Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1874)
- Date
- 1874-04-21
- Page
- Seite 279 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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279 . (theilweise von berühmten christlichen Gelehrten in's Deutsche übersetzten) Mosaide, und noch heute ist das jüdische Berlin im Besitz des Rufes seiner gewandten Hebraisten. Ein gleich rührendes und wehmuthvolles Zeugniß hierfür sind viele Inschriften auf dem neuen jüdischen Friedhofe, Herz und Schmerz athmende Sprachblumen auf die Gräber der Entschlafenen gestreut, welche die große Sammlung der griechischen Grabschriften in der „Anthologie" nicht blos an . Umfang, sondern auch in tiefem Gefühl bei epigrammatischer Kürze übertreffen. Schade das viele Inschriften nach der altherkömmlichen Aussprache vokalisirt sind und dadurch falsch gelesen werden, namentlich das lautende Ales für den O-Laut verwenden. So z. B. ist Meyerbeer's Vornamen dort nicht anders zu lesen als Olnaksmo statt Oiaconw, und es geschieht dem bewährten Meister ganz recht, warum schämte er, der Deutsche, fich' des deutschen Namens Jacob, der hier zugleich hebräisch ist! Moses Chajim Luzzatto ist aus der edlen Familie dieses Namens einer der Viere, die sich durch hebräische Poesien außer ihren Berufszweigen berühmt gemacht haben: Neben ihm Ephrajim, Jsac und Sam. David. Von letzterm, der mit den ersten christlichen und jüdischen Orientalisten in Deutschland gelehrte und .freundschaftliche Verbindungen hatte, ist ein ausführlicher Necrolog im der „Vossischen Zeitung" vom 15. November 1865, Nr. 268 zu lesen. Der Verfasser des genannten Dramas hat aber viel früher 2 andere Dramata geschrieben, ein biblisches „Simson und die Philiste r", wovon Proben in der hebräischen Zeitschrift- „Kerem Chemed", 3. Jahrgang, erschienen sind, und ein allegorisches „Migdal Oz", welches Prof. Delitzsch nach mehr als hundert Jahren seit der Abfaffung mit Anmerkungen von S. D. Luzatto und M. Lettens und mit einer gelehrten Einleitung herausgegeben hat: Leipzig 1837. 8. Nach den Proben zu urtheilen ist „Simson und die Philister" etwa im 17. Lebensjahre des Verfassers geschrieben, das kraftvollste. Er selbst war an geistiger Kraft und Fruchtbarkeit ein Simson.*) *) Wir bedauern, daß, da der gelehrte Verfasser dieses Artikels seine Skizze so weit ausgedehnt hat, er sie nicht durch die Erwähnung per späteren hebräischen Dramen vervollständigt hat — wir erinnern z. B. an das treffliche Drama Schalom Kohen's über die Geschichte Nabods in dessen 2-ip (Rödelheim 1807) — sowie durch die neueren Uebersetzungen aus dem Deutschen und Englischen in's Hebräische, wie z.B. des Faust, des Othello, des Jojachin (von Philippson) und andere, sprachlich meisterhafte Uebertragungen. Redaction. Das Werk von Luzatto ist von jüdischer Seile öfter aufgelegt und einmal von dem katholischen Profeffor Adam Mar^ tinet in Bamberg, welcher es in seine Chrestomathie (Bamberg 1837, 8) vollständig ausgenommen, während es ein Jahr früher von dem evangelischen Profeffor Franz Delitzsch in Leipzig gründlich besprochen ward. Daß es nicht als schönes und zugleich moralisches Lesestück in höheren Schulen, selbst auf Universitäten gebraucht wird, vollends nachdem Martinet mit gelehrtem Beispiele den Anfang gemacht hat, mag seinen Grund in der für Ungeübte noch schwierigen Sprache finden; und dieser Grund reicht auch zur Erklärung aus, warum es bis zum Jahre 1874 keinen deutschen Uebersetzer gefunden hat. Die Uebersetzung hat sich jetzt gefunden und liegt uns vor unter dem Namen (Lajescharim Tehilla!) des braven Mannes Lob und Preis! Allegorisches Drama in drei Acten von M. C. Luzatto (sic!) Deutsch und dem Originale so ähnlich als möglich bearbeitet.nebst einer Biographie des Verfassers und einem Blumensträußchen als Anhang von vr. Simon Sachs aus Glogau, dramatischer und dramaturgischer Schriftsteller. Im' Selbstverläge Universitätsstr. 5.*) Herr llr. S. Sachs hat in früherer Zeit neben dem Studium der classischen und morgenländischen Sprachen auch das neuhebräische Idiom mit Vorliebe gepflegt, und es ward ihm vergönnt, die Feinheiten der Anspielung des Originals auf Bibelstellen herauszusinden und richtig ittr Deutschen wiederzugeben. Doch unfehlbar ist selten ein Uebersetzer aus dem nachbiblischen Hebräisch, und so glatt und schön auch die Übersetzung in Versen ohne Reime und strenges Silbenmaß dahinfließt, so zeigen sich doch an manchen Stellen auch sinnentstellende Flüchtigkeiten, und es scheint, daß nicht alle Theile der-Arbeit der neuesten Zeit angehören. Dieselbe ist dem verstorbenen Prediger der jüdischen Gemeinde vr. Michael Sachs gewidmet, der bekanntlich ein großer Meister im Uebersetzen aus dem Hebräischen in's Deutsche war. *) Auf dem Umschlag kündigt der als geistreicher Thcaterkntiker bekannte Uebersetzer noch außer 22 Dramen eine Schrift unter dem Titel an: : Die Wirkung und Bedeutung der Tragödie für das geistreiche Leben des griechischen Volkes mit specieller Rücksicht auf die Poetik des Aristoteles und das Theater der Gegenwart. Eine philosophisch dramaturgische Abhandlung. Gleichfalls im Selbstverlag. Corresp. Deutschland. Berlin, io. April. (Privatmitth.) Ihr Artikel in Nr. 14 über das Verbrennen der Leichssn hat den besten Anklang gefunden. Wie bei allen Neuerungen, die, sich an's Tageslicht drängen, schwillt sofort die Propaganda an und wird zu einer Art von Fanatismus. Auch hier ist sie für das neue Modekind sehr lebhaft; in Dresden will man schon Hochöfen zu diesem Zwecke bauen und auch in Wien hat sich bereits ein Verein zusammengethan. Das kann nun gar nicht Wunder nehmen, denn in großen Städten zumal giebt es viele Menschen, denen ihr Loos im Leben schon, vielmehr im Tode ganz gleich-