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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-26 · Heft 22 (26.5.1874) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 22 (26.5.1874)
Date
1874-05-26
Page
Seite 370 (sequence 8)
Language
German
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richter, der Reichstagsabgeordnete von Breiten m s. w. waren zugegen. Der Rabbiner Herr Schlesinger löste seine Aufgabe, sn der alten, wie in der neuen Synagoge die Abschieds¬ und 7 die Weihepredigt zu halten, in beredtester und ergreifendster Weise. Wir hoffen,, daß seine beiden Reden im Druck erscheinen werden. Mannheim, im Mai. (Privatmitth.) Vor bereits einem 'Jahre hat es dem unerforschlichen Willen des Weltenlenkers gefallenunfern allverehrten, hochverdienten, an der hiesigen Volksschule angestellten College«, Herrn Hauptlehrer M. Weil, in seinem besten Mannesalter durch einen raschen Tod uns zu entreißen. Eine allgemeine tiefe Trauer bekundete den schweren Verlust. Da gab die israelitische Gemeinde alsbald den schönen Beweis echter Pietät sowohl, wie auch ihres hohen, altbewährten Sinnes für die Schule und ihre Lehrer dadurch, daß sie der Wittwe, ohne gesetzlich dazu verpflichtet zu sein, einen Wittwengehalt festsetzte, der sie vor jeder Noth für alle Zukunft sicher stellen sollte. Und am Jahrestage schaarten sich die Schüler des Verblichenen zu einem Liebesbunde und bewiesen ihre kindliche Dankbarkeit durch Errichtung eines schönen Grabsteines mit dem Motto: „Die Weisen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und die, welche Viele zur Gerechtigkeit geführt, wie die Sterne, immer und ewig." Glücklich eine Gemeinde, der ein solcher Geist innewohnt. Möge sie mit ihren Institutionen, ein Segen Gottes bleiben und als Mustergemeinde. bezüglich ihres wohlgeordneten vorzüglich geleiteten Unterrichtswesens, sowie ihres einigen zeitgemäßen Cultus und der zahlreichen humanen Einrichtungen bei den Schwestergemeinden Deutschlands recht häufige Nachahmung finden. K . . . Bromberg, 1 l. Mai. (Privatmitth.) Die bereits gemeldete Wahl des Stadtraths und Banquiers Dagobert Friedl and er zum Mitgliede des Herrenhauses auf Lebenszeit ist durch Allerhöchsten Erlaß vom 25. April genehmigt worden. Oesteneichisch-ungarische Monarchie. Stanislau (Galizien), 11. Mai. Heute, am vierten Wahltermine, fand die Bezirkswahl aus der Gemeindevertretung nach gänzlichem Ausgleiche beider Parteien statt. Gewählt wurden fünf Polen und drei Juden. Der Bezirksrath besteht daher aus elf Polen, elf Ruthenen und vier Israeliten. (Bei den im Lande stattgefundenen Bezirkswahlen haben dieselben Parteispaltungen zwischen Polen, Ruthenen und Juden im Allgemeinen, stattgefunden. Die von der Elaste der Höchfibefteuerten in den Städten zu treffenden Wahlen sind zumeist auf Juden gefallen.). Brody, 12. Mai. Von hier erhielt die „R. fr. Pr." folgendes Telegramm: Nach dem Vorgehen in Mosciska wurde in Borki, Bezirk Tarnopol, wegen des. Verhaltens bei den letzten Wahlen die Excommunication der mit Juden umgehenden Christen publicirt, so daß die Transportirung eines Kranken nach Taryopol unterbleiben mußte, weil Niemand einen Wagen dazu vermischen wollte. .. (Unter Excommunicationen ist hier wohl keine kirchliche zu verstehen, die ja über Religionsgenossen, welche ganz außerhalb der Kirche stehen, nicht, ausgesprochen werden kann, sondern eine Aechtung. So gefährlich dieses scheint, so glauben wir doch, bei dem Bevölkerungsverhältniß in den galizischen Städten, daß es nur einiger Ausdauer bedarf, um diese neue Art von Strike verschwinden zu sehen.) Frankreich. Paris, 15. Mai. (Nach den Arch. isr.) Aus den Verhandlungen des Konsistoriums von Paris heben wir hervor, daß zwar der eine der neuerbauten Tempel, nämlich der in der Straße de la Victoire, noch nicht zum Pfingstfest, wohl aber zu den Herbstfeiertagen eröffnet werden wird. Mit der Vollendung des zweiten wird es noch eine Zeit lang anstehen. Man hat beschlossen, daß der alte und. dieser neue Tempel von einer und derselben Commission, aus zwanzig Personen bestehend, verwaltet werden sollen. Bekanntlich will man in dem Tempel der Straße de la Victoire den deutschen und den portugiesischen Ritus verschmelzen, ein gewiß lobenswerthes, aber auch schwieriges Werk. Ein für diesen Zweck erwähltes Comitä hat seine Arbeit vollendet und das Consistorium sie genehmigt. Man hätte gewünscht, etwas Näheres hierüber zu erfahren, weil dies von allgemeinem Interesse ist, und die Arch. isr. würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie einen ausführlichen Bericht brächten. — In den jüdischen Kinderbewahranstalten von Paris soll die Fröbel'sche Methode eingeführt werden, und da die Stadt sich für . dieses System noch nicht entschlossen hat, also auch nicht die Kosten zu tragen braucht, erklärte sich der Präsident des Consistoriums (Baron Gustav von Rothschild) bereit, die Kosten für die Einführung in den jüdischen Kinderbewahranstalten zu tragen. — Die neue Gemeindekasse hat, wie wir bereits berichteten , einen trefflichen Erfolg gehabt. Aber über die Verwendung ist man noch immer im ersten Stadium der Berathung. — Das Consistorium schließt, daß in Zukunft der religiöse Dienst bei den Beerdigungen nur durch die angestellten Rabbiner geschehen soll und überträgt dem Großrabbiner die nöthige Vertheilung. Man hegt eb.en im Judenthume nicht die Besorgniß, daß dies zu einem Mißbrauch des geistlichen Ansehens führen könne. -— Die Gesellschaft für den Schutz weiblicher Lehrlinge und Arbeiterinnen hat im Jahre 1873 unter ihrer Obhut 74 weibliche Lehrlinge gehabt; 3 bestimmten sich für das Lehrfach , 6 besuchten die

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