Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 264 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Westen eine befriedigende Lebensstellung auf. Bei den Zurück-' bleibenden verschwindet-die Schulbildung bald im Hause, in der- Gemeinde und Synagoge. Die wesentliche Schuld hiervon tragen die > sg. Aufgeklärten; unserer ganzen Provinz. Sie huldigten denr Indifferentismus; das Wohl ihrer Glaubensgenossen war ihnen von jeher gleichgültig. Irgend welche politische Bewegung nimmt ihr Interesse sofort in Anspruch', aber der Zustand' ihrer Glaubensgenossen/ ein, der Bildung entsprechender religiöser Zweck, läßt ihre Theilnahme kalt. Niemand hat sich die Mühe gegebengute belehrende Schriften zu verbreiten, ihnen den Eingang in die Masse zu verschaffen. Jetzt ernten sie, was ihre Indolenz gesäet, und es wird nicht lange dauern, daß der größere Theil von ihnen selbst den leichten Firniß verlierend, dem Aberglauben in di^ Arme sinkt. Wer soll den Kampf hiergegen aufnehmen? Ich kenne eine Anzahl der jüngern, nach neuerer Weise gebildeten Rabbiner oder Rabbinatscandidaten — diese haben wir aber nicht als Fahnenträger des echten Judenthums zu betrachten. Sie geben sich am liebsten selbst den Anschein der „Frommen", und wenn sse den Wahn nicht mitmachen, treten sie ihm auch nicht entgegen und möchten gar zu gern in den Augen des Volkes einen Heiligenschein um ihren Kopf tragen, als der nächste Weg zu einer guten Stelle oder wenigstens zu einer Stelle. Man hat in ihrem Blatte von der Bildung eines Vereins gegen das Unwesen in Grätz gesprochen. Er wäre viel weiter in seinen .Zielen auszudehnen. Wer aber soll den Verein gründen? Wer dessen Agenten sein? Wo werden sich die Mitglieder finden? Ich kenne'sie nicht und weiß nicht wo sie aufzutreiben, auch nicht in unserer Hauptstadt Posen. Wer behaupten möchte, daß ich zu schwarz male, den möchte ich ersuchen, mich eines besseren zu belehren. Berlin, l. Agril. (Privatmitth.) In dem Aprilheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" ist folgende Verfügung zu lesen: 47) Zulässigkeit der Subv entionirung öffentlicher jüdischer Sch ulen aus den zur A ufbe ss erun g der Lehrergehälter bestimmten Staatsfonds. (Centrbl. pro 1873 Seite 306 Nr. 189.); /i Auszug. Berlin, den 4. December 1873. Dabei bemerke ich für event. geeignete Fälle, daß die Verwendung der zur Äufbeffernng der Lehrergehälter bestimmten Fonds auch für jüdische öffentliche Schulen, wiewohl sie nach Maßgabe des Gesetzes vom 23. Juli 1847 eine andere Stellung einnehmen, wie die christlichen Ortsschulen, doch nicht principiell- oder ausdrücklich ausgeschlossen ist und daher unter Umständen wohl stättfinden kann. Fälle dieser Art werden z. B. dann vorliegen, wenn beim Unvermögen der zur Unterhaltung einer öffentlichen jüdischen Schule Verpflichteten das Fortbestehen derselben dringend wünschenswerth ist, weil eine anderweitige Beschulung der Kinder füglich nicht stattfinden kann, oder wenn das Eingehen der Schule die * Nothwendigkeik der -staatlichen: Beihülfe in gleichem Maße zum Zweck ihres unerläßlichem Ersatzes durch anderweitige Unterbringung der Kinder erfordert. '; - Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten. An ' Im Aufträge: Greifs. -' die Königl. Negierung zu N. ' ' . - U. 44,245. : l Hoffentlich befreit uns das zu erwartende Unterrichtsgesetz' von all derartigen Beschränkungen- und Verklausulirungen, denen sich jetzt, weil sie gesetzlich sind, der Unterrichtsminister nicht ent-- ziehen kanndie aber offenbar allem Rechte widerstreiten.) 'n1 —. In diesen Tagen feierte Herr A. Bernstein' seim 25-jähriges Jubiläum als Redacteur der' „Volkszeitung". Dev Verein der „Berliner Presse" hat seinen Vorstand beauftragt, dem würdigen Veteranen, der am nächsten 6. April seinem 62. Heburtstag feiert, die Glückwünsche des Vereins zu seinem Jubiläum darzubringen; auch die Fraktion der deutschen Fortschrittspartei im Reichstage entsendet eine Deputation, bestehend aus den Abgeordneten Herz, Träger und Moritz Wiggers an den Jubilar, um ihm den Dank und die Anerkennung der Partei für die nunmehr ein Vierteljahrhundert hindurch geübte Wirksamkeit in einer Adresse auszusprechen. - — . In der letzten Magistratssitzüng wurde Herr vr. phil. Michael Holzmann, bisher Lehrer an der hiesigen jüdischen Gemeindeknabenschule, zum Lehrer an der Sophien-Realschule einstimmig gewählt. Es ist Dies der erste 'Fäll, daß in einer hiesigen höheren städtischen Lehranstalt ein Jude unterrichten wird^ Metzim März. Das Amt des Großrabbiners' von Metz ist dem Rabbiner von Pfalzburg, Herrn Bigard übertragen worden. - ■ ■: - Wir können dem Metzer Sprengel zu der Äcquifitiön dieses Mannes Glück wünschen, eines Mannes' der, ohne feinen Ueberzeügungen irgendwie ungetreu zu werden; die Zeitverhältnisse in reli-; giöser, wie in politischer Beziehung vollkommen zu würdigen versteht! Nürnberg, 26. März. Unsere Löser wird es interessiren,' zu erfahren, daß die beiden israelitischen Mädchen Maria und Dutha Perezletzten Sonntag die Reise nach Odessa zu ihrer Mutter angetreten haben, nachdem noch zuvor Maria Perez, welche bekanntlich in Neuendettelsau in das Christenthum hineinescamotirt worden war, unter Assistenz eines christlichen Zeugen bei dem hiesigen Decanate ihren Wiederaustritt aus der ptotestantischen Kirche erklärt hat. Neustadt b. P., ,(Pos. Ztg.) Das Kreisgericht in Grätz hatte den hiesigen Handelsmann L. M. in 5 Thlr. Strafe genommen, weil er die Vorladung zu einem Termine, welcher auf. den jüdischen Neujahrs tag fiel, nicht Folge gegeben hatte. Da Reklamationen sowohl beim Kreisgerichtsdirector, wie dem Appellationsgericht in Posen fruchtlos geblieben waren, wandte sich der Bestrafte an den Justizminister mit der Bitte, ihm die bereits bezahlten 5' Thlr. zürückerstatteU zu lassen/