Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 268 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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der amerikanischen Freiheit erkannte. Maßregel umzustoßen und ein Element-in-das Grundgesetz der Nublik einzuführen, welches «ns denselben Ursachen wie in der alten Well auch, in der neuen die verderblichsten Wirkungen für das geistige wie ^für das materielle Wohlergehen des Volkes zu entwickeln nicht verfehlen würde. ’l-'yß '2: - - Australien. '/t' Dunedin (Reu-Seeland), im Januar. (Jew. Chr.) Wie wir schön berichtet haben> ist ein jüdischer früherer Journalist, Herr Julius Vogel, Premierminister in der englischen Colonie Aeu-Seeland geworden. Kürzlich gab man ihm hier ein. Festmahl. Se. Excellenz der Gouverneur wohnte demselben bei und hielt eine Rede, in welcher er in den lobendsten Ausdrücken von den Fähigkeiten des Herrn. Vogel sprach. Man beabsichtigt dem Minister ein Ehrengeschenk zu geben, zu welchem bereits . 500 Pfund Sterling unterschrieben sind. - , , : / I e u i f f c t o n. Ziltrigum vor siebzig Zähren. ' - Erzählt von L. Schr. ix. Der. Erfolg war für Reb Meyer auf der ganzen Schlachtlrnie ein günstiger.' Es entstand in der Gemeinde eine große Erregung. Die Schleppträger Reb Meyer's, und unter ihnen besonders.-der Melammed, dem die Leute zwar nicht ihre Kinder, aber gern ihr Ohr liehen, wiegelten Alles auf, worauf sie irgend einen Einfluß übten. Dazu gehörten auch viele Eltern, deren Kinder die Schule -besuchten. Der Mensch ist einmal so beschaffen? wenn der Fetisch-Anbeter seinen Götzen im Falle eines Unglücks auf die Erve wirft und dürchprügelt, so geht der gewöhnliche Mensch noch weiter, und sucht an denen, die ihm wohlthuen und die Gutes und Rühmliches bewirken, Fehler und Schwächen auf, um.fie, statt zu bewundern, tadeln und auf gleiche Stufe mit sich selbst setzen zu können. Nicht wenige lauschten daher gern, wenn den verdienten Lehrern Uebertretungen des Gesetzes nachgesagt wurden, untersuchten nicht, ob-sie erdichtet seien , sondern schenkten den Berläumdern williges Vertrauen. Einige sprachen schon davön^ ihre Knaben nicht mehr in die Schule zu schicken, und von der Predigt wollten sie gar nichts hören. Hier konnte man nun etwas beobachten, was sich später sehr häufig wiederholte.Während man in allen andern.Religionsgenossenschaften oft zu hören bekommt , daß die Frauen die eigentlichen Stützen und Vorkämpfer der. Orthodoxie, des alten Herkommens und Brauches,' ja selbst des dunkelsten Aberglaubens seien, war bei den Juden der umgekehrte Fall. Die Frauen zeigten sich am zugänglichsten für Neuerungen, höchstens mit Ausnahme der hochbetagten, Weiber, und legten auf die unverbrüchliche Haltung der Rituälgesetze weniger Bedeutung als die Männer. Die Ursache dieser eigenthümlichen Erscheinung mag wohl darin gelegen haben, daß die jüdischen Frauen, zu viel Jahrhunderte hindurch, alles religösensUnterrichtes entbehrt hatten, und eben zu nichts, als zu der Uebnng der häuslichen Ritualvörschriften, ohne deren - Sinn und Zweck irgend kennen zu lernen, angehalten wurden, während die Männer, in Bibel und Talmud unterrichtet wurden und darin einen festen religiösen Boden fanden. Dazu trug bei, daß die Frauen, selbst wenn sie am Sabbath und Festtage den Gottesdienst besuchten, an demselben nur sehr geringen Antheil nahmen, den ihnen unverständlichen Gebeten kaum folgten, den langen Vorlesungen aus der Schrift keine Theilnahme abgewannen, ihre Zeit mit Schwatzen verbrachten und ihnen so Herz und Verstand ohne Andacht und Erbauung blieben. Sobald nun in die weiblichen Gemüther der Strahl einer andern. Bildung, die Ahnung eines freieren Geistes fiel, so gingen sie leicht zum andern.Extrem über. Hier besonders nun hegten die armen Frauen zu vielen Stolz auf die raschen Erfolge ihrer Kinder, denen zu eigen wurde, was sie selbst nicht besaßen, gaben sich zu vielen Träumen über deren Zukunft, die ja auch die ihre sein würve, hin, um so leicht in das Lied ihrer Männer einzustimmen. Bei dem Vorstande machte jener Protest und die wachsende Aufregung und drohende Spaltung in der Gemeinde einen großen Eindruck Der Gebildete fürchtet sich vor dem Gebildeten viel weniger als vor dem Ungebildeten, und giebt dessen Geschrei und Flüchen viel eher nach als den eindringlichsten Vorstellungen des ersteren. Der Vorstand berief die Achtzehnmänner zu einer gemeinschaftlichen Sitzng. Da brach aber der Streit so lebhaft aus und ging bald in Lärmen und Toben über, daß man fürchten mußte, man werde von Beleidigungen zu Thätlichkeiten gelangen, und der Vorsitzende sich gezwungen sah, die Sitzung aufzuheben. Wenn auch Reb Meyer einigen Triumph hierüber empfand, so war er doch wüthend über die Verachtung und den Hohn, welche ihm von den Gegnern nicht erspart wurden. Sie hatten ihm ihre Meinung über sein Treiben so offen und nachdrücklich zu erkennen gegeben, daß er darüber außer sich gerieth. Er beschloß sofort , sich öffentlich zu rächen, und schrieb eine Broschüre, die er unter dem Titel „Machschewaus haleif" drucken und vertheilen ließ. Sie war in gutem Hebräisch und mit Feuer abgefaßt. Aber seine Leidenschaft riß ihn zu den sinnlosesten Uebertreibungen hin, und dies machte eine Wiederlegung nicht schwer. Er nannte die Schule eine Grabhöhle für das Judenthum, die Lehrer Füchse und; Schakale, . welche sich an den Resten der Religion sättigen