Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1874)
- Date
- 1874-05-05
- Page
- Seite 319 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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70,000 Thlr. kosten würden, well, ferner hier die Unterhaltungskosten verhältnißmäßig'gering sind (nach dem Maßstab des christk. Waisenhauses berechnet, würden dieselben für 1 Knaben nur auf 48 Thlr. x. a. kommen) und endlich weil hier dieselbe wahrscheinlich Seitens der russischen Israeliten mit Stiftungen bedacht und mancher Waisenknabe von ihnen unterhalten werden würde; viele selbst arme Eltern würden sich Opfer auferlegen, um ihre Kinder in dem Asylhause ausbilden zu lasten; vielleicht könnte man auch auf eine Subvention Seitens der russischen Regierung hoffen. — Ein Gegenstand erscheint in diesem Monatshefte, der bis jetzt in den Acten der Alliance noch nicht figurirt hat, nämlich die Wiederherstellung des Rabbinerseminars zu Padua und die zerrütteten Verhältnisse her Gemeinde zu Rom. Indeß sind es nur Correspondenzen, und die Alliance enthält sich jedes Eingreifens. In der That ist es schon erfreulich, daß die Sache des Rabbinerseminars bei den Italienern wieder zur Sprache kommt. Einige wollen es lieber in Livorno,, andere in Rom sehen. Für die Gemeinde in letzterer Stadt sieht man noch immer keine Besserung, obgleich die Hülfsmittel durch den nicht unbedeutenden Zuzug wachsen. Es scheint nur an tüchtigen Männern zu fehlen, welche sich der Sache mit Eifer und Geschick annehmen. Uebrigens behauptet man, daß vr. A. Berliner in seinen jüngst veröffentlichten Schilderungen sich Uebertreibungen gestattet habe. — In Smyrna behauptet man die Existenz einer geheimen Gesellschaft, Gewaltthätigkeiten gegen die Juden auszuüben. Ein Correspondent aus Smyrna meldet eine neue Schandthat dieser Gesellschaft; drei ihrer Mitglieder drangen in ein israelitisches Caffeöhaus ein und verwundeten schwer den Jeu i f Der «eurntdeckte Wundrrrabbi. Eine Reiseskizze von B. C. Von der Elbe, im März 1874. Der neu entdeckte Wunderrabbi und eine Reiseskizze? — wie reimt sich das zusammen?! So höre ich den geneigten Leser verwundert ausrufen. Doch gemach, lieber Leser, es können wohl manchmal auch die ungereimtesten Dinge zusammen gehören, und dieses wird Dir im Laufe dieser Erzählung schon klar werden. Ich war also auf Reisen und ein Reisebild, wie man ein solches nur in den östlichen Gegenden unseres lieben Vaterlandes öfters finden kann, will ich jetzt vor Dir entrollen. Es war Mitte Februar, als ich diese Zeilen niederschrieb und nur wenige Tage her, da ich dieses Bild gesehen, in dem ich selbst eine Figur ausmache. Der Eindruck deffelben mit allen seinen einzelnen, merkwürdigen Scenen steht mir noch ganz frisch und lebendig vor der Seele und er war so mächtig , daß es mich wahrlich keine allzugroße Anstrengung kostet, ihn Dir mitzutheilen und all das in diesem Bilde von mir Gesehene, Gefühlte und Gedachte naturgetreu wiederzugeben. Wirth und zwei andere anwesende Israeliten; die Polizei nahm zwei von ihnen gefangen, während der Dritte, der eigentlich der am meisten Schuldige sein soll, leider entkommen ist. Rumänim. . Buzeu, 21. April. Von hier erhält die „N. fr. Pr." eine Zuschrift, welche zu dem Artikel in vor. Nr. eine eigenthümliche Illustration giebtt Sie lautet: Herr Redacteur! Ihr geschätztes .Blatt Nr. 3463 brachte an der Spitze einen den hiesigen Judenverfolgungen gewidmeten Leitartikel,- dessen letzter Satz den sehr richtigen Ausspruch enthielt: „.Gott hilft denen, die sich selber helfen!" Jeder denkende Mensch wird beipflichten, daß dieser der beste Weg ist, um endlich einmal den von Tag zu Tag sich verschlimmernden Zuständen Halt zu gebieten. Es ist aber vor Allem dringend nothwendig, daß die unmittelbar Betroffenen, und zwar die Miniatur-Rothschilds res Miniatur-Großstaates, sich dieses unfehlbaren Mittels der Selbsthilfe bedienen möchten, was leider bis nun, wie folgendes Beispiel beweist, nicht der Fall war. Vor Kurzem wurde hier eine Actiengesellschaft unter dem Namen „Roumaine" gegründet. Diese Gesellschaft befolgt das in ihrem Sinne edle Princip, keinen Israeliten, selbst in dem kleinsten Orte, als Agenten (es handelt sich um Afsecuranzen) anzustellen, und dennoch .sind drei jener kleinen „Rothschilds", welche die ersten Banquiers in Jassy vorstellen, unter den Gründern der Gesellschaft. Dieses Factum benöthigt keines weiteren Commentars. Buzeu (Rumänien), 9, (21.) April 1874. P. N. f e t oit. Trotz des diesjährigen gelinden Winters war es plötzlich und auch nur auf kurze Zeit rauh und stürmisch geworden. Sturm und Schneetreiben brausten über die östlichen Fluren unseres preußischen Stammlandes dahin, als ich aufbrach ■, um „nach Westen hin" meine Rückreise anzutreten. In weißes Gewand gehüllt war die Natur, ich in meinen schützenden Reisepelz, Und wie trübe auch die Aussicht in die Ferne vor mir war, im Herzen war's mir licht und leicht und mit dem beflügelten Muthe junger Hoffnung eilte ich dahin mit dem brausenden Dampfrosse durch die schneeigen Gefilde. Allgemach ward's lichter und freundlicher auch in der Natur, das Schneegestöber hörte auf, die frostige- Kälte milderte sich , der milde, winterliche Sonnenblick strahlte wieder ungehemmt hernieder, und mein Gemüth, in innigster Harmonie mit diesem friedlichem Anblick der Natur, pries nun versöhnt mit den Unbilden des Augenblicks des weisen Schöpfers allwaltende Herrlichkeit, der ja „Alles so schön und recht gemacht, ein Jegliches zu seiner Zeit". Und weiter eilte mein Zug. Ich fuhr auf einer der jüngst eröffnten Bahnstrecken. Kaum fand ich Muße genug, die schnell 19