Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1874)
- Date
- 1874-05-05
- Page
- Seite 314 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3226980--32568-3255541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Denn schon im Talmud- und Midrasch wird neben dem. wortgetreuen, ja buchstäblichen Verständniß die freieste Bewegung der Auslegung gepflegt und das überlieferte Wort der mannigfaltigsten Erklärung heimgegeben'. Im Iudenthume hat niemals irgend eine Ueberfetzung oder irgend eine Auslegung eine unbedingte, gewissermaßen officielle Autorität erlangt, wie dies in den verschiedenen Kirchen der Fall war, sondern die stets freie Forschung konnte in ihrer Weise das Verständniß immer wieder von Neuem schaffen. So hat diese heilige Schrift ihre Aufgabe an dem israelitischen Stamme, und dieser seine Aufgabe an der heiligen Schrift bis. jetzt treulich erfüllt. Und wer von uns fühlt es nicht auch in der Gegenwart, wie Unentbehrlich, wie segensreich ihm all' dies geheiligte Wort ist? Wie oft er sich gedrungen fühlt, nach demselben zu greifen und aus ihm zu schöpfen? Schon von früher Jugend wurde aller Zeit dem israelitischen Kinde die Ehrfurcht vor diesem Erbtheil seiner Väter eingeflößt; mit verehrungsvollen Blicken schaut es darauf hin, wenn in der gottesdienstlichen Versammlung der Gemeinde die Rolle der heiligen Schrift enthüllt und geöffnet wird; in jedem israelitschen Ha-use war es stets das erste Bedürfnis, ein Exemplar dieses Buches der Bücher zu besitzen und zur Hand zu haben, und wie gern sah man es, oft von Geschlecht zu Geschlecht vererbtin schöner Ausstattung und reicher Verzierung. Und solchen, Wünschen zu genügen ist insonders diese neue Ausgabe, diese Prachtbibel bestimmt. Seit langen Zeiten hat sich auch die Kunst dem heiligen Buche dienstbar gemacht. Sie hat einerseits demselben die tiefsten Geheimniffe seines innersten Wesens, seine weckendsten und erschütterndsten Momente, die hervorragendsten Personen und Situationen abzulauschen und zu künstlerischer Darstellung zu bringen gesucht; andererseits es durch mehr oder minder gelungene Illustrationen dem Beschauer anziehend zu machen und zu erläutern. So hat denn auch der vielseitigste Künstler unserer Zeit, Gustav Dor6, sich dem Buche der Bücher zugewendet und dem? selben die herrlichsten und leuchtendsten Schöpfungen seines Stiftes gewidmet. Staunend und bewundernd stehen wir vor dieser Riesenarbeit! Einer Künstlerhand ist es gelungen, die ganze heilige Schrift gleich herrlich und bezaubernd zu illustriren. Und durch die Verbindung der Kunst des Xylographen mit der Kunst des Zeichners ist ein illustrirtes Bibelbuch entstanden, wie im weiten Bereich der Kunst kein ähnliches Werk existirt. Eine' Prachtbibel im vollsten Sinne des Wortes ist es, die wir dem Publikum in der von Dors mit zahlreichen meisterhaften Bildern i geschmückten heiligen Schrift bieten, welche, im größten Folio auf dem schönsten Kupferdruckpapier und in höchster typographischer Vollendung gedruckt, als ein Meisterwerk erster Größe dasteht. Unsere Ausgabe bringt die Ueberfetzung von vr. Ludwig Philippson, welche unter den neueren israelitischer Seits veranstalteten Uebersetzungen die in mehrfachen Ausgaben und vielen Auflagen verbreitetste und allgemein gewürdigt ist. Sie wurde für die israelitische Bibelanstalt vom Verfaffer m Verbindung mit den Herren Oberrabbiner vr. Landau und Prof. Rabbiner vr. Kämpf revidirt, gegenwärtig aber für diese unsere Ausgabe noch einmal von ihm sorgfältig geprüft und verbessert. Sie stützt sich auf die jüdischen Commentatoren aller Zeiten und auf die sicheren Ergebnisse der sprachlichen und exegetischen Wissenschaft. Sie ist möglichst wortgetreu, strebt jedoch zugleich, überall dem deutschen Sprachgenius zu entsprechen. Um unsere Ausgabe der heiligen Schrift zu vervollständigen, geben wir auch als Anhang die Apokryphen, und zwar in der bewährten Ueberfetzung des Vr. David Cassel in Berlin." Das ganze Werk erscheint in 40 Lieferungen, circa 160 gr. Foliobogen Text mit reichen Verzierungen, mit 154 großen Bildern und 4 Familienchronikblättern. Der Preis -einer Lieferung beträgt 15 Sgr. Spätestens bis Ostern 187 5 soll das 'ganze Werk beendet sein. Sammler erhalten auf sechs Exemplare das siebente frei. %>eihm^&vbcu&tu&hw/. Deutschland. Berlin/ 22. April. Der neue Anbau der in der Hamburgerstraße gelegenen Altervers 0 rgungsanstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde, durch welchen ein Raum für noch 38 neu auszunehmende Hospitaliten geschaffen ist, ist am 7. d. M. .abgenommen worden. Dem edlen Wohlthäter, dem dieser Anbau seine Existenz verdankt, für ewige Zeiten ein Denkmal der Dankbarkeit zu setzen, wird die Büste desselben (Adolph Reichenheim) im Hause selbst aufgestellt, und die Fa^ade des ersten Stockes dieses Gebäudes ziert die Inschrift auf schwarzem Grunde mit goldener Schrift: „Adolph Reichenheims Erweiterungsbau 187 4". Der Anbau selbst ist in einfachem soliden Styl hergestellt und im Innern mit allen praktischen Erfindungen der Neuzeit ausgestattet: Zimmertelegraphen, Dampfheizung, Bädern u. s. w. Hinter der Anstalt ist zur Erholung der Hospitaliten ein hübscher Garten angelegt. —. Am Sonntag, den d. 19. d. beging hier einer unserer Mitbürger, Herr M. I. Frank, unter lebhafter Betheiligung seiner Freunde und Verwandten die seltene Feier seines 90. Geburtstages. Früher hier ansässig, nahm derselbe vor 19 Jahren feinen Wohnsitz in Stettin, wo er sich durch sein mildthätiges Wirken einen ausgezeichneten Namen schuf. Er stiftete dort im Verein mit dem inzwischen in Pest verstorbenen Rabb. vr. Meisel