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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-26 · Heft 22 (26.5.1874) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 22 (26.5.1874)
Date
1874-05-26
Page
Seite 369 (sequence 7)
Language
German
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errichteten Grabmonumentes bestattet worden war. So berichtet uns Jofephus (jüd. Krieg I, 33, 9), daß dev König Herodes nach Herodium feierlich gebracht und daselbst seine Leiche beigesetzt wurde. Vor der mit königlichem Schmucke ausgestatteten Bahre gingen/ unter Anderen fünfhundert Sklaven und Freigelassene, welche Räucherwerk trugen, und diese-ungeheure Masse Specereien wurden hernach vor dem Grabmale verbrannt. Der Sinn jener drei biblischen Stellen, die hierbei in Betracht kommen, kann daher gar nicht zweifelhaft sein. Die Hauptstelle ist 2 Chron. 16, 14, wo vom ^Könige Aßa gesagt wird: „Und sie begruben ihn in seinen! Grabmale, das er sich errichtet hatte in der Stadt Davids, und sie legten ihn auf das Lager (der Sarkophag), das gefüllt war mit Specereien aller Art, gewürzt durch Würzerarbeit, und dann brannten sie ihm einen überaus großen Brand ab. Das letztere fand also statt, nachdem die Leiche begraben und in den Sarkophag, der mit Specereien. „gefüllt" war — und ausdrücklich «b73 .— gelegt worden. Das hd-hü ib rpui wird, wenn man noch einen Zweifel hätte, durch 5 Mos. 12,31 sicher gestellt, wo BrpnbNb rpm „zu Ehren ihrer Götter verbrennen" mit Hinzufügung des Gegenstandes iin Accusativ bedeutet. So heißt es ferner, daß, als der König Joram gestorben, das Volk ihn „ohne Bedauern in der Stadt Davids, aber nicht in den Begräbnissen der Könige begrub," und „ihm keinen Brand zurüstete, wie seinen Vätern" (2 Chron. 21, 19). Das Begraben der Leichen fand also immer zuerst statt, und dann erst wurden diese Ehrenbrände von Specereien und Kostbarkeiten angezündet. So allein ist auch die dritte Stelle Jerem. 34, 5 zu verstehen, wo der Prophet dem Könige Zidkijahu weißsagt: „In Frieden wirst Du sterben, und wie um Deine Väter, die früheren Könige, die vor Dir waren, Brande angerichtet wurden, so wird man auch um Dich verbrennen, und „Wehe Herr!" um Dich klagen." Auch hier kann das °sb nur „um Deinetwillen, Dir zu Ehren" bedeuten. — Es ist in diesem Blatte ja nicht der Ort, die übriger! Uebertreibungen dieser Herren in gesundheitlicher und volkswirthschaftlicher Beziehung zu bestreiten und zu widerlegen. Aber sie sollen nur nicht die Geschichte verfälschen und sich aus dieser unbegründete Beweise holen wollen. Das sittliche Moment ist in diesem Blatte bereits nachdrücklich betont worden. Berlin, 14. Mai. (Privatmitth.) Daß bei einem heftigen Parteikampfe ein versöhnliches und objectives Urtheil bei dem Gegner, der auf seinem „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!" beharrt, keinen Anklang findet, ist eine bekannte Sache, und hat der Abg. Miquel in diesen Tagen erfahren. Er hat es sich gefallen lassen müssen, wegen seiner in solchem Geiste gehaltenen Rede von dem Lieblingsblatte des Papstes, dem Organe der römischen Curie, der „Voce della Verita", für einen Juden ausgegeben zu werden. Wir könnten damit zufrieden sein; denn schließlich fällt uns Juden doch die Rolle der unparteiischen Beobachter, der objectiven Beurtheiler und womöglich des versöhnlichen Geistes zu. So aber hat es diese „Stimme der Wahrheit" (!!!) nicht gemeint. In demselben Athem vergleicht sie Miquel mit Kaiphäs und sagt ihm voraus, daß er ebenso seinem Vaterlande Unheil und Verderben bereiten werden Wir können hierüber nur lächeln. Wir meinen, die Geschichte mit Kcuphas ist gerade ebenso wahr, wie, daß der frühere Bürgermeister von Osnabrück ein Jude ist, und so wenig die „Voce" dies verbürgen kann, vermag sie die Geschichte jenes Hohenpriesters mit Jesus zu verbürgen. Die päpstliche „Stimme der Wahrheit" reicht nicht einmal bis zum Pilatus hinan; denn dieser fragte doch noch: „Was ist Wahrheit?" Die Männer der „Voce" aber geben dreist die Lüge für die Wahrheit aus und behaupten, Miquel sei ein Jude, obschon sie es anders wissen. Hat doch mit richtigem Tacte in den jüngsten kirchenpolitischen Verhandlungen des Reichstages und des Abgeordnetenhauses kein Jude das Wort genommen. Jndeß sieht man, daß auch die Ultramontanen soweit gekommen sind, daß sie jeden tüchtigen und beredten Mann, der ihr Freund nicht ist, für einen Juden ausgeben. — . Das Berliner Localcomitü der „Alliance isradlite universelle" veröffentlicht soeben den Geschäftsbericht von dem im October 1869 von ihm begründeten „russischen Hülfswerke". Danach betrugen die Einnahmen vom 1. October 1869 bis 31. December 1873 12/592 Thlr. Davon wurden 11,558 Thlr. allein aus Berlin vereinnahmt. Die Ausgaben betrugen 11,821 Thlr.; für Stüdirende wurden verausgabt 2287 Thlr., für Handwerker 4307 Thlr., für Waisen 1146 Thlr., für Auswanderung 1817 Thlr. —. Am 21. und 22. April fand hier, wie bereits angezeigt worden, eine Berathung der Alliance statt. Für das pariser Centralcomitü waren der Größrabbiner Zadoc Kahn und vr. Deremburg anwesend. Große Erwartungen knüpft Man an diese' Berathungen nicht. Man hat genugsam Erfahrung gesammelt, um zu wissen, daß die Angelegenheit der westrussischen Juden nur durch sie selbst und die Verbesserung ihrer Lage seitens der russischen Staatsregierung zu einem gedeihlichen Ziele geführt werden kann. Die Hülfsmittel an Geld für diesen Zweck sind bis auf ein Minimum geschwunden, und werden sich nur kärglich wiedersinden lassen. Wirkliche Abhülfe in großen Dimensionen' ist daher gar nicht zu erzielen. Man kann in der Thal dieser großen Masse unserer Glaubensgenossen nur bei Gelegenheit so großer Nothstände, wie sie vor einigen Jahren während der Hungersnoth stattfänden, einige materielle Hülfe verschaffen. Alles Andere ist niehr Schein als Wirklichkeit. Aüs Würtemberg, 10. Mai. (Privatmitth.) Indem Marktflecken Flehingen wurde am 1. d. eine neue schöne Synagoge eingeweiht. Der ganze Ort nah»! den herzlichsten Antheil und war mit Fahnen, Guirlanden und Laubgängen geschmückt. Mit Recht konnte der Bürgermeister bei der Eröffnung der Pforte hcrvorheben, in welcher Eintracht die drei Confessionen hier leben; denn aus allen Ständen waren die Bewohner Flehingens versammelt, und der Bezirksamtmann, der Oberamts-

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