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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-26 · Heft 22 (26.5.1874) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 22 (26.5.1874)
Date
1874-05-26
Page
Seite 371 (sequence 9)
Language
German
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371 Handwerksschule, 30 sind Nähterinnen, 1 Malerin bei der berühmten Rosa Bonheur, die übrigen erlernen das Geschäft und verschiedene Handwerke. Paris, 11. Mai. tPrivatmitth.) Die Angelenheit der eingeborenen Israeliten in Algerien geht langsam, aber nicht zum Besseren vor sich, und erweckt diese Langsamkeit nur noch die Hoffnung, daß mittlerweile ein freisinnigerer Geist in der Nationalversammlung herrschend werden könne, als er in der mühsam zusammengehaltenen gegenwärtigen Majorität vorhanden ist. Ein royalistischer Deputirter, Herr de la Sicotiöre, hat den Bericht über die Acte der National-Regierung in — Algerien verfaßt. Dieser Herr sucht in seinem Berichte zu beweisen, daß alles Ungemach, von dem diese Colonie betroffen wurde, den Juden zuzuschreiben wäre. Er schleudert sein Anathema insbesondere gegen Crömieux, welcher den Juden in Algerien politische Rechte verliehen hat, und beantragt, den Juden sowohl diese als auch alle anderen Rechte wieder zu nehmen. Das Pikante an der Sache ist, daß Cremieux eingeladen wurde, der Verlesung dieses Berichtes in der Commission beizuwohnen, was dieser begreiflicherweise abgelehnt hat. Zweifaches geht hieraus hervor. Der bekannte Mangel der Franzosen an Colonisationstalent muß auf die Schultern Anderer geworfen werden, und dazu sind die Juden Algeriens ausersehen. Die Wirkungen der Militärherrschaft, die Kämpfe und Einfälle der Kabylen und Beduinen, die traurigen Erfolge der Colonien, Alles sollen die 27,000 eingeborenen Juden verschuldet haben! Das Zweite ist, was allerdings keines Beweises bedarf, welch, ein Regime in Frankreich eintreten würde, wenn die Royalisten die Herrschaft erlangten. Italien. Padua, im Mai. Hier ist unser verdienter Glaubensgenosse, Graf Michael Corinaldi, verstorben, der sich als italienischer Dichter einen Ruf erworben. — Zu Colorno im ehemaligen Herzogthum Parma verstarb am 22. Marz Moses Fontanella im Alter von 75 Jahren, der sich in fernen Gegenden ein bedeutendes Vermögen erworben und dann in seine kleine Vaterstadt sich zurückgezogen hatte- Er brachte, wie die „Gazetta di Parma" sagt, sein Alter mit Werken der Wohlthätigkeit zu. Er hat 70,000 Lire den Schulen, Gewerksgenossenschaften u. s. w. ohne Unterschied der Religion vermacht; 1000 Lire bestimmte er für die wiederherzustellende Rabbinerschule in Padua. Griechenland. Korfu, im Mai. Der „Corr. isr." meldet, daß unser Glaubensgenosse, der Ritter Elia de Mordo, zum Podesta, d. i. Bürgermeister der Insel erwählt worden ist. Wer an die Vergangenheit dieser Insel und des Schicksals der Juden auf ihr zurückdenkt, muß den Fortschritt der modernen Zeit segnen und kann auch für die Zukunft der übrigen Theile des griechischen Volkes einige-Hoffnung hegen. Amerika. New-Uork, im April. Auch in Texas, mehrt sich die Zahl der jüdischen Gemeinden. In Austin z. B. hat sich jüngst eine Gemeinde constituirt und eine Summe gezeichnet, um sich eine stattliche Synagoge zu bauen. — Der „Jew. Meffenger" macht die Bemerkung, daß bei der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten grassirenden Agitation für „die Rechte der Frauen" die jüdischen Damen gänzlich fehlen. Das Blatt sagt: „Keine israelitische Dame ist unseres Wissens eifersüchtig auf die Lorbeeren der schönen Quäkerin Miß Smiley oder der Mrs. Hanaford und verlangt „ihren Brüdern zu predigen." Die Neigung zur Predigt mag auch unter den israelitischen Damen vorhanden sein, aber sie beschränken sie auf den Kreis ihrer Familie zu etwaigen Gardinenpredigten oder auf Damengesellschaften, wo die geselligen Angelegenheiten eifrig besprochen werden. Selbst die Frage, ob die Damen in Meetings, wo die Angelegenheiten der Synagoge verhandelt werden, die Frauen mitstimmen sollen, bat sie kalt gelaffen, obgleich sie als Eigenthümerinnen von Synagpgensitzen das Recht dazu hätten. Nicht einmal die Instructionen für den Vorbeter zu geben, beanspruchen sie." Daß es ihnen nicht an Geist fehlt, braucht nicht erwiesen zu werden; aber sie befriedigen sich mit der ihnen gebührenden Herrschaft im Hause und wissen diese zu behaupten, und zwar in Uebereinstimmung mit ihren Männern. Barranquilla (Neu-Granada), 9. Marz. Die hiesigen Israeliten, 64 an der Zahl, welche bereits seit 20 Jahren einen Begräbnißplatz besitzen, haben in diesen Tagen sich als Gemeinde, constituirt unter dem Namen: „6ommumäa6 israelita Colombiana“. Buenos'Ayreö, im April. Der „Eduz. Jsr." berichtet von hier, daß während der Cholera epidemie, die jüngst so großen Schrecken in unserer Stadt verbreitete, unsere geringzählige jüdische Bevölkerung jeden Morgen in ihrem Betlocale sich pünktlich versammelt hat, um gemeinsam das Gebet zu verrichten. Sie war auch bereit einander Hülfe zu leisten, was jedoch nur in einem Falle war. Zu den beiden Thorarollen, die sie be/itzt, sind jetzt auch kostbare Verzierungen, aus England angekommen, die sie daselbst bestellt hatte.

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