Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1874)
- Date
- 1874-04-21
- Page
- Seite 278 (sequence 4)
- Language
- German
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f Pen§o war unstreitig der Erste, welcher ein hebe. Drama durch den Druck veröffentlicht hat, ob er aber der Erste, ist, der ein Solches verfaßt hat, ist wohl streitig. Denn Herr vi. A. -Berliner, welcher im vorigen Jahre mit Unterstützung des Cultusministeriums die italienischen Bibliotheken besuchte, fand in Turin und Modena ein hebräisches Drama von.dem Zeitgenossen Penoos, Moses Zaknto unter dem Titel „Jesod Olam" (Grundlage der Welt), und der Anfang und das Ende, welchem Herr B. in je 4 Zeilen in dem von ihm herausgegebenen „Magazin für jüd. Gesch. und Lit." Nr. 2 dieses Jahres veröffentlichte, zeigen das blühendste,- reinste Hebräisch mit den ungezwungensten und doch glücklichen Reimen. Es hat überdies den Patriarchen Abraham und eine der schönsten sich an dessen Namen knüpfenden Sagen zum Gegenstand, nämlich , die Sage, daß -Abraham von seinem Vater zum Wächter feiner Götzenbilder bestellt, in dessen Abwesenheit diese zerschlagt, seinen Vater erleuchtet, zum Monotheismus bekehrt und so der erste Reformer in Israel wird, indem er zeigt, daß der besser überzeugte Sohn den Aberglauben des Vaters nicht theilen oder vertheidigen braucht. Das steht jedenfalls fest, das Werk von.Moses Zakuto ist das erste alttesta mentliche Drama in alttestamentlicher Sprache. , So groß der Jubel in Amsterdam auch war beim Erscheinen -des Dramas von Pen^o, es blieb ohne Folgen und sein Verfasser ohne Nachfolger, ja hinter demselben traten einige Zerrbilder als Comödien in jüdisch-deutschem Jargon hervor, welche in Frankfurt a. M. um die Zeit des Purimfestes (Februar-März: unter großem Zulaufe auf einer. Privatbühne ixt der Judengasse aufgeführt wurden. Zwei solcher Schauspiele sind gedruckt, das Eine, ,Mechirat Joseph", Verkauf Joseph's, behandelt die Geschichte Joseph's nach talmudischen Sagen, unp nur der darin auftretende „Pickelharing" (d. h. Hanswurst) führt unfläthige Reden. Es war um 1710 zu Frankfurt a. M. bei Joh. Wust 8. I. e. a. gedruckt, und da im großen Brande der Judengasse alle Exemplare verbrannt waren, hat man es 1713 wieder abdrucken lassen, diesmal bei Johann Kelner in Frankfurt. — Das zweite Schriftstück dieser Sorte heißt Ahasverusspiel, und es ist ein Schandfleck für den Geschmack und das religiöse Gefühl der Massen der damaligen Juden in Frankfurt. Hier ist es nicht der „Pickelhäring", der die schmutzigsten Zoten und .ekelhaftesten Witze um sich wirft, sondern Mordechai, der Netter der Juden aus Haman's Händen. Das elende Schriftstück ist -in Frankfurt 1708 gedruckt, dort auch gespielt worden, nachmals aber von dem Vorstände der Gemeinde aufzuführen verboten und in den auffindbaren Exemplaren verbrannt worden. Wenn wirklich ein Jude der Verfasser war, kann es nur ein solcher gewesen sein, wie der Knecht Jtzig in dem. zu Frankfurt spielenden Romane „Der Jude" von Spindler. Dieser Jtzig hatte sich nach vielen Schandthaten taufen' lassen, wurde aber doch auf Urtheil des Vehmgerichts gehängt. Nicht zu verwechseln ist dies Ahasverusspiel mit dem, welches unter dem Titel „Acta Esther, mit Achaschwerosch" zn Prag 1820, 8. und öfter erschienen, und welches eine Sühne für jenes Schandstück ist. Diese Comödie, welche Ahasverus und seinen Hof mit Kenntniß der Charaktere sittlich behandelt, wurde zu Prag im Jahre 1720 von den Hochschülern des Oberrabbiners David Oppenheim (Sammler der berühmten Oppenheimer Bibliothek, die jetzt in Oxford ist) mit dessen Zustimmung gespielt: „Aus einem ordentlichen Theatrum mit Trompeten und andern Instrumenten". Der sonst immer so gründliche I. C. Wolf in seiner ÜiblioUieea llebraea III., psg. 1175. Nr. 46 d. hält irrthümlich diese in Erfindung und Sprache zu lobende Comödie für einerlei mit dem unsauberen Stück aus Frankfurt. Kehren wir nach der Abschweifung in's Gebiet des Volksdrama zum reinen hebräischen Drama zurück: Es schien, als hätte sich Israels Muse im ungewohnten hohen Cothurn die Füße auf lange verletzt, 70 Jahre ruhte sie auf den Lorbeern. Joseph Perwo's, und es scheint, daß die alte, durch das räbbinische Verbot geschärfte Abneigung gegen das Theater sich unbewußt der Nachahmung widersetzte: Aber im Jahre 1743 tmt, abermals in Amsterdam, ein Drama an's Licht, welches kaum erschienen, von Neuem aufgelegt werden mußte, und ein Lieblings- und Musterbuch für die Freunde der neuhebräischen Sprachkunde, ja eine der vorzüglichsten Lehrquellen für den hebräischen Stil nächst dem A. T. wurde, und die Macht des erworbenen und bleibenden Eindruckes ist um so ruhmvoller für das Gedicht, als der Name seines Verfassers unter dem Verdachte eines zweideutigen Kabbalisten litt, und im Gedichte selbst der Name Jehova und jüdische Gebräuche nicht Vorkommen, vielmehr, wie der Parasit, von Schiller, mit welchem es auch andere tertia comparalionis theilt, ganz unabhängig von besonderer Glaubenslehre hier Sitte und Tugend verherrlichend predigt, dort ihre Gegensätze mit tiefer Weltkenntniß geistvoll rügt. Wir sprechen hier von dem allegorischen, gleichfalls dreiactigen Drama ,/Lajescharim Tehilla", d. i. den Redlichen sei Lob! Don Mos es Chajim L u z z a t t o,- dem; frühreifen Wundermann aus Padua, und von dem Prof. Fr. Delitzsch in.seinem „Zur Geschichte der jüdischen Poesie" (S. 90) sagt, L. habe sich in Amsterdam, wie früher Spinoza, mit Juwelenschleifen beschäftigt und dort seine diamantenen Werke verfaßt, welche köstlicher sind als Juwelen« Auf die Fortbildung des hebräischen Stils unter den Juden in Berlin übte das in Form und Gehalt gediegene Werk bleibenden Einfluß, nachdem der Grammatiker Salomon Dubno, der Freund rc. Mendelssohns und Milerklärer des' Pentateuchs, es hier neu mit einer kritischen Einleitung heräusgab und zur Nachstrebllng empfahl (1780). War es in Amsterdam, der unmittelbare Schüler Luzatto's, David Franco Mendez, welcher die Dramatik in hebräischer Sprache weiter bildete, so erschienen in Berlin-eine Reihe von hebräischen Dichtern und Prosaisten, und in jener Zeit erhob sich auch der größte Hebraist, neuer Zeit, unser gewesener Mitbürger N.. H. W effe ly, der Verfasser der