Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1874)
- Date
- 1874-04-28
- Page
- Seite 303 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3226979--32558-3255530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aber jedenfalls wäre es doch angezeigt > was es eigentlich mit ^der Festigkeit der so oft betonten Söl idarität der Juden auf' sich habe, diejetzt nicht selten sich nur in der Hergabe einiger Thaler aus der Tasche der Reichen erweist.*) 7 Türkei. Konstantinopel, 15. April. (Arch. isr.) Um zu dem eben verflossenen Osterfeste Seitens der griechischen Bevölkerung jede Ruhestörung gegen die Juden zu verhindern, erließ unter dem 6/18 März der ökumenische Patriarch, Erzbischof von Konstanünopel Joachim in Verbindung mit seinem Klerus eine Encyklika an die griechischen Gemeinden, welche auch von der besten Wirkung war. Es ist dieses Jahr so wenig wie im vorigen etwas von derartigen Hetzereien gegen die Juden gehört worden. Nachdem der Patriarch Stellen aus dem N. T. citirt hat, welche die Liebe gegen alle Nebenmenschen empfehlen, fährt er fort: „Erfüllt von diesen Grundsätzen hat unsre Kirche niemals verfehlt zu verschiedenen Zeiträumen durch ihre Encykliken allen ihrer geistlichen Herrschaft untergebenen Christen anzuempfehlen, in Frieden mit den Israeliten und den anderen unter'dem Schutze unsres Herrschers gestellten Naüonen zu leben, die skandalösen Auftritte und Conflicte, die bisweilen wider alle Gerechtigkeit an verschiedenen Orten zwischen Christen und Israeliten stattgefunden, verdammend, Auftritte die vollständig dem Geiste des Evangeliums, der christlichen Civilisation und den Absichten der Regierung zuwiderlaufen. *) Wir verweisen auf unfern Leitartikel in Nr. 24 des Jahrganges 1872 vom 17. Juni, in welchem wir diesen Gegenstand besprochen und gekennzeichnet haben. . Redact. Je« i l ÄMguen ror ßebzig Jahren. Erzählt von L. Schr. ' (Schluß). . XI. : . Das eben geschilderte EreigNiß machte großes Aufsehen in der ganzen Stadt. Dora war der Gegenstand der-Bewunderung Aller, und - mochte sich die erste Zeit gar nicht auf der Straße sehen lassen, weil sie auf jedem Schritt von Leuten, die sie bisweilen gar nicht kannte, auch von solchen, die sie früher des Wortes gar nicht gewürdigt hätten, angesprochen wurde, um das Nähere über den ganzen Vorgang zu erfahren. Der Herzog und der Erbprinz standen in der damaligen Anschauung so hoch über: dem Volke, und noch dazu über dem jüdischen Theile desselben, daß irgend eine Annäherung zwischen .beiden geradezu wie ein Wunder erschien. Wäre der Erfolg Wir selbst haben es, von diesen Grundsätzen erfüllt, bei dem Herannahen des Osterfestes, für unsre Pflicht erachtet , an Eure Fürsorge zu appelliren, damit Niemand unter unsren geistlichen Söhnen sei, der sich/fortreißen lasse, sei es als Verführer, sei es als Verführter ungehörige Handlungen zu begehen die geeignet-sind, den relistiösen Haß zwischen den beiden Nationen zu' erregen, indem ich Euch empfehle, in der bewußten Zeit unsre Rathschläge den Christen Eurer Eparchie mitzüiheilen, damit Jedermann die' Pflichten dieser Tage des Friedens und der Andacht beobachtend, Sorge trage, auf keine Weise die Israeliten nicht allein zu keiner Zeit, vor Allem aber während des Osterfestes zu provociren, sondern daß er mit ihnen, wie mit den übrigen Nationen in Frieden und Liebe lebe. ^Auf diese Weife werden die gegenseisigen Beziehungen der Freundschaft und der Sympathie zwischen Allen unter dem Schutze der Gesetze hergestellt werden können. In Uebereinstimmung mit unsrem geistl. Berufe, empfehlen wir Euch diese Vorschriften des Verhaltens zu befolgen. Und die Gnade und der Frieden des Herrn sei mit Euch! Konstantinopel, den 6/18 März 1874. Folgen die Unterschriften des Erzbischofs und sieben anderer Erzbischöfe. (Nicht blos von jüdischem, sondern vom humanen Standpunkte aus freut es uns sehr, einmal eine Priesterschaft auf dem Wege des Friedens und der Menschenliebe wandeln zu sehen. Man bemerke übrigens auch hier, daß die türkische Bevölkerung dabei ganz aus dem Spiele bleibt, weil hiese sich niemals solcher Mißhandlungen der Juden hat schuldig gemacht. Redaction d. A. Z. d. I.) I e t o n. minder günstig ausgefallen, so hätte man wahrscheinlich das Unternehmen des jungen Mädchens als ein tollkühnes, als eine grenzenlose Chuzpe verurtheilt. Denn der Erfolg beherrscht das Urtheil der Menge: so aber stand die Anerkennung auf Seiten Dora's. Wir sagten „Bewunderung" — ob der für Bernhard so glückliche Ausgang auch bei Vielen aufrichtige Freude verursachte, wollen wir nicht behaupten. Neben den entschiedenen Talenten und Verdiensten dieses Mannes hatte man auch seinen unabhängigen und energischen Charakter kennen gelernt, der von dem schwachen und bestimmbaren, wenn auch nicht minder begabten Hirsch Schreiber so sehr abstach. Jene Eigenschaft aber können viele Menschen nicht vertragen, besonders Vorgesetzte nicht, zumal jüdische. > Noch jetzt wissen die jüdischen Gemeindebeamten davon zu erzählen, obschon die Ansichten' über den Unterschied der Stände sich so sehr verändert haben. Als man nun gar vernahm,' daß Bernhard eine hebräische Druckerei gegründet habe, und im Verein mit seinen Collegen ein bedeutendes exegetisches