Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1874)
- Date
- 1874-05-12
- Page
- Seite 335 (sequence 7)
- Language
- German
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Thron sllzuschwankend, der rumänische Staat allzuunsicher da, und die orientalische Frage will noch mit so zarten Fingern ungefaßt sein, daß ein energisches Vorgehen gegen die Rumänen in einer, nach der diplomatischen Anschauung so secundären Angelegenheit nicht angezeigt sein mag, für spätere Zeiten darum aber nicht ausgeschlossen zu sein braucht. Daß ein paar Tausend Juden die Opfer dieser politischen Verwicklung sind, ist eine Sache, die in der Geschichte nicht allzuselten vorkommt. Wir wollen daher über die Indolenz der Mächte wie der Preffe keine Anklage erheben. Empören muß es aber, wenn die „Kreuzzeitung" sich über das rumänische Verhalten geradezu erfreut zeigt, und höhnisch meint, die österreichische Regierung, welche sich in wichtigeren Dingen gegen Rumänien nachgiebig gezeigt, werde wohl einer Handvoll galizischer und ungarischer Schankwirthe wegen ihr Schwert in der Scheide behalten. Sie wolle nicht untersuchen, ob die Verträge wirklich verletzt seien, aber es handele sich nur um Spirituosenhandel, und da wäre es am besten zu schweigen. Das letztere Argument ist von den Schwestern der „Kreuzzeitung" schon wiederholt hervorgehoben worden, und hat überhaupt in den Augen solcher, welche nur oberflächlich urtheilen, einigen Schein von Recht, und dies ist es, warum wir uns zu dieser Erwiederung veranlaßt sehen. Daß nicht Oesterreich allein, sondern die mitteleuropäischen Staaten überhaupt für Befreiung - und Erleichterung unterdrückter Volksclassen zu thatkräftiger Verwendung sich nicht Herbeilasien, ist eine alte Erfahrung, und schwerlich wäre durch sie die Sklaverei vom Erdboden nur um einige Schritte zurückgedrängt worden. Solche Zwecke sind durch Niemanden anders als durch England und. Frankreich gefördert worden; nur diese Staaten und Nationen haben angestrengt dafür gearbeitet und Opfer gebracht. Nun gar die fromme „Kreuzzeitung" — für wen hätte sie wohl ein Mitgefühl, als wenn etwa ein oder ein paar evangelische Missionäre in einem entfernten Lande, das sich nicht von ihnen bekehren, d. h. beherrschen lasten will, mißhandelt worden! in diesem Falle blutet ihr. Herz, ruft sieihr Wehgeschrei aus, und ein verwüstender Kreuzzug mit Schwert und Flamme wäre das Geringste, das sie fordert, Aber Juden , Mohammedaner und Heiden — jemehr von diesen zu Grunde gehen oder in den Staub getreten werden — desto „lieblicher" wird es ja auf Erden. Diese Leute verschweigen denn gerne, daß es sich in Rumänien nicht allein um Spirituosenhandel bewegt; man hat die Juden ebenso vom Tabakshandel ausgeschlosien, von jeder Staats- und Gemeindelicitation, vom Erwerbe irgend eines Grundstücks, vom Aufenthalt in ländlichen Ortschaften u. s. w. , ' man will sie also geradezu zum Hungertode bringen; die tiefste Armuth, das furchtbarste Elend und der Hungertyphus sollen sie ausrotten, da man einmal in einem „humanen" Zeitalter lebt, und sie deshalb nicht mit einem Male, mit Schwert und Beil erschlagen darf, So steht die Sache, und alle Phrasen über die Schädlichkeit der Schank- Wirthschaften sollen die Sachlage nicht verdunkeln und verhüllen. Ob die bekannte Trunksucht der Rumänen dadurch vermindert werde, daß sie ihren Branntwein nur aus christlichen Händen erhalten dürfen, ist eine Frage, die hier nicht erörtert zu werden - braucht, da es sich bei der ganzen Sache nicht um sittliche Zwecke handelt, sondern nur um Erhöhung der Steuern und um Vernichtung der Juden. Diese zwingt man zuerst, ein baufälliges Haus zu beziehen und wirst sie dann auf die Straße hinaus unterdem Vorwände, daß sie die baufällige Hütte noch baufälliger machen!. Dieser Vorwand der augenverdreherischen Kreuzzeitung, die sich so gerne zur Bundesgenossin jeder Unterdrückung Andersgläubiger macht, ist durchaus nichtig. Braunschweig, 30. April. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde errichtete einen neuen schönen Tempel und geht bei dieser Gelegenheit in der Cultusreform einige Schritte weiter, nachdem sich die bisherige Ordnung 30 Jahre bewährt hat. Besonders soll der musikalische Theil des Gottesdienstes erweitert werden. Der Landesrabbiner Herr Dr. Herzfeld ist deshalb mit einer zweiten Ausgabe seines Gebetbuches eifrig beschäftigt. Oesten-eichisch - ungarische Monarchie. Pest, 27. April. . (Privatmitth.) Nach mehrtägigen Berathungen hat die. Petitionscommission in Angelegenheit des vielbesprochenen israelitischen Schulfondes endlich einen Beschluß gefaßt.! Der desfallsige Referent in dieser Angelegenheit La di s l aus Szögyenyi schlug der.Commission vor, folgende Meinung abzugeben: „Gegenwärtige Petitionen werden mit. Hinweis auf die vom Abgeordnetenhause in dieser Sache gefaßten Beschlüsse ddto 18. März 1870. und 30. März 1871 dem Cultus und Unterrichtsminister zugewiesen, mit der Aufforderung, einen erschöpfenden Bericht dem Abgeordnetenhause vorzulegen, bis dahin aber alles weitere Verfahren in dieser Sache einzüstellen." Ueber die Schlußklausel in diesem Anträge, daß nämlich der Cultusminister, — der übrigens ebensowohl wie der durch seine auch in diesem Blatte gewürdigte Denkschrift über die Seminarangelegenheit sehr verdiente Ministeriälrath Ra nn ich er den Sitzungen beiwohnte, aufgefordert werden solle, bis zur Vorlage seines Berichtes „alles weitere Verfahren hinsichtlich der Errichtung des Rabbinerseminars einzustellen", entspann sich eine langwierige Debatte. Bei der Abstimmung wurde die in Rede stehende Klausel mit einer Majorität von einer Stimme beibehalten,, diese aber in Folge eines von Julius Steiger eingebrachten und mit 6 gegen 3 Stimmen angenommenen Modificationsantrages dahin gemildert, daßblos der Wunsch ausgedrückt werde, der Minister möge bis zur Vorlage seines Berichtes-jedes weitere Verfahren einstellen. Dieser Beschluß der. Petitionscommission spricht genugsam für.sich und bedarf keines weiteren Commentars. ' Pest, 2. Mai. (Abgeordnetenhaus.) Bezüglich der? is rael. Schulfondsangelegenheit wird nach dem Anträge .des Cnltuslninisters § res o r t beschlossen,. den. Bericht des.Ministers,