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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-05 · Heft 19 (5.5.1874) · p. Seite 318

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 19 (5.5.1874)
Date
1874-05-05
Page
Seite 318 (sequence 8)
Language
German
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hier in der Phnkas-Synagoge ein Greis „aufgerufen", der be- .. reits in frittem-11' 7; Jahre Mt:; Derselbe ist zwar erblindet, aber noch ziemlich rüstige (Vereinsnachrichten.) Der endlich doch zu Stande gekommene böhmische israelitische Lehrerverein hielt Anfangs April in Prag feine erste Plenarversammlung ab, in welcher auch die Herausgabe eines Vereinsblattes, das allmonatlich erscheinen soll, beschlossen wurde. Dasselbe soll außer pädagogischen Abhandlungen vor Allem auch solche über „das. Verhältniß der jüdischen Schule zu den Schulgesetzen" bringen. Redacteur des Blattes ist. der Vereinsfchriftführer, Herr Lehrer Löwy. Montag den 30. v. M. hielt der „Frauenverein zur Erziehung armer israelitischer Waisenmädchen" seine statutenmäßige Generalversammlung für das Jahr 1873 ab. Die Vorsitzende Frau Karoline Stark eröffnete die Sitzung mit einem Rückblicke auf das vom Verein entwickelte Wirken. In der von demselben begründeten . Waisenanstalt für Mädchen wurden 15 WaiseNmädchen erzogen. Die von den einzelnen Zöglingen verfertigten Arbeiten wurden auf der Wiener Weltausstellung mit dem Anerkennungsdiplom ausgezeichnet. Der Vermögensstand des Vereines'ist trotz der nothwendig bedeutenden Auslagen, Dank der allgemeinen Sympathie, die man ihm entgegenträgt, ein äußerst günstiger/' Das Gesammtvermögen des Vereines betrug * mit Schluß' -1873 31,314 fl. 47 kr., die Einnahme bloß für das Jahr 1873 7074 fl. 53 kr., denen eine Gesammtausgabe von 4477 fl. 27 kr. für 1873 entgegensteht. Nach Genehmigung des Geschäftsberichtes wurde auf Antrag des Vorstandes Herr Pros. vr. Przibräm, der dem Vereine als Arzt vorsteht, zum Ehrenmitglied ernannt/ und bet der hierauf vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes, die statutenmäßig aus dem Vorstande austretenden Mitglieder einstimmig wiedergewählt. ' In der am 5. d. Mts. abgehaltenen Generalversammlung des Krankenpflegevereins Derech Jescharah und Maskil el Dol wurde vom Director des Vereines mitgetheilt, daß dem Vereine im vorigen Jahre 18 Mitglieder beigetreten und 26 durch den Tod abgegangen find, und daß nunmehr die Milgliederzahl 484 beträgt. Das Vermögen des seit 82 Jahren bestehenden Vereines betrug am Schluffe des' Vereinsjahres 1873 18,479 fl: 94 kr. Die Einnahme 2450 fl. 65 kr. Die Ausgaben 2113 fl. 6 kr. Unter den eingelaufenen Spenden befinden sich auch 100 fl. vom Cardinal-Erzbischdf, Fürsten von Schwarzenberg. Die statuarisch austretenden Ausschußmitglieder wurden sämmtlich wiedergewählt , an der Stelle eines verstorbenen Vorstandsmitgliedes trat Herr S. Angel als neugewählt in den Ausschuß ein. R. 0. V. Frankreich. Paris, 27. April. (Privatmitth.) Aus dem monatlichen Bulletin der Alliance israÄ. univ. habe ich diesmal hervorzuheben, daß man in der letzten Sitzung beschlossen hatte, am 21, und- 22. April: eine Conferenz in Königsberg abzuhalten, um über die Fortsetzung des Unterstützungswerkes für die westrussischen Juden zu berathen. Der Beschluß wurde dahin geändert, daß die Conferenz in Berlin stattfinden und nur aus den Mitgliedern des CentralcomitLs und drei bis vier anderen. Personen, deren Mitwirkung besonders'nützlich erscheine, bestehen solle. — Hiermit trüge diese Conferenz den Charakter einer sehr eingeschränkten Versammlung und die deutschen Localcomitäs hätten nicht die Ehre, daran Theil. zu nehmen. — Nach unserer Meinung ist die Sache selbst aus zwei Gründen schwieriger als je geworden. Zunächst fehlen gegenwärtig die Mittel, irgend wirksame Maßregeln auszuführen, und es wird schwer halten, das. Publicum noch einmal dafür zu begeistern. Andererseits ist gegenwärtig, da. das russische Gesetz die allgemeine, Wehrpflicht ausgesprochen, und die Juden in demselben den übrigen russischen Unterthanen völlig gleichgestellt hat, die Beförderung der Auswanderung nach anderen Ländern eine delicate, wenn nicht, ge-, radezu mißliche Sache, da es scheinen könnte, als ob man der Ausführung dieses Gesetzes entgegentreten wolle, und in manchen Fällen dies wirklich stattfinden könnte. — Wir glauben daher, daß die Alliance sich auf Förderung der Volksbildung beschränken müßte, etwa auf Erziehung von Waisen und verwahrlosten und verlassenen Kindern. — Verfolgt die russische Staatsregierung die von ihr betretene Bahn , ihre jüdische Unterthanen gleichzustellen, gewährt sie ihnen besonders die Freizügigkeit durch das ganze Reich, so hätten die westeuropäischen Juden keine Veranlassung mehr, für jene thätig zu sein. Wir hoffen, daß die Conferenz in Berlin dies einsehen und unzweideutig aussprechen werde, ohne mit schönklingenden Phrasen eine doch nur geringe Wirksamkeit zu umhüllen. Wir können uns nur freuen, wenndurch die staatliche Besserstellung unseren Glaubensgenossen in irgend einem Theile der Welt ein Gegenstand für die Wirksamkeit der Alliance entzogen wird, denn dann ist ja deren Ziel hierfür erreicht. Es bleibt doch noch genug zu thun. — Hiermit steht nicht im Widerspruche, was Herr vr. Rülf aus Memel schriftlich mittheilt. Er setzt nämlich auseinander, wie er auf den Gedanken kam, dort ein Zufluchtshaus für die jungen Pol-' mischen Waisen zu gründen; er habe niemals/::sagt er, den.Prüfungen des dortigen christlichen Waisenhauses beiwohnem können, ohne an jene drei Millionen bedrängte Israeliten zu denken, die in Rußland leben, und an jene Tausende von verlassenen Waisenkindern, die aus Mangel an aller geistigen und leiblichen Pflege in trauriger Weise dem Elende preisgegeben sind. Er wünschte für diese Kinder ein Zufluchtshaus eröffnet zu sehen, das in jeder Beziehung dem christlichen Waisenhause ähnlich, von der privaten Barmherzigkeit gegründet und unterhalten würde und wo wenigstens.100 Kinder bis zu ihrem 14. Lebensjahre ihre Erziehung finden sollten. Diese Anstalt würde am besten in Memel errichtet werden, weil man hier schon für 8 bis 10,000 Thlr. Grundstücke erwerben sann, hiss qnderswo §0 hiß

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