Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1874)
- Date
- 1874-06-02
- Page
- Seite 381 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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38 t: Bemerkungen machen. Gehört es doch eben zu-unseren'Lebensaufgaben, dem: monotheistischen Gvttesgedanken, soweit unsere Kräfte reichen, immer mehr Geltung zu verschaffen,' ihn innerhalb des Iudenthums zu festigen , und außerhalb desselben zu verbreiten und zu verfechten. Wir haben immer gesagt, daß die monotheistische Gotteslehre von ihrer Verkündigung an zuerst einen tausendjährigen Kampf im Schooße der israelitischen Nation selbst zu bestehen hatte, ehe er in derselben unerschütterliche Wurzeln faßte, fie vollständig ergriffen hatte und seitdem nie wieder schwankend darin-geworden. Es währte dies bis zum babylonischen Exil, denn die polytheistischen, oder sagen wir kurz, heidnischen Neigungen der Volksmafse brachen immer wieder hervor , Zeiten der Verwilderung traten ein, und allzuoft fanden die herrschenden Geschlechter, die Könige mit ihren Edlen und Priestern eine Stärkung ihrer Macht im Heidenthume, eine Gefährdung derselben in der Gotteslehre und deren sittlichen und gesellschaftlichen, Gesetzen. Seitdem aber dieser Kampf innerhalb der Nationen siegreich entschieden war, trat die monotheistische Gotteslehre in den Kampf mit derheidnischen Welt ein. Zunächst gegen und für den politischen Bestand der jüdischen Nation vor sich gehend, nahm er doch schon bald den religiösen Charakter an, wie die Syrerkriege, das wesentlichste Motiv des jüdischen Aufstandes gegen die Römer und die polemischen Auslassungen griechischer -und römischer Autoren, wir erinnern namentlich an Tacitus, erweisen. Nun drang der monotheistische Gottesgedanke durch das Christenthum in die abendländische, durch den Islam in die morgenländische Welt und überwand jene gänzlich, diese zu einem großen Theile. Aber es geschah dies nur dadurch, daß im Christenthume der Monotheismus" mit starken heidnischen Elementen versetzt und im Islam heidnisch gestaltet ward, namentlich durch den Fatalismus und die Leugnung der menschlichen Willensfreiheit. Wir haben dies schon zu oft ausführlich behandelt, als. daß es hier noch einmal eines ausführlichen Nachweises bedürfte. .Wer möchte wohl behaupten, daß die.katholische Kirche in ihrem gegenwärtigen Stadium die monotheistische Gotteslehre. wirklich vertrete und abspiegele? Und doch sehen wir noch große Volksmassen für sie in den Streit treten. Ist aber, wenn auch in schwächerm Grade, dies nicht auch in der orthodoxen Partei der protestantischen Kirche der Fall? Immer bleibt noch heute das Iudenthum der unangetastete Boden der monocheiftischen Gotteslehre in seiner Ganzheit und Reinheit und hat ihm bis heute mitten in den mannichfaltigsten Hüllen und Formen als Träger gedient und dafür das Herzblut seiner Bekenner geopfert. Der Kampf des Iudenthums für den monotheistischen Gottesgedanken gegen das Heidenthum der Welt war daher ein ununterbrochener. Von tiefinnerlichem religiösen Charakter richtete sich dieser Kampf oft gegen die Existenz der Bekenner dieses Iudenthums überhaupt oder gegen ihr gesellschaftliches Dasein. Oft zu Discussionen aufgerufen, verurtheilte man sie bald wieder zum Stillschweigen; aber ihre Existenz allein schon sprach laut, und die Gegner selbst konnten nicht ruhen, an ihr Dasein immer wieder, zu erinnern. Trotz aller kirchlichen Gewalt verbreitete sich' jedoch der monotheistische Gottesgedanke, durch die civilisirte Welt, die durch den Humanismus und die Reformation frei geworden. Mit. dieser Verbreitung trat aber auch ein neuer Gegner auf. So lange die Philosophie auf dem dogmatischen Standpunkt verblieb, hielt sie den monotheistischen Gottesgedanken mehr oder weniger fest. Indem sie aber auch in ihrer modernen Entwickelungsphase zur Kritik und Beseitigung aller Voraussetzungen gelangte, trat in ihr, wie im Alterthume, der Atheismus, . Materialismus, Mechanismus und Pantheismus wieder auf,-, also die heidnische Gestaltung in neuer und vertiefter Anschauung. Aus der Philosophie aber erstiegt zu aller Zeit eine populäre Vorstellung, die der Richtung jener entspricht und die in der sg. gebildeten Welt sich mehr oder weniger verbreitet. Hiergegen hat abermals die monotheistische Gotteslehre wie gegen alle oben bezeichneten feindlichen Elemente den Kampf fortzuführen. Bei diesem Kampfe giebt es einen Erfolg nach zweien Seiten hin, die jedoch eng miteinander verbünden sind: Die Anerkennung der monotheistischen Gotteslehre und die Anerkennung des Iuventhums als Fundament und Träger derselben. Die Letztere hat ihre Schwierigkeit für sich und macht eher Fortschritte bei den Gegnern als bei den Anhängern des monotheistischen Gottesgedankens. Denn Jene, welche alle positive Religion mit ihrem Widerspruch oder selbst mit ihrem Hasse verfolgen, schlagen gern auf das Iudenthum als die Mutter derselben los. Das Christenthum und der Islam aber, indem sie bei den Bekennern des Iudenthums keinen Anklang fanden und in der Existenz desselben eine Verneinung für sich sehen, bemühen sich immer von Neuem, feinen Werth herabzusetzen und seine weltgeschichtliche Mission höchstens bis aus die Zeit zuzugestehen, wo sie selbst entstanden sind. Endlich die Freunde des monotheistischen Gottesgedankens glauben sich, über das Iuventhum erhaben und wähnen, ihre Ansichten aus sich selbst geschöpft zu haben. Während das Letztere unwahr ist, verlieren sie durch das Erstere das feste Fundament, das ihnen das Iudenthum als große geschichtliche Erscheinung gewähren könnte. Auf einem besseren Wege finden wir-Herrn Peschel. Den Hauptgedanken, den er im gedachten Capitel entwickelt,- drückt er nach den Anfangs, citirten Worten folgendermaßen aus: „Das alte Testament in seinen arglos und treuherzig gegebenen Sagen und Erzählungen läßt uns als treuer Spiegel das langsame Reifen dieser oft auf's höchste bedrohten Frucht beobachten. Weil wir atze schon in der Jugend die Wahrheit eingesogen haben, daß das Heilige, und Ewige nur ein untheilbares sein könne, übersehen wir die Schwierigkeiten, welchen die Ausbreitung dieses Gedankens begegnen mußte, als es neu, schwankend undunklar von Wenigen getheilt, von der Mehrzahl anderen und älteren Vorstellungen zulieb zurstckgewiesen wurde. Ein Volk, welches 23* ' *