Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1874)
- Date
- 1874-05-19
- Page
- Seite 354 (sequence 8)
- Language
- German
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(Schön m dem diesjährigen Programm rangirt der vr. Wedell untnkttelbar hinter dem evangelischen Religionslehrer, Prediger Schlecht; ' auch in den Etats der Stadtgemeinde Posen ist die Reihenfolge eine derartige). 2) Daß in der Uebersicht über die Vertheilung der Lehrpensa für die einzelnen Classen auch die Pensa! des jüdischen Religionsunterrichts gleich denjenigen der christlichen ausgenommen werden. (Auch dies ist bereits in dem diesjährigen Schulprogrämm geschehen). 3) Daß endlich bei der öffentlichen Prüfung aller Classen auch die jüdische Religion als Prüfüngsgegenstand zugelassen werde.— Dagegen ist das Gesuch des -vr.' Wedell, 'daß : auch, die jüd. Abiturienten in der Religion geprüft, und deren Kenntnisse in den Abgangszeugnissen beurtheilt werden, seitens des Provinziälschulcollegiums abschläglich beschieden wordenda die Prüfungsordnung vom 6. October 1559 der Religiönsprüfung jüdischer Abiturienten nicht erwähnt. Neu ist demnach bei dieser Verfügung nur, daß von nun ab bei der öffentlichen Prüfung der Realschüler auch in der jüd. Religion, geprüft werdenkann/ - ' Heilbrönn ä. Neckar, im April. (Eingesandt.) Folgende Mittheilung möchte auch einiges 'allgemeineres Interesse haben und' bitten wir deshalb^ um gef. Abdruck. ' In den Halbfeiertagen des jüngsten Pirsfähfestes hielt der hiesige Armenunterstützungsv er ein- — 'vÄ ri-in'n — seine elfte jährliche Generalversammlung, an welcher die Majorität der 132 Mitglieder lebhaften Äntheil nahm. Die wachsende Zahl der wandernden 'Armest und ihre öftere Wiederkehr im Jahre har nicht nur die Einnahmen an regelmäßigen Beiträgen, Spenden und Zinsen, sondern auch den vorjährigen Cassenvorrath fast ganz aufgezehrt Und mit Nothwendigkeit den Beschluß.hervorgerufen, einestheils die Gabengröße und Gabenzahl zu vermindern, anderntheils einzelne Mitglieder' zu einer ihren Verhältnissen mehr entsprechenden Erhöhung des Jahresbeitrags zu veranlassen und ausnahmslose 'Theilnahme zu erwirken? Im Jahre 1873/74 hat der Verein 'ausschließlich der Verwaltungskosten und des regelmäßigen Beitrags an die „Alliance isra&ite universelle“ noch 2719 fl 12 kr. in 1439 Portionen ausgetheilt, welche in der Skala von 24 kr. bis fl. 5 —. sich bewegten. In Zukunft sollen die Gaben nur an Württemberger und an die ausländischen Armen aus zehnstündigem Umkreis jährlich zweimal, allen entfernteren Bettlern aber bloß einmal innerhalb des Rahmens von ' 1/2 bis 6; Mark verabreicht und arbeitsfähige Leute bis zum 30. 'Lebensjahre stets mit dem Minimum abgefertigt werden. Um 'Täuschungen vorzubeugen und die Identität der Personen eher feststellen zu können, werden künftig nur solche Pässe angenommen "und mit dem Vereinsstempel sigNirt, w elche auch in deutscher Sprüche ab ge fasst sind? Diese Bestimmungen sollen den 'Wanderbettlern allmälig infiniiirt, verbreiteten Zeitungen mit der ' Bitte um Veröffentlichung derselben zugesendet und'den Heimathbehörden derjenigen Länder zu gefälligen Berücksichtigung mitge- ' Heilt werden, aus welchen der stärkste Zuzug solcher Armen zu kommen-pflegt.- (An Württemberger und angrenzende Badenser find heuer 205, an entfernter wohnende' Armen, insbesondere aus Polen, 'Böhmen, Preußen) Hessen, Elsaß rc. aber 1234 Gaben verabreicht worden.)' Allgemein war der Wunsch, nach Mitteln und Wegen zu strebest, durch welche der Straßenbettel gründlich vermindert, arbeitsfähige und junge, Leute nützlicher Thätigkeit zugeführt Und die Provinzen aus Centralcaffen kräftig unterstützt werden, wo die Armuth ihre Quelle hat und massenhaft zu Tage tritt. Es wird auch gehofft, daß-das allgemeine deutsche Gesetz über den Armenunterstützungswohnsitz, consequent durchgeführt, dazu beitragen müsse, die Armen ihrer Heimath eher erhalten zu können , und die Ausstellungder so oft mißbrauchten Bettelbriefe und Empfehlungen auf die notorisch dringendsten Fälle beschränkt werden möge. Obschon es von Jahr zu Jahr schwerer wird, VereiNsmitglieder zu finden, welche die lästige Functionen der Anweisung und Ausbezahlüng übernehmen, so. ist es doch auch diesmal gelungen, hierfür zwei wackere Männer zu freiwilliger Uebernahme dieser Aemter zu finden. Thorn, 1. Mai. (Privatmitth.) Der Brauche daß die Vorstände der jüdischen Gemeinden Jahresberichte über ihre Verwaltung veröffentlichen und ihren Gemeindemitgliedern zukommen lassen, ist noch ein junger, und verdient deshalb noch öfter in diesem Blatte hervorgehoben zu werden, um zur Nachahmung anzueifern. Denn durch nichts ■ kann das Interesse der Gemeindemitglieder für die Angelegenheiten ihrer Corporation mehr erhöht und der gerechte Ehrgeiz, innerhalb Derselben wirksam zu sein, angefeuert werden, und giebt es zugleich den Steuerpflichtigen die Gelegenheit, sich von der Verwendung ihrer Steuern zu überzeugen und ein Urtheil zu bilden. Unser hiesiger Vorstand hat diesen Brauch seit 1872 begonnen und regelmäßig befolgt, so daß wir jetzt seinen dritten Bericht vorliegen haben. Er beschränkt sich nicht auf Zahl und Tabelle, sondern sucht ein klares und bestimmtes Bild von den inneren Zuständen der Gemeinde und ihrer fortschreitenden Entwickelung zu gewähren. - In der Einleitung heißt es: „Wir haben diese vollständige Form und die in's Einzelne gehende Darlegung gewählt, weil wir überzeugt sind, daß solche genaue und umfassende-Darstellungen der Zustände in den einzelnen, namentlich in den größeren, wohlhabenderen und gebildeteren Gemeinden nichtnur diesen selbst einen festen inneren Halt schaffen, sondern auch die Stellung unserer Glaubensgenossen im Staat und in der Gesellschaft; fördernd einwirken können, indem sie Zeugniß davon oblegen, wie viel von unseren Glaubensgenossen für Cultur und ideale-Zwecke gethan' wird." Es heißt ferner darin: „Die erfreulichen Erfolge verdanken'wir, wie wir -uns veranlaßt sehen , unserer in den früheren Jahresberichten; ausgesprochenen Ueberzeugung gemäß hier nochmals zu bestätigen, lediglich dem durch das Gesetz vom 23. Juli 1847 gesicherten Bestände unserer Synagogengemeinde; Und fühlen uns deshalb gedrungen, die von uns in dem vorigen Jahresberichte S. 4 abgegebene Erklärung um so mehr festzu-