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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-04-28 · Heft 18 (28.4.1874) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 18 (28.4.1874)
Date
1874-04-28
Page
Seite 304 (sequence 12)
Language
German
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Werk herauszugeben im Begriffe .stehe: fo-erweckteDies außer .dem.Neide noch .die' Befürchtung daß c er sich eine selbstständige Stellung.erringen werde, bei welcher man ihn um. somehrscho-! nen müsse, und von der auch für . seine -Collegen etwas Abfallen . würde. Jndeß darum .kümmerte, sich Bernhard nicht, er wnr glücklich in der nahen Erfüllung feiner Wünsche sich einen Heerd .zu gründen.,^dLs .Seliebte und . werthgeschätzte Mädchen heimzu-! führen, und sich, die Bahn einer neuen Thätigkeit zu eröffnen, welche ihm . das Recht gab, die' schönsten Hoffnungen zu hegen. ' Jy einem sokleinen Staatsleben wie das war, mit welchem wir.es hier zu thun haben, reichen hie kleinsten Fäden bis in .die höchsten- Kreise hinauf. Das prompte und selbstständige Verfahren des Erbprinzen in dieser an sich so unbedeutenden Angelegenheit brachte doch Verwirrung,- fast möchten wir sagen! Schrecken - und. Beängstigung in alle Verwaltungskreise. Der bureaukratische Schlendrian ist nicht allein bequem .für die Beamten, sondern giebt auch jeder Instanz derselben.die Gelegenheit, sich, geltend zu machen. Daher kommt es, daß derselbe von der! Beamten-Hierarchie als ein Heiligthum betrachtet wird , dessen! geringfügigste Verletzung die staatliche und gesellschaftliche Ordnung Umstürzen werde. Der kühne Griff des Erbprinzen, die gänz-! llche Umgehung der Regierung wie der Kammer, machte beide! stutzig — obschon doch der erlauchte Herr das ganze Material; ihrer Weisheit in den ihm überreichten Schriftstücken vor sich! hatte — und man sprach sich untereinander über die Befürchtung aus, die man von einem solchen, Fürsten zu hegen hätte.! Der alte Kammerpräsident war nahe daran, seine Entlassung zu fordern — wenn er nicht gefürchtet hätte, sie wirklich zu erhalten.! Dies hatte jedoch aus die Dinge feinen Einfluß, welche noch vor! Kurzem die Gemeinde so sehr aufgeregt hatten. Weder dir Ge-1 meindeschule, noch die Predigt rückte um einen Schritt vorwärts, ja sie schienen in den Acten begraben zu sein. Reb Meyer triumphirte doch. Mußte er sich auch sagen, daß' der Sieg nur ein zeitweiser sei; darum kümmerte er sich wenig. Ihm war es nur zu thun „der Welt" zu zeigen, was er, Reb Meyer Katzenellenbogen, durchzusetzen vermöge. So steht es immer um Parteigänger, welche als geschickte Jntriguanten die Gunst des Augenblickes zu benutzen verstehen und sich auf Ränke stützen, um ein wirkliches allgemeines Bedürfniß zu unterdrücken. Vor dem ersten eingreifenden Ereigniß schwinden ihre Intriguen wie Nebel vor der Sonne, und das wirkliche Bedürfniß schafft sich . Erfüllung. Ein solches Ereigniß trat, jetzt unerwartet ein, es war von traurigster Art. Eines Morgens schallte durch die Stadt die Kunde, der Erbprinz sei auf. der Jagd gestürzt und hübe sich tödtlich verwundet. Sein Pferd sei mit ihm in eine Erdspalte gefallen, und so unglücklich,. daß der Prinz unter das Pferd kam, und dieses ihn zertrat, als es' sich aufraffen und aus der Spalte springen wollte. Kurze Zeit, und die Bahre , auf welcher der Prinz lag, wurde von seinen Dienern nach dem Palais gebracht. Das Volk.sammelte Sch wehklagend -um dieselbe und -stand stüüdenlang vor hem Schlöffe, -um Nachrichtzu erhalten. DerDrinz .kam micht wieder zum Bewußtsein mnd war gegen Abend verschieden. Um sein Sterbelager siand der hochbetagte Fürst, eine allbeliebte, verehrte Wittwe. und vier. Knaben, von denen der älteste 13 Jahre, der jüngste. '13 Wochen alt war. Man kann sich vorstell.en,. welches Mitgefühl , welche, aufrichtige- .Trauer in den Herzen Aller, die dem Ländchen angehörten, lebte, aber auch über dessen Grenzen hinaus war das Mitleid mit dem hochverdienten alten Fürsten und seiner Familie allgemein. Dieser Trauer mußte ein Ausdruck gegeben werden, und eine Verordnung der Regierung, in allen Gotteshäusern des Landes, an einem bestimmten Tage einen feierlichen Trauergottesdienst zu halten, für welchen eine Schriftstelle als Text der Predigt, vorgeschrieben wurde, fand den allgemeinsten Anklang. Jung und Alt rüstete sich ihm beizuwohnen, und jede Gemeinde wollte den Act so feierlich wie möglich abgehalten haben. Auch der jüdische Vorstand in der Residenzstadt war Willens , den Trauergottesdienst in ergreifender Weise, zu feiern. Dazu aber, sah. man ein, war unter solchen Umständen die Predigt unerläßlich. Was hätte man sonst zu. bieten gehabt? Und eine Drösche des Reb Michel Worms hätte die ganze Eeremonie zu einer Carricatur gemacht, dazu kam, daß man gewöhnlichin den Synagogen dergleichen Feierlichkeiten gegen Abend abhielt, und die Vorsteher. dem Hofe. und den höchsten, Behörden Kenntnis davon und Einladung zukommen lassen mußten. Jndeß war man nicht-in Verlegenheit: Der Vorstanddecretirte, daß Herr Hirsch Schreiber eine Predigt dazu vorbereiten und hallen solle. Hier aber kam er diesmal nicht gut an. Alle Freunde der Predigt hatten Hirsch bestürmt fest zu bleiben NNd nur Mer der Bedingung die Predigt zu übernehmen, wenn der Vorstand unbedingt darauf einginge, fortan die Predigt an jedem ersten Tage der Feste abhalten zu lassen. Man ging soweit, ihm seinen Gehalt als Gemeindesecretär zu verbürgen, wenn etwa ein Zerwürfniß mit dem: Vorstände-däräus l entspringen sollte, doch war man der Sache gewiß, denn weit und breit gab es damals noch Keinen, der den Hirsch hierbei hätte ersetzen können, und von den Lehrern, besonders von Bernhard, der es wohl vermocht hätte, wußte znan, daß sie es unter keiner Bedingung thun würden. Hirsch gab wirklich diese Erklärung dem Vorstände ab und blieb standhaft ,. so - sehr man auch auf ihn eittdrang und ihm alle möglichen Vorstellungen machte, selbst zu Drohungen seine Zuflucht nahm, endlich willigte der Vorstand insofern ein, .als er sich verbindlich machte, wenn der Erfolg der Predigt ein günstiger wäre, die geforderte Einrichtung getroffen werden sollte. Der Tag des Trauergottesdienstes war gekommen. Am Vormittage fand er in den Kirchen statt/ die sämmtlich von der gedrängten. Menge erfüllt waren. Nachmittags, um 5 Uhr wurden die Pforten der Synagoge geöffnet. Die Fenster waren verhüllt. Alle Kronleuchter ängezündet. Die heilige Lade mit

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