit Gewalt, halb durch UeberredüW wieber ist das Städtchen gebracht, und er mußte HandelsmaNn werden und ein Weib -nehmest Aber eine rührende Sehüsücht nach dem Wissen blieb ^ist ihM wach und eist' selten feistes' Gefühl für die Schmach, welche seine Glaubensgenossen täglich, stündlich erdulden müßten: Darum griff etmit Begeisterungjeden Versuch auf, sie aus ihrer- Niedrigkeit' zu erheben, darum hätte' er sich' schleunigst mit stest Lembertzerü ist' MrbistbuNggesetzt und in Barnow-den vr/ Keilchenbergj best- Städtärzt / sowie denreichen und HMwegsj,,aufgeMrtest^ Äär'on" Rösenstöck - bewögest', mit ihm' zu - einem' >,vdrMffüsttzstreMn CoMs" züsamMenzuMen! Uttd asts dbst Dreien bestäüdauch M ganze Partei/ DM HäüptMaffe' E

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