Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 267 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Rumänien. Bukarest, Ende März. Alle Remonstrationen Helfen zu nicht-, alle Petitionen blieben fruchtlos. Die Frist, die man den Juden hinsichtlich des Spirituosengesetzes, welches ihnen jeden Handel mit Spirituosen verbietet, gestattet hat, lauft im April d. I. ab,- und schon hat der Finanzminifter die LieLeüswürdigkeit gehabt, ihnen dies durch ein Circular anzuzeigen. Die Juden werden also das Vergnügen haben, gerade an ihrem Osterfeste viele Tausende von Familien hungernd und obdachlos an ihren Thüren zu sehen. Der.Herr Minister ist so menschenfreundlich, diesen zu schaffenden Bettlern anzukündigen, daß sie lieber gleich am 1. April das Wirthshaus, das sie in den Ruralgemeinden haben, aufgeben; denn wenn sie bis zum 23. April, an welchem Tage eigentlich die Frist erst abläuft, warten wollten, so würden sie die Taxe für ein ganzes Vierteljahr zahlen müssen. Wie ich Zerfahre, sollen die jüdischen Hauptgemeinden im Lande diesbezüglich an die Kammer zu petitioniren beabsichtigen. V Türkei. Konstantinopel, im Febr. Der Oberrabbiner und mehrere andere Mitglieder des hiesigen Comites der Alliance isr. univ. haben dem neuen griechischen Patriarchen einen Besuch gemacht, um ihm ihre Glückwünsche zu seiner Erhebung zu dieser Würde -darzubringen. Die israelitische Deputation wurde von dem Oberhaupte der griechischen Kirche auf das freundlichste empfangen, und der Patriarch gab die Versicherung, daß er sich die größte Mühe geben werde, um die Bande der Freundschaft zwischen Griechen und Juden zu festigen und die Vorurtheile zu zerstören, unter welchen die letztem noch an mehreren Punkten des Reiches zu leiden haben. — In der That ist aus Salonichi ein erfreulicher Beweis toleranter Gesinnung der Griechen den Juden gegenüber, bei einer allerdings an sich traurigen Gelegenheit, zu erwähnen. Ein wegen seiner Wohlthätigkeit bekannter Israelit dieser Stadt wurde von dem Unglück betroffen, daß ihm sein Haus und in demselben seine ganze Familie mit Ausnahme eines siebenjährigen Kindes verbrannte. Hierauf drückten nicht nur die griechischen Arbeitergesellschasten in einer Adresse ihren jüdischen Mitbürgern ihre, lebhafte Theilnahme an diesem Mißgeschick aussondem eswohnten auch viele Griechen dem am 15 . Februar in der Talmud-Thora gefeierten Trauergottesdienste bei; und. als der Oberrabbiner gepredigt hatte, daß alle Menschen Brüder vor Gott sind, bestieg ein griechischer Priester, der-Pope Theodor, die /Kanzel und sprach seine Freude aus, so viele Ein-' tracht : und Brüderlichkeit unter Israeliten und Griechen herrschen zu sehen. Amerika. New-Dork, 21. März. Unsere Leser erinnern sich der sich immer wiederholenden Versuche einer pietistisch -puritanischen Partei, die Anerkennung des Jesu Christi als Regenten der Welt in die Verfaffung der nordamerikanischen Union hineinzubringen, und-wie diese Versuche durch Abweisung der bezüglichen Petitionen immer wieder in's Waffer fallen. Dies hält, wie man voraussetzen kann, die frommen Seelen nicht ab, düs Experiment von Neuem immer wieder zu beginnen, denn ein Stück Papier kostet nichts, und sich lächerlich zu machen und den Spott der „Volkskinder" auf sich zu laden, kostet diesen Leuten.ebensowenig. Demungeachtet erfordert es von Seiten aller Freisinnigen einige Aufmerksamkeit, denn Einschmuggeln und Ueberrump.eln gehört bekanntlich zu den Pfaffenkünsten. Ueber den neuesten derartigen Versuch berichten die öffentlichen Blätter Folgendes: Der Versuch, durch Aufnahme eines die ausdrückliche Anerkennung Gottes und der christlichen Religion enthaltenden Artikels, der Verfaffung der Vereinigten Staaten einen christlichreligiösen Charakter aufzudrücken, ist als gescheitert anzusehen. Der Ausschuß für Gesetzwesen hat unter richtiger Würdigung der An- und Absichten der Gründer der amerikanischen Verfassung beschlossen, jede „Amendirung". in der angegebenen Richtung abzuweisen. Es heißt in feinem dem Repräsentantenhause erstatteten Berichte: „Nach Prüfung der Berathungen der Väter der Republik in der Convention, welche die Verfassung entwarf, findet der Ausschuß, daß der Gegenstand des Gesuches vollständig und sorgfältig erwogen wurde, und daß man in jener Convention, nach der ernsten Ueberlegung, deren der Gegenstand bedurfte, zu dem Beschlüsse kam, daß, da dieses Land — zu dessen Regierung man den Grund legte — die Heimath der Bedrückten aller Nationen der Erde, gleichviel ob Christen -oder Heiden, sein sollte, und in voller Erkenntniß der Gefahren, welche die Vereinigung zwischen Kirche und Staat so vielen Nationen der alten Welt auferlegt habe, es unzweckmäßig sei? in die Verfassung oder die Form der Regierung irgend etwas hineinzubringn, was als eine Bezugnahme auf irgend einen religiösen Glauben oder eine Lehre ausgelegt werden könnte." Der Ausschuß sagt weiter, „die obige Entscheidung ist von unseren christlichen Vorfahren mit so großer Einstimmigkeit angenommen worden, daß unter den Amendements, welche später.vorgeschlagen wurden, um die Verfassung der Nation annehmbarer zu machen, sich niemals eins befand, durch welches den Staaten ein Versuch, jene weise Entschließung der Väter abzuändern, vorgeschlagen worden wäre." Dev Ausschuß verlangte in Folge dessen, daß er der weiteren Beachtung des Gesuches überhoben und dieses auf den Tisch gelegt werden möge. So erfreulich dieses Factum an sich ist ' bemerkt die N.-H. Handelsztg., — so hebt es doch das Gewicht der Thatsache nicht auf, daß noch vor Ablauf des ersten Jahrhunderts der Republik eine vom religiösen Fanatismus beseelte und aus den „gebildetsten" Kreisen des Volkes hervorgegangene Partei entstehen und zu nationaler Bedeutung gelangen konnte, die es sich, zur besonderen Aufgabe gestellt hat, eine von den weisen Gründern der Rupublik als eine der Hauptgrundlagen