Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1874)
- Date
- 1874-04-21
- Page
- Seite 280 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWTGMW'ÄWNMMMWRßBNWWHWMWUWMW'KWWWWMUWWHWMW 280 gültig ist, und vielleicht ist die Zahl derer noch' größer, die sich um die Reste ihrer hinterlassenen Verwandten gar nicht kümmern, oder sie doch so schnell wie möglich los sein wollen. Daß hierunter sich nur äußerst wenige Juden befinden werden, ist sicher. Aber einige derselben werden von dem Stachel getrieben, überall als Träger, von Neuerungen und sg. Aufklärung sich in den Vordergrund zu schieben, selbst wenn sie sich im Herzen Vorbehalten, für ihre Person der neuen Behandlungsweise nicht Folge leisten zu lassen. Hat man doch Gründer gekannt, die sich durch den Schwindel, zu Millionären - machten/ den äußersten Luxus trieben- und nebenbei den Socialdemokraten spielten. Diesen gegenüber hat Ihr Artikel den Lesern desselben doch den bestimmten Boden und einen sichern Anhaltspunkt gegeben, und man weiß den Muth zu schätzen, mit welchem Sie jeder bedrohlichen Richtung entgegentreten. Denn was mir an dieser Verbrennung der Leichen gefährlich erscheint, ist besonders, daß sie den letzten Rest der Pietät, der Familienliebe und des Familienlebens, die schon so schwankend im modernen Dasein geworden, auf's Nachdrücklichste bedroht. An den eben erkalteten Leichnam seiner Eltern, Kinder, Matten, Geschwister die Hand anzulegen, um die Körperin welchen vor wenigen Augenblicken noch Leben, Liebe und Geist pulsirten, völlig-zu vernichten, und dem geheiligten Andenken die letzte Wirklichkeit plötzlich zu rauben, das scheint mir eine Barbarei, eine Förderung der Rohheit, eine Tilgung dessen, was allein den bleibenden Werth des Menschenlebens ausmacht, wie sie nicht aufkommen. darf. Der jüdische Stamm hat die Familie zu aller Zeit am höchsten gehalten und' in ihr die nährende und erhaltende Existenz gefunden. Seine Grenzen dürfen wir . daher um so weniger von solchen sittlichen Feinden überschreiten lassen und es ist daher Recht, schon vom Beginn an mit Ernst darauf aufmerksam zu machend Daß die sanitären Gründe, die man geltend macht, sehr problematisch sind, da jeder Uebelftand mit etwas Fürsorge beseitigt werden kann, noch zweifelhafter aber die volkswirthschaftlichen Vortheile, die man vorspiegelt, da an mittleren und kleineren Ortschaften das Verbrennen viel theurer zu stehen kommen würde , weil nichträglrch Leichen dazu vorhanden, steht fest. Gestatten Sie nur daher nur nock ein Wort über die Griechen und Römer, auf die man sich dabei beruft. Diese Culturvölker haben unleugbar in einigen Bezügen Großes, Unübertreffliches erreicht; aber gerade was Sittlichkeit und Gefühlswelt betrifft, standen sie auf niedriger Stufe. So wenig Empfindung für die Schönheiten der Natur diese.Völker hatten, daß sie z. B. Jahrhunderte lang über die Alpen setzen konnten, ohne jemals ein Wort der Bewunderung für deren großartige Naturscenen kundzugeben, ebensowenig war ihr Familiensinn und die echte Familienliebe in ihnen ausgebildet. Man braucht nur an die niedere gesellschaftliche Stellung des weiblichen Geschlechts bei den Griechen zu erinnern. Von! diesen daher das Muster und Vorbild für derartige Lebensbeziehungen holen zu wollen, ist gerade zu thvricht, oder man müßte! ebendarauf hinarbeiten wollen, die Familie immer mehr zu untergraben^' ■ ■■ ■ ' Erfurt, 5. April. (Privatmitth.) In der Handelsfachschule des Dr. Wahl fand am 25. März Unter dem Vorsitze des Herrn Schul- und Consistorialraths B i e ck die mündliche Prüfung der Abiturienten statt. Sämmtliche Abiturienten erhielten das Zeugniß der Reife, das sie zum Eintritt in die Armee als Einjährig-Freiwillige berechtigt. 'Herr Consistorialrath Bieck ist derselbe, welcher in Verbindung mit dem Schulrath Wantrup im preuß. Abgeordnetenhause so oft gegen die Juden gesprochen und gestimmt hatte. Jetzt liegen die Dinge anders; die staatliche Anerkennung ist entschieden und einsichtsvolle Beamte wiffen sich dem zu fugen. ‘ Trier, 10. April, -i Privatmittheil.) Heute wurde unsere Denkschrift in 700 Exemplaren, zur Vertheilung an die Herren Abgeordneten den Präsidenten der beiden Häuser zugeschickt. Auch dem Herrn Cultusminister wurden die bis jetzt bei dem hiesigen Vorstand eingegangenen Beitrittserklärungen zugesandt, sowie auch an den Berliner Vorstand der jüdischen Gemeinde eine Abschrift derselben auf dessen Verlangen. * Fast alle Gemeinden unseres Regierungsbezirks sind der Denkschrift beigetreten, von den übrigen' erwähnen wir nur: Aachen,. Coblenz, Meisenheim, Dortmund, Cleve, Arnsberg, Ems, Lüneburg, Hamm, Königsberg i. Pr. und Glogäu. Da wir nur an circa 100. Gemeinden Exemplare der Denkschrift eingesandt hatten, und viele derselben sich durch die vorhergegangene Beitrittserklärung an die Berliner Denkschrift gebunden hielt,— was wir für unbegründet halten, da die unserige ja nicht in Widerspruch mit der Berliner, sondern eine Ergänzung derselben ist, — so ist die Anzahl der eingegangenen Zustimmungen verhältnißmäßig bedeutend. — Der Tadel des Leipziger Correspondenten in Nr. 13 der Allg. Ztg. d. Judenth. gegen den Herrn lw. Lasker wegen, dessen Aeußerung in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 5. Februar dieses Jahres, wird dadurch noch intensiver, daß wir schon am 22. Januar Herrn Or. Lasker mit einem Begleitschreiben unsere Denkschrift eingesandt, in welcher wir doch mit aller Energie Subvention aus Staatsmitteln für unseren Cultus fordern. .Hoffentlich wird Herr Dr. Lasker durch die Beitrittserklärungen vieler Gemeinden bestimmt werden , bei der ersten Veranlassung seine erwähnte Aeußerung zurückzunehmen, sowie überhaupt von seiner bekannten Resolution abzustehen. 0. Wien, 10. April. Die hiesige israelitische Gemeinde erbat sich vom k. k. Generalcommando die Erlaubniß, die in Wien! garnisonirten Soldaten mosaischen Glaubensbekenntnisses zu einem Ostermal („Seder") zu vereinigen. Dasselbe fand nun am 1.!d. M. als am ersten Osterabend statt und wurden 370 Mann Oesterreichisck) - ungarische Monarchie.