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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-19 · Heft 21 (19.5.1874) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 21 (19.5.1874)
Date
1874-05-19
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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351, Wir haben hier eine in jeder Hinsicht - sehranerkennenswerthe Arbeit vorliegen, welche außer, ihrem geschichtlichen Werthe auch auf mancherlei Fragen der Hegenwart Beziehungen hat. Zur Beleuchtung des Zweckes, den der Verfasser sich vorgesteckt hat, seien hier einige Worte der Vorrede angeführt. „Den Freunden der Geschichte der Pädagogik übergebe ich hiermit die vorliegende Abhandlung; sie soll den ersten Theil bilden einer Geschichte , des jüdischen Unterrichtswesens! seit, ber Begründung der Wissenschaft des Iuventhums in Spanien bis aus unsere .Zeit, Nachdem der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Literatur, Dank den verdienstvollen Arbeiten ausgezeichneter Männer, das allgemeine Interesse gewonnen ist, dürfen auch wohl Bearbeitungen specieller Partien auf ihren Leserkreis rechnen, Diese Erwägung hat mich veranlaßt mit dem Unterrichtswesen, auf welches mich Beruf und Neigung anweist, den Versuch zu wagen. Sollte Jemand die Frage aufwerfen, warum ich gerade mit der spanischen Periode und nicht mit einer älteren oder dem Anfänge unserer Geschichte begonnen habe, so komme ich ihm hier mit'der Erklärung zuvor, daß ich mit demjenigen Zeitalter anfangen wollte, für welches das unserige vorzugsweise. Verständniß und Sympathie besitzt. Das ist mit dem spanischen der Fall , das so zu sagen in dem unserigen seine Auferstehung feiert. Unsere Zeit hat wenigstens zuerst wieder die Pflege und Fortbildung der jüdischen Wissenschaft da ausgenommen, wo sie. durchs die Vertreibung der Juden aus Spanien unterbrochen worden ist." Nach einer Einleitung wird! die- Entfaltung und die Blüthezeit der jüdisch-arabischen Cultur in Spanien geschildert, dann die politischen Umwälzungen, die Mystik, die religiösen Streitigkeiten in ihren Folgen für Unterricht und Bildung dargestellt, hierauf die Aechtung der Wissenschaft und der Verfall des Unterrichts vorgeführt, und hieran schließt das 5. Eapitel die äußeren Umstände des Schul- und Lehrwesens während dieses Zeitraumes. Wichtige, zum erstenmale abgedruckte. Urkunden bereicheren in den Beilagen die literarischen Documente aus jener Zeit. Wir wünschen dem Verfasser Muße und Gelegenheit, seine treffliche Arbeit fortzusetzen. Das richtige Verständniß jener Zeiten und mancher ihrer eigenthümlichcn Erscheinungen wird dadurch in einem hohen Grade gefördert. Krotoschin, 5. Mai. (Notiz.) Der literarische Wochenbericht in Nr. 15 d. gesch. Bl. bringt über das Werk des Herrn vr.'Perles, Rabbiner zu München, „Zur rabbinischen Sprach- und Sagenkunde", eine Recension von' Herrn Rabbiner D. Oppe nheim in Gr. Becskerek. Wir heben aus dieser Recension die nachfolgenden Sätze heraus: ' „Allein hätte Herr Dr. P. das Alter dieses vis-, w, in Erwägung gezogen, das zu den spätesten Producten der kabbalistischen Liturgie gehört, so. würde er an eine Vermischung der iranischen und griechisch-römischen Mythologie nicht gedacht haben. Der Verfasser dieses Gebetes ist nämlich R. Jizchak Loria und .' djeser-wußte weder von der Zendavesta noch -von., der griechisch-! römischen Mythologie das allermindeste. Der. zweiundzwanzig-' buchstabige Gottesname ist hier ganz einfach: eine gewöhnliche kabbalistische Wortspielerei, wo ein Buchstabe für, den anderen transponirt wird.. Dergleichen• alphabetische Verwechselungen finden sich auch im Talmud und sogarnach der Ansicht einiger Commentatoren m der Bibeln (S. Sabbath 104 und die Wörterb. 8. y. -sww). R. I acob:Emden in seinem. Commentar zum Gebetbuch.giebt daselbst auch weitläufig an, wie aus dem Priestersegen durch Mutation und Transposition der, Buchstaben, der zweiundzwanzigbuchstabige Gottesname: /in-, onp;« entstanden ist. In gleicher Weise erklärt bereits Alb o, Jkkarim II,: 28, die kabbalistischen. Gottesnamen: -7"v27N2 i7"i2 als bloße einfache Verwechselungen des Tetragramatons , indem statt V der nächste Buchstabe -2, für '77, '7; für '7., '7 und endlich für 'n wieder '7 genommen wurde. Desgleichen wurde in 7"v27?22 transponirt. ^) Alle diese - krausen Worte und- Namen sehen nur anscheinend so mysteriös aus; aber sobald man hinter das Geheimniß kommt, so verlieren sie ihren Zauber und Nimbus." . .r-.-ür:: Soweit Herr Rabbiner Oppenheim. Allein es wundert mich, daß der sonst so gründliche und gediegene Gelehrte nicht merkte, daß seine Worte: „Der zweiundzwanzigbuchstabige Gottesname ist hier ganz einfach eine gewöhnliche kabbalistische Wortspielerei,' wo ein Buchstabe für den anderen transponirt wird," keinen rechten Boden haben, jedenfalls aber hier nichts beweisen. Man braucht btos die Entstehungsweise dieses Gottesnamens (oder, wie einige Kabbalisten sich ausdrücken, dieser .4 Gottesnamen, m?;®. '“0 sich etwas genauer anzusehen — wie diese Entstehung aus. dem Priestersegen in dem.Pardes Rimonim des R, Moses Corduero, eines Zeitgenossen Loria's, ebenso im Gebetbuchscommentar des R. Jacob Emden und in anderen kabbalistischen Werken beschrieben wird — um zu erkennen, daß hier eine ältere Tradition zu Grunde gelegen haben muß. Weder durch einfache Buchstabenversetzung (Ta 2"rr), noch durch irgend eines der sonst bekannten kabbalistischen Alphabets (wie ®"2 n,;N oder v"2 V'n u. s. w.) an sich allein,- läßt sich nämlich diese Entstehung bewirken / sondern nur durch ein künstliches, in der Anwendung anscheinend willkürliches'Gemisch der verschiedensten Alphabete. So ist z. B. in dem Worte ^27127 - das ^7 durch das Alphabet ^"22 in 'n vertauscht^ das istnun. noch ein einfaches Verfahren; dagegen konnte das '2 nur dadurch in '3 transponirt werden, daß es zuerst vermittelst. des Alphabets s"w2 v"nrr in w, und dieses 'u wiederum durch w'2 n"« in '3 vertauscht wurde. Das nachfolgende ist durch 2"rr in 'p, das,'2 durch v"2 V« in 'n verwandelt, das letzte .'7 ebenfalls *) Dieselbe Erklärung geben übrigens schon R. Ascher ben Jechiel in Hilchot Mesusa und Tur Jore Dea Eap. 288; vgl. auch eine etwas nähere Angabe in Vrnriin. t. ■ : Anm, des Referenten. .

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