Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 265 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-Diesem Gesuche hat? der. Herr Justizminister stattgegeben > -und /das königliche Kreisgericht zu Grätz angewiesen, die bezahlten- 5 Thaler zurückzuzahlen. Indem Bescheide -ist hervorgehoben, daß nach den bestehenden Gesetzen, den. Juden zwar nicht das Recht zustehe, zu einem auch an jüdischen Feiertagen angesetzten Termine nicht zu erscheinen: nach der- Vorschrift des § 319. Tit. 10. Th.' 1. sollen aber die Juden mit Eidesleistungen an Sabbath-, Fest- und-Bußtagen, wenn es die Umstände -gestatten, möglichst verschont werden, wenn überhaupt die Rechte einer andern Partei dadurch nicht verletzt werden. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 29. Mar;. Die hiesigen Blätter schreiben: Das Diplom, durch welches der Wiener Gemeinderath dem Obercantor Sulzer die Verleihung des Bürgerrechtes kundgiebt, wird' vom Bürgermeister vr. Felder überreicht werden. Das Diplom, kalligraphisch reich ausgestattet, ruht in einer Envelope aus rothem Sammt, die mit dem Stadtwappen geziert ist. Die Kapsel für das Stadtsiegel ist aus Bronce mit reicher Gravirung. Der Wortlaut des Diploms ist folgender: Der Gemeinderath der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien fühlt sich verpflichtet, dem sehr geehrten Herrn Sälomon Sulzer, Ritter des kaiserlich österreichischen Franz-Josephs- Ordens, Besitzer der großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft' und Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien, aus Anlaß der am 30. März d. I. stattfindenden Feier seines 70. Geburtstages ein Zeichen der besonderen Anerkennung seiner Verdienste zu verleihen. Salomon Sulzer, mit ausgezeichneten musikalischen Anlagen begabt, ist durch feine vorzüglichen Leistungen auf dem Gebiete der Musik, welche er einem der höchsten menschlichen Zwecke, der Verherrlichung des religiösen Cultus, widmet, allgemein und besonders in der Künstlerwelt geachtet und geehrt. - Seit dem Jahre 1826 bei der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien als; Obercantor thätig, hat derselbe als schaffender Künstler zur Erhebung des Geistes und des Gemüthes nicht wenig' beigetragen; der eigenen künstlerischen Thätigkeit entsprang - aber-, auch das; Streben ,. den Keim echter Kunst in Anderen zuwecken und zu pflegen, und so hat Salomon Sulzer in uneigennützigster Weise eine große Anzahl armer Schüler in-'vet Gesangskunst unterrichtet, die durch ihre Leistungen die ehrenvollen Beweise der Anerkennung ihres Meisters im Jnlande und im Auslande vermehrten. -In Anbetracht dieses hervorragendenkünstlerischen und Humanitären. Wirkens findet sich -der Gemeinderath in seiner Sitzung/ vom. 1,9u-Februar 1.874 bestimmt, dem Herrn Salomon Sulzer. das Bürgerrecht der. Stadt Wien taxfrei zu verleihen. : . I!. , Wien, 28. Marz. (N. fr. Pr.) Wie wohl vorauszusehen war^. brachte der heutige Tag für den greisen, vielverdienten /Obercantor der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Sulzer, eine reiche Zahl von Ehren und Ovationen. Schon der .Gottesdienst, welchen Meister Sulzer im Tempel in der Seitenstettengasse celebrirte, vereinigte die Elite der hiesigen Cultusgemeinde. Der. religiösen Feier, zu welcher die Andächtigen im Feiertagsstaate erschienen waren, wohnten der gesammte Vorstand der Gemeinde und eine Anzahl von Beglückwünschungsdeputationen bei. Der Tempel war in allen seinen Räumen überfüllt. Der Jubilar war sehr ergriffen, seine gewaltige Stimme vibrirte vor innerer Erregung. Die vereinigten Chöre des Leopoldstädter und des Stadt-Tempels trugen mit großer Präcision eine Festcantate vor, worauf Dr. Jellinek die schwungvolle, der Feier des Tages entsprechende Festpredigt hielt. —Die Wiener israelitische Cultusgemeinde hatte nebst einer Adresse dem Jubilar einen silbernen Tafelaufsatz und einen Pokal als Ehrengabe überreicht. Adressen und Diplome wurden von dem Männergesangverein, dem Veleranenverein „Tegetthoff", dem „Verein für Krankenpflege armer Handelsangehöriger", dem Frauen - Erwerbverein, dem Handwerkerverein, dem Taubstummeninstitut, der „Chewra Kadifcha", endlich von den Gemeinden Mariahilf, Brünn rc. übersendet. Nach 1 Uhr; Mittags, überreichte dem Jubilar Bürgermeister l)r. Felder in Gegenwart des Präsidialraths Lebau und der Gemeinderäthe Frankl, Pollak/ Kuranda und 0r. Konipert das bereits von uns im-Abendblatte erwähnte Diplom, in welchem der Gemeinderath dem Jubilar das Bürgerrecht der Stadt Wien verleiht. , .—. Von Zeit zu Zeit erscheint versprengt eine Notiz über Das, was sich in der israelitischen Cultusgemeinde zuträgt; ein Gefammtbild der Wirksamkeit des Vorstandes erhält man jedoch nicht, und doch wäre es im Interesse der Sache , zu wünschen, daß öfters Bericht gegeben werde, da die Wiener israelitische Cultusgemeinde zu den bedeutendsten des Continentes gehört. Es ist nun ein Anfang gemacht worden. Es erschien nämlich lithographirt eine statistische Uebersicht der Thätigkeit des Vorstandes im verflossenen Jahre. Wir entnehmen derselben folgende Momente : Es langten 1015 Geschäftsstücke ein , - der Gesammtvorstand hatte 16, das Collegium der Obmänner 3 und die verschiedenen Sectionen 36 Sitzungen. Wir heben aus den behandelten Gegegenständen hervor: Beiträge an verschiedene Bethäuser in den Vorstädten -rc., Besoldung der Religionslehrer aus Staatsmitteln im Sinne des Gesetzes vom 20. Juni 1872, Seminar in Berlin/ jüdisch-theologisches Seniinar in Wien. Mehr als diese trockenen: Daten können wir nicht geben, da auch, der Bericht nichts weiter enthält. Hoffentlich wird der nächste Bericht ausführlichere Mittheilungen machen. —. In der israelitischen.Kinderbewahranstalt wurde in diesen Tagen eine schöne Feier 'begangen. Es fand nämlich die Prüfung der/Kinder,: sowie die: der Zöglinge:der ersten Mldungs- I.anschlt für Kindergärtnerinnen, verbunden, mit dem Gründlings-