Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 269 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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26,9 und mästen wollten, der jüdische Gottesdienst müsse ein für allemal nur in Sack und Asche gekleidet sein,, und darauf mache sich ' die deutsche Predigt wie ein bunter Lappen, der durch seine Helle Farbe das Auge verletzt und dabei werthlos ist. Die Widerlegung ließ nicht auf sich warten, und war das'Werk Bernhardts mit Zustimmung seiner Collegen. Sie war in noch besserem Hebräisch geschrieben, weil concinn und rein biblisch, aber ruhig und-voll beißender Sarkasmen. Zuerst stellte sie frühere Auslassungen .des Herrn Katzenellenbogen neben die jetzigen zum Vergleich auf und fragte, wer sich geirrt habe , der Reb Meyer vor zwei Jahren, oder der „Reb Meyer in , diesem Jahre, und dann charakterisirte sie das Benehmen des Mannes in geistreicher, aber schonungsloser Weise. Die Schlußfolgerung ergab sich wie von selbst: Reb Meyer zerstört das baufällige Gebäude und will durch sein Geschrei die fleißigen Bauleute stören, welche die erhabenen Reste von Neuem ausbauen wollen. Am Schluffe erhob sich die kleine Schrift zu einer begeisterten Schiloerung des inneren Judenthums und des wiedererwachten verjüngten jüdischen Stammes. ' Es versteht sich, daß derer, welche die beiden Flugschriften lesen und gar verstehen konnten, nicht mehr viele in der Gemeinde waren. Dazu war der Unterricht auch in der alten Weise schon zu viele Geschlechter hindurch verwahrlost worden. Und gerade unter denen, welche als Gegner der Schule auftraten, gab es kaum zwei, die es vermochten. Auch hierdurch war den Lehrern der Sieg gewiß, wenn dieser auch für die Sache selbst wirkungslos blieb. Nur das Eine ward erreicht, daß die Masse sah, die Lehrer verständen eben so gut die heilige Sprache zu schreiben, wie Reb Meyer, und Dies war in dem erwachten Streite immerhin von Bedeutung. Der Vorstand ließ aber unter solchen Umständen die Sache auf sich beruhen, und um sich gewissermaßen zu decken, forderte sie den Rabbiner auf, ein besonderes Gutachten abzugeben, da er seinen Namen untrr den Protest nicht gestellt hatte. Der gute Mann ließ sich jedoch auf die streitigen Punkte gar nicht ein, sondern nach einem großen Aufwande hohler und gedrechselter Phrasen im hergebrachten rabbinischen Style endete er damit, die Aufhebung der Drosches als eine Todsünde zu bezeichnen. So standen die Dinge unten; wie aber nun oben? So ziemlich nicht anders. Der Regierungspräsident Dumar hatte ein ausführliches Memorandum dem Herzoge vorgelegt, worin er die Pflicht und den Vortheil des Staates den Juden in dem in ihnen erwachten Bildungstriebe zu Hülfe zu kommen, auseinandersetzte, die Erfolge der Schule nach dem Berichte des Rigierungscommissarius rühmte und darauf ein Gewicht legte, daß der allerdurchlauchtigste Herr durch eine solche That, wie sie jetzt vorgeschlagen werde, allen deutschen, ja europäischen Starten voranleuchten und ein Beispiel geben würde, das Bewunderung und bald auch Nachahmung erwecken würde. Er schlug vor, die Mische. Freischule zu einer herzoglichen Hauptschule zu erheben und siemit einer jährlichen .Subvention von Taufend Thalerm und fünfzig Maltern Hotz auszustatten. Das Schriftstück war.' so ganz beschaffen, das Interesse des Fürsten nach allen Seilen hin zu . beleben, seine humanen Gesinnungen, seine Einsichten und seine Ruhmbegier in Anspruch zu nehmen. Aber der Geldpunkt! Um seinetwillen mußte das Memorandum der Kammer vorgelegt werden und der Kammerpräsident von Rahmer war auf seinem Posten. Kaum hatte er jenes gelesen, so eilte er zum Fürsten: Er verbarg seine Entrüstung über. den Vorschlag des^Regierungspräsidenten durchaus nicht, sondern steigerte sie sogar , üm dem Fürsten gewissermaßen zu imponiren. Er erklärte ' die Finanzen für. durchaus unfähig, eine solche dauernde Last auf zu nehmen, und. zwar zu einer Zeit, wo bei den gespannten Verhältnissen zwischen Preußen und dem unseligen Frankreich der Krieg jeden Augenblick ausbrechen könnte, die norddeutschen Staaten hineinziehen und. alle Kräfte des Staates beanspruchen würde. Jetzt sei höchste Sparsamkeit, jede Vermeidung unnöthiger Ausgaben die unumgänglichste Pflicht,, und.es sei fast eine Felonie, in solchem Zeitpunkte dem Fürsten mit einer derartigen Forderung zu kommen. Wenn man gegenwärtig Summen für Schulzwecke erübrigen könnte, so hätte man eine ganz, andere Verwendung. Die christlichen Lehrer im Lande litten Noch-und Entbehrung, denen abzuhelfen viel näher lägen. Er .gab hierfür Beispiele an, die den Fürsten sehr aufregten und ihm Mißtrauen gegen die Fürsorge der Regierung eingeflößt hätten, weny ihm nicht sofort die Erinnerung gekommen^ wäre, daß dieser, selba Kammerpräsident sich' stets entgegengestemmt'hatte,'Wenn'die Regierung eine Aufbesserung in der Lage der Schullehrer vorge-- schlagen und noch so dringend empfohlen hatte. Und nun fügte, jener hinzu, für wen diese exorbitante Forderung? Die Juden hätten bis jetzt ein bescheidenes, regsames friedfertiges^,. und. in ihrer Art nützliches Dasein geführt. Jetzt wolle man sie Durchaus in den Vordergrund schieben, ihnen Unzufriedenheit, . An» spruchslust, ja Revolution einflößen. Erst habe man sie in das christliche Stadtviertel einführen wollen, wo. sie,, den christlichen Bürgern zum Schaden, den Miethzins vertheuert hätten .(daß dadurch der Werth der Grundstücke gestiegen und so den christlichen Bürgern ein bedeutender Nutzen erstanden. wäre, sah der alte. Volkswirth nicht ein —), jetzt wolle man sie Mt Gewalt „bilden" und alle Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft .umkehren. Uebrigens seien die Juden selbst damit unzufrieden, und. gewaltiger Hader ihnen; man solle doch erst diese Leute selbst usit sich einig werden lassen. Hierbei legte er dem Fürsten den. Protest des Reb Meyer und seiner Genossen vor. — Unter diesen Umständen ließ der alte Herzog den Vortrag der Regie-, rung in seinem Kabinet liegen, ohne eine Antwort zu ertheilen. Wie war es unterdeß unserm Bernhard ergangen? War. sein günstiger Erfolg in der literarischen Fehde mit einem gleichen in seinen persönlichen Angelegenheiten zusammengetroffen? Wr. sehen ihn eines Nachmittags nach Beendigung des Unterrichtes