Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1874)
- Date
- 1874-05-12
- Page
- Seite 339 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Neuem bekräftigt werden. „Man liest in dem Raid el Tounessi: Aw die beiden gelehrten und ehrwürdigen Si Mohammed Zabrom, Cadi von Hamfitis und Si Mohammed El Tahar El Nifa- Cadi der Malikitis. Zahlreiche Klagen sind uns in Betreff der Juden und der Fremden zugekommen, die man sich in unserer Hauptstadt niederlassen läßt, wo sie ein Handwerk üben; diese Nachbarschaft verwundet: die eingeborenen Bewohner, die nicht daran gewöhnt waren. Wir haben entschieden, daß die-Juden und die Fremden sich von jetzt ab mit einer Erlaubniß vom Stadtrath zu versehen haben, welche das Siegel des benannten Rathes trägt und ohne welchen Erlaubnißschein keine Niederlassung gestattet werden kann. Sie müssen folglich den Behörden von Tunis anbefehlen, keinen Niederlassungsact ohne diese Förmlichkeit zu vollziehen. Die Zuwiderhandelnden werden wegen ihrer Uebertretungen und der Unbequemlichkeiten, die sie ihren eingeborenen Nachbarn verursacht, bestraft werden. Den.22. Moharcm Der Machir 1291. Mohammed El Sadik, Pascha. Ae u i ( Der neuentdeckte Wunderrabbi. Eine Reiseskizze von B. C. . (Fortsetzung:) 'Das Gebet war beendigt. Die Gesellschaft kauerte wieder in malerischer Unordnung nieder und, wie billig, holte nun ein Jeder aus seinem Reisebündel, um sich nach der vollbrachten an- und ergreifenden Andacht zu stärken, einige wohlersparte Zehrungsmittel hervor, die wohl schlicht und frugal genug waren. Ein Bissen trockenen Brodes, ein Schluck geistigen Getränks, ein Stückchen roher, koscherer Käse, oder höchstens noch der Ueberrest eines salzigen Herings, das waren die Erfrischungen-, die man bei ihnen gewahren. konnte. Nichtsdestoweniger erheiterte das: einfache Mahl die allgemeine Stimmung. Der andächtige Ernst war gewichen und gab nun einer gemächlicheren Unterhaltung Raum. Auch mich blickte man jetzt mit etwas günstigeren Augen an: Hatte man sich ja überzeugt, daß auch der „Preiß" ihren frommen Gefühlen nicht ganz fremd war, und ich ward bald in's Gespräch gezogen. Wie von selbst ergab sich nun als erster Unterhaltungsstoff ein vertraulicher Gedankenaustausch über Zweck und Ziel der Reise. Nachdem ich meinerseits die allgemeine Neugierde befriedigt? hatte, richtete ich zunächst an meinen unmittelbaren Nachbar, den vorhin beschriebenen, jungen Bachur, die bescheidene Anfrage : „Wo reist Ihr denn hin?"— „Nach Grätz!" war die Antwort. Ich wendete mich an einen Andern : „Und wo reist Ihr hin?"— „Nach Grätzhörte ich wieder. Nach Grätz? -dachte ich, so werden diese wohl lernbegierige Talmud-Jünger sein, .die. daselbst ihren: heißen Wissensdurst zu den Füßen des. als/tiefgelehrten. und orthodoxen Tal- Palästina. > Jerusalem, Ende April.' Abermals langt Nothgeschrel aus Jerusalem in Europa an! In Kleinasien, besonders' aber in Jerusalem, soll Hungersnoth herrschen, und man ruftJ deshalb wiederum die Wohlthätigkeit der Glaubensgenossen an. Mehrfache Telegramme sind deshalb an Sir Moses Montefiore gerichtet worden , und hat sich bereits in London ein Comitä gebildet, welches zunächst Zweitausend L.-St., die noch aus' einer früheren Sammlung (wahrscheinlich für die Perser) 'übriggeblieben, verwenden will und weitere Aufrufe erlassen wird. Sir Moses will trotz seines hohen Alters (90 Jahre) selbst nach Jerusalem reisen. ' Man hofft, daß auch diesmal der Appell' an r die westeuropäischen Israeliten Nicht' erfolglos bleiben wird. —!Außerdem bereist jetzt' ein mit richtigen Papieren' versehener - Sendling aus Jerusalem Frankreich und die änderen Länder behufs einer Sammlung für ein Asyl', das zu errichten ängefangen worden, zur Aufnahme von Greisen, Schwachen und' Waisen. In Paris sammelte er ungefähr 9000 Frs. ' '' k e t o n. /_:// mudisten bekannten Rabbiners zu löschen gedenken. Aber doch so ganz unbedenklich - schien mir diese Annahme nicht/ Sollten otwa die Lorbeeren seiner neüotthodoxen Collegen Mit'ihren neugegründeten Rabbiner-Seminarien zu Berlin, Würzburg ü.' s. w. den alten Mann nicht ruhen lassen und ihn Vermocht'haben, eine neue Jeschiba nach'eigener Fa<M zu creiren, daß Talmudschüler' bis aus dem tiefsten Polen — denn meine jugendlichen Gewährsmänner waren „bei Warschau" zu Hause — herbeigezogen werden müssen? Meine Neugierde war durch diesen Gedanken'noch mehr rege geworden, und ich frug weiter: „Was wollt Ihr aber in Grätz?" „Was wir in Grätz wollen?" erhielt ich schelmisch-' lächelnd zurück, „wie kann man nur so was fragen?""Ich' richtete mein Wort jetzt an einen Dritten. Es war ein alter, großer, breitknochiger Mann , dessen markante Gesichtszüge mit den kleinen, schwarzen, zwinkernden Augen, der kurzen Stumpf-' nase, der dunkelnstraffenabgehärteten Haut am meisten den' Typus der klimatisch- und 'glaubensstrengen russischen Heimath' verriethen. „Und Ihr, Alter, wo wollt Ihr hin?"' -- „Nach" Grätz!" „Ihr auch nach Grätz?" „Und Ihr auch nach; Grätz?<' ‘ So frug ich weiter in die Runde vom Aeltesten bis zum Jüngsten. „Auch nach Grätz, auch nach Grätz, Alle nach Grätz!" erscholl es rings umher.' Wie, ist denn Grätz ein neuer Meß-' platz geworden? Haben sich dort so anziehende neue Geschäfts- ' quellen eröffnet, daß Alt und Jung, Alles nach Grätz strömt?'' „Was wollt Ihr.Alle in Grätz?^ — Ein mitleidiges<, achseilzuckendes Gelächter begleitete diese meine kategorischenaive Frage.': „Ihr; seid a Preiß und wißt Nicht / was in * Grätz < lvs' ist?" „Waswir-Alle? in Grätz -wollen?^ — so würde'mir endliche 20*