Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1874)
- Date
- 1874-04-21
- Page
- Seite 287 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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dere. Er nahm dem - Mädchen die Schriftstücke' ab, blickte in die Zeugnisse hinein, las besonders mit einer'gewissen Neugier die Aussagen der Mamsell Muhr, die er bei seiner hoben Gemahlin; gesehen hatte, wunderte sich, daß hier die ausgezeichnetsten Empfehlungen von.den bewährtestenchristlichen Personen vorliegen, wandte sich dann wieder zu Dora, und sagte zu ihr in kurzen, aber bestimmten Sätzen: „Deine Sache scheint mir nicht ohne Grund. Ich will Dir keine sichere Hoffnung machen. - Ich will die Papiere prüfen. Komm morgen um diese Zeit wieder in das Palais." ’ „O, gnädigster Herr! . Dieses Wort aus. allergnädigstem Munde: Komm morgen wieder! ist eine Bürgschaft gnädigster Erfüllung." '/■- /'...T . * : Der. Erbprinz lächelte und bemerkte: „Das ist noch nicht gewiß, ich habe Nichts versprochen." Die Worte waren aber freundlich gesagt; er hatte über, die kühne Schlußfolgerung nicht gezürnt Das war genug. Eine Handbewegung hieß sie gehen. Eie Dora vom Palais nach Hause kam, wußte sie an diesem Tage und später nicht. Ihre Seele schwebte in den Himmeln.. Mußte sie sich doch Gewalt anthun, nicht auf der offenen Straße 'sich auf die Knieen zu werfen, und ihre Hände voll Dankes und Jubels zu Gott empor zu heben. Sie that Dies, als sie zu Hause in ihrer Kammer angelangt war. Sie hatte gewagt, was in damaliger Zeit noch - etwas Unerhörtes war, und es war ihr . gelungen; ihr Versuch war nicht gescheitert; die Entscheidung. lagnun . in einer höheren Hand, über den Parteien und Intriguen, und' diese Hand hatte ihr gnädig gewinkt. Ihre Eltern und ihr Bräutigam wußten nicht an diesem Tage, was sie ans ihr machen sollten/ Ihr Gesicht strahlte, ihrer Stimme Ton war klangvoll, aber ihre Lippen blieben über die Sache verschlossen. Sie war noch einmal zur Mamsell Muhr geeilt, und als sie von dieser zurückkehrte, schloß sie sich in ihre Kammer-ein, und verbarg Etwas ans dem Boden ihrer Truhe. Abermals schritt sie am andern Morgen zum Palais. Diesmal gelangte sie nicht vor den Erbprinzen; sondern der Kammerlakai'schien sie schon zu erwarten und übergab ihr ein dickes, mit dem. herzoglichen Siegel verschlossenes Schreiben. Sie eilte Nach Hause, öffnete vorsichtig das Papier und ein Aufschrei der Freude entfuhr ihrem Munde.!. Eine Stunde später trat Bernhard in das uns bekannte Hinterzimmer. Der Tisch war mit einem weißen feinem Tuche bedeckt. Auf demselben befand sich eine große Schüssel von blankem Zinn, wie es damals Sitte war, und auch darüber ein Tuch gedeckt. Er sah das Mädchen mit den leuchtenden Augen fragend an: „Was hast Du denn, Dora? Du. siehst ja ganz verändert aus. Wird denn Deine Geheimnißthuerei einmal ein Ende: nehmen?" ’ - . ’i' Da konnte sich Dora nicht mehr halten,, sie warf sich an den Hals ihres Bräutigams und weinte und schluchzte. „Unsere Noch hat ein Ende, Bernhard! Wir haben gesiegt!" Mit diesen Worten holte sie das Schreiben von der Schüssel unter dem Tuche hervor und überreichte es ihm. - Bernhard stand-wie betäubt. Es war die Ausfertigung der Kijumin für ihn. Da stand in dem gedruckten Formulare sein Name mit deutlichen Lettern eingeschrieben; da stand darunter: „Im Aufträge Unseres aller-; gnädigsten Herrn Vaters. Friedrich, Erbprinz." — und daruntr wieder das große herzogliche Siegel. Freilich war dies. ein Do-: cument ganz aus der alten Zeit, es war darin, vom Lehrer und dessen - sittlicher und geistiger Wirksamkeit nicht die Rede. -. Dem. Schutzjuden Bernhard war. darin.das Recht gewährt, die und die Handelsgeschäfte, zu treiben , so und su viel Zinsen zu nehmen, die Rechte der Zünfte, und Gilden nichtanzutaften, also, mit keinen neuen Schuhen und Stühlen zu handeln u, s.- w.: —, aber was that diese veraltete Förmlichkeit,, die Sache war ent-; schieden, er hatte eine Heimath, er konnte heirathen, er kennte; seine Druckerei gründen. , , Bernhard vermochte kaum zu stammeln : Wie Dies gekommen? wie Dies Dora,.und ganz allein zu (Stande gebracht?.. Diese aber, lächelte nur, und sprach: „Warte nur, es kommt noch Etwas! . . ." Hiermit zog sie das Tuch von der Schüffell Da lagen auf dem blanken Zinn blanke silberne Thaler, zweihundert an der Zahl .-. . „Damit bezahle Deine erste Sendung von Typen. Es ist ein Darlehn von der guten Mamsell. Muhr, die uns aushelfen will, und volles Vertrauen in uns setzt. Wir sollen sie in vier Jahren zurückbezahlen und mit: vier Procent verzinsen. Du wirst heute .noch einen Schuldschein dar-: über ausstcllen." Jetzt wußte Bernhard noch weniger, wie er sich fassen solle. Da hatte ein Moses an den Felsen geschlagen und es war Wasser des Lebens herausgequollen. Alle, alle seine Noth war mit . einem Male zu Ende. Es war ein Augenblick des höchsten Glückes, wie er dem Menschen selten zufällt. Es . war eine Revanche der Löttlichen Vergeltung für eine lange Reihe mühe-, und kummervoller Tage. . .; Jetzt rief Dora die Eltern herein, die sie bereits vorher mit ihren Erfolgen bekannt gemacht hatte. . Auch sie waren, beglückt, und gratulirten Bernhard. Nun ging es an's Erzählen, -und Dora berichtete in ausführlichster Weise über Alles, was vorgefallen. Als sie geendet, stand Bernhard auf, faßte ihre - Hände, und sagte: „Dora, Du hast mich durch Deine That, durch Alles, was Du da unternommen und vollbracht: hast, glücklicher gemacht, als durch den Erfolg, durch das Document und das Geld. Du hast Dein innerstes >Wesen mit allen herrlichen - Eigenschaften, die darin verborgen lagen, offenbart. Du hast mich stolz gemacht auf den Schatz, -den Du mir entgegenbringst. Niemals, niemals bis zu meinem, letzten Athemzuge werde ich Dir das vergessen! . . ." Und leise rannen Thränen -über seine Wangen. Die Mutter blickte mit leuchtenden Augen ans die. Beiden, die Lippen des Vaters-flüsterten Segenssprüche„ - (Schluß folgt.) . . s :