Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1874)
- Date
- 1874-04-28
- Page
- Seite 302 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bürgerlichen. Rechte gleich den Christen verbürgt. ^Sie zeigt ferner- Wie, abgesehen von den eingeborenen rumänischen Juden eine große Zahl ^ausländischer! Unterthanen, namentlich österreichischer in Armuth und Elend gestürzt werden, da . für die Familie, welche - .sich, bis^ geht ehrlich mit dem Ausschank ernährt haben, an vielen/ besonders den ländlichen Orten, es gar keinen anderen Br-oderwerb giebt^ . Sie verlangt daher, nachdrücklich die Intervention der Vertragsmächte. Zwar hätten sich die Vertreter der der, auswärtigen Mächte bereits verwandt, - und es sollen die rumänischen Minister geantwortet haben, daß das Spirituosengesetz nach dieser Seite hin nur lax ausgeführt werden solle — allein man weiß, was dies in diesem Lande der Präfecten-und Beamtenwirthschaft zu sagen habe. So lange Jemand noch einen Heller zum. Bestechen hat, wirdihm durch die Finger gesehen werden. Ist er vollständig ausgesogen, und dies wird er bei den Anforderungen vom Präfecten bis zum Nachtwächter bald sein, so wird er zum Hause hinausgeworfen. Jndeß vertraut die „N. fr. Pr." nicht viel uuf die Intervention der Mächte, und sie fährt daher fort. . „Es flieht noch ein anderes, unserer Ansicht nach wirksameres, probateres Mittel, die Moldau - walachischen Gesetzgeber sammt ihrer Regierung nachhaltig zu überzeugen, daß ihre directen wie indirecten Judenverfolgungen schlechte Politik sind. Dieses Mittel liegt in der Hand der großen israelitischen Bankiers auf den verschiedenen Börsenplätzen und Capitalsmärkten Europas. Rumänien ist in der Lage , Anlehen contrahiren, das heißt Geld borgen zu müssen. Ehestens wird und muß es damit hervortreten; die Finanzlage drängt dazu. Von dem Berliner israelitischen Comitü zur Hilfe der bedrückten rumänischen Juden ist schon vor einiger Zeit' der Gedanke angeregt worden, an das Gefühl der Solidarität der Börsenfürsten und Barone mosaischen Glaubens zu appelliren, damit diese Mitbeherrscher der europäischen Geldmärkte jedes rumänische Anleihegesuch zurückweisen, jeden derartigen Versuch der Bukarester Regierung bekämpfen, so lange die in den Fürstenthümern wohnenden Juden bedrückt, schmachvollen Ausnahmegesetzen hingegeben sind. Jetzt wird es sich zeigen, ob Lessing Unrecht hatte, als er den Saladin (in „Nathan, der Weise") sagen ließ: „Der reiche Jude ist mir nicht der bessere Jude."'— Als in der Blüthezeit der Bach-Thun'schen Herrschaft, aus Anlaß eines Memoires des damaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, des verstorbenen Grafen Taaffe, des Vaters unseres jetzigen Tiroler Statthalters, den israelitischen Staatsbürgern der Erwerb von Grundeigenthum untersagt wurde, da -ließen die Chefs des Hauses Rothschild zu London, Paris und Frankfurt, mit Zustimmung ihres Wiener Hauses, den damaligen Machthabern erklären, sie würden um keinen Preis an einem österreichischen Anlehen sich betheiligen, so lange, die erwähnte gehässige Maßregel gegen ihre österreichischen Glaubensgenoffen nicht zurückgenommen sei. In der That litt der österreichische Staatscredit jahrelang unter der Abstinenz des-Welthauses, dessen Beispiel: von anderen großen und kleinen Bankiers-israelitischen Glaubens, inamentlich im Auslände,-befolgt wurde. Wenn dies damals die alten Herren gegenüber einer Großmacht gethan, mit welcher ihre Häuser , seit langen Jahren in gewinnreicher Geschäftsverbindung standen, dann sollten ihre Söhne und Nach- ' folger, sollten die sonstigen großen jüdischen Firmen in London; Paris, Amsterdam, Berlin, Frankfurt und Wien daffelbe Verfahren gegenüber dem kleinen Rumänien einzufchlagen nicht zu schwachmüthig sein. Und nicht bloß um Rumänien handelt es sich in diesem Falle. In unserem Abendblatte vom l.d.M. - haben wir ' die Judenverfolgung in Serbien geschildert. - Auch diesem Lande gegenüber, das für seinen Eisenbahnbaü demnächst - an den öffentlichen -Credit appelliren muß , wäre von der^wirk-; samen Waffe der Crevitentziehung, welche die reichen - Glaubensgenossen der in diesen Ländern Mißhandelten in Händen halten; Gebrauch zu machen Gehen die großen jüdischen Bankhäuser mit^ dem Beispielevoraus, verweigern sie einem Lande , einer Regierung, welche ihre Glaubensgenossen mit raffinirter Grausamkeit in Noch und Elend stürzte,' jede Unterstützung, verschließen sie ihre Caffen und ihren Einfluß auf - die Capitalmärkte Euro-: Pas dem anleihebedürftigen Rumänien, so wird unzeifelhaft das Gros der verschiedenen Börsen umsomehr die Schuldverschreibungen der verfolgungssüchtigen Donaufürstenthümer zurückweisen. Alle Schriftstücke und-Bemühungen der sogenannten „israelitischen Allianzen" zu Paris und Wien, alle Demonstrationen der Londoner Anglo-Jewish Association und des Berliner Comitös für rumänische Judenangelegenheiten wiegen praktisch zusammen nicht so viel, wie die in Bukarest — und auch in Belgrad — auftauchende Erkenntniß, daß die barbarische Intoleranz ihrer neulichen Maßnahmen, den Donaustaaten-Regierungen die europäischen Geldmärkte versperren würde. ' Nur diese Erkenntniß wäre vermögend,'die dortigen Gewalthaber zur Besinnung zu bringen/ sie auf den Weg der Culturstaaten zürückzuführen. Wir, und die liberale Partei in allen europäischen Staaten, treten überzeugungstreu ein, wo immereine Religionsgesellschaft bedrückt, Menschen^ ihres Glaubens wegen verfolgt werden. Um so berechtigter sind wir, in Betreff der rumänischen Angelegenheit den Bekennern des mosaischen Glaubens zuzurufen: »Der Himmel - hilft denendie sich selber helfen!" > Mögen diese Worte der „N. fr. Pr." mehr Beherzigung finden, als die Aufforderung, welche vor -zwei Jahren von Berlin ausging und unter den Finanzmännern in Berlin selbst vielen Anklang gefunden hatte. Freilich haben sich die Verhältnisse in der Finanzwelt seit dem von oben geschilderten Vorgänge geändert; es sind neben den Hausern.Rothschild so viele Finanzhäuser entstanden, daß es eben der Zustimmung Vieler bedarf, um den vorgeschlagenen Beschluß zur Ausführung zu bringen, und es könnte daher leicht-kommen , daß ein Theil der Bankhäuser es gern sehen und seinerseits -benutzen würde, wenn der andere sich mit Rumänien und Serbien nicht einlaffen sollte.