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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-04-14 · Heft 16 (14.4.1874) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 16 (14.4.1874)
Date
1874-04-14
Page
Seite 263 (sequence 5)
Language
German
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263 Forscherblicke abgefaßt. . Nach einer Einleitung, die etwas kürzer gefaßt sein konnte, beantwortet er die auf seinen Gegenstand bezüglichen Fragen. Zunächst macht er wahrscheinlich: Es waren die Hilleliten und Schammaiten, welche die meisten Gedenktage erst einfetzten, während bis dahin nur einige vom Volke alljährlich festlich begangen worden waren; durch die gesetzliche Bestimmung aber, daß an ihnen nicht gefastet und getrauert werden dürfe,, erhielten sie erst ihre eigentliche religiöse Weihe. -.Diese Tage,, welche schon lange vor. der Abfassung des Kalenders festlich gefeiert wurden, sind die zwei Purimlage, die acht Chanukkatage, der Einweihungstag der Mauern Jerusalems, der Nikanortag, der Garizimtag, der - Todestag des Königs Iannai, der Tag des Holzopfers, die beiden Bettage/um Regen und der. Todestag des Herodes. - Während bei den andern Gedenktagen jedesmal das Ereigniß als ein nicht Allen bekanntes erst mitgetheilt und damit; der Grund angegeben wird, weshalb der betreffende Tag fortan als Gedenktag gefeiert werden soll, wird bei diesen neun im Kalender ohne nähere Motivirung, wie auf bekannte, durch die jährlich wieverkehrende Feier volksthümlich gewordene, hingewiesen. Die wichtigste Frage war nunmehr, nach Abfasser und Abfassungszeit des Siegeskalenders und demnach nach der von der Mischna gemeldeten stürmMen und sogar blutbefleckten Synode der Hilleliten und Schammaiten, bei welcher noch die hochbetagten Gründer dieser Schulen zugegen waren. Der Verfasser erweist mit überzeugenden Gründen, daß der Kalender in dieser Synode festgesetzt, wurde, so daß. die Abfassung des Kalenders und mit ihr die Einsetzung der meisten Gedenktage im ersten oder spätestens im .zweiten Jahre der Landpflegerschaft des Coponius, also im siebenten oder achten Jahre nach Christus (62 oder 63 Jahre vor der Tempelzerstörung) stattgefunden haben. Das bekannte Scholion, welches die Erklärungen, zu den Gedenktagen, giebt, aus dem. Anfang des dritten Jahrhunderts stammt, und ältere Überlieferungen fixirt hat. Im Allgemeinen hält der Verfasser die geschichtliche Begründung und Bedeutung. der Gedenktage fest, wogegen die Erklärungen.die des Scholion giebt, keinen Anspruch an geschichtliche Geltung haben. Ohne es zu beabsichtigen, richtet sich von selbst die Untersuchung des .Verfassers gegen viele Behauptungen von Grätz, und es zeigt sich hier wieder die Unzuverlässigkeit, vie so oft in den Details der Darstellung und den Ansichten dieses Geschichtsschreibers einwohnt, der sich allzuoft von der Sucht Eigentümliches vorzutragen, "zu unbegründeten Hypothesen, verleiten läßt. ^7 Reden bei verschiedenen Gelegenheiten von No. Ad. Jellinek, erster Theil. (Wien, Brüder Winter, 1874.) Es sind mannigfache Reden, die zum Theil auch schon veröffentlicht waren, welche uns hier gesammelt geboten werden, Reden, theils bei Einweihungen von Stiftungen, theils zur Seelen-Gedächtnißfeier, Gedächtniß- und Grabreden/, und bei. officiellen Festen. Es liegt ihnen immer eine specielle Veranlassung zu Grunde. Darum sind sie auch mannigfach an Werth, überall aber tritt Reichthum an Gedanken und Meister-' schaft im Ausdruck hervor.— „Ausgewählte Gelegenheitsreden von l)r. Jecheskel Caro, Rabbiner der. jüdischen. Gemeinde Dirschau. Erstes Heft. (Danzig, Kasemäun, 1874)." Dieses erste Heft enchält eine Rede zum deutschen Friedensfeste. 1871, „zur goldenen Hochzeitsfeier der Eltern" drei-Grabreden und. drei Traupredigten. Eine gute Logik und.Gefühlswärme, Einfachheit und Correctheit der Sprache geben diesen Reden überall ein günstiges Gepräge, das sie empfehlenswert!) macht. — Reden bei der Beerdigung des Herrn l»r. Isaak Löwi, Oberrabbiners, in Fürth, Ritter des Michaelsordens I, Classe rc, rc. am 28. December 1873. (Fürth, Schröder, 1874.) Die , erste dieser drei Gedächtnißreden ist -von Rabbiner l>r. Neubürger in der Hauptsynagoge, die zweite vom Notar Do. Ortenau am Grabe, die dritte ebendaselbst von Dr. Levin, Rabbiner zu Nürnberg gehalten. Es lag daher in der Natur der Sache, daß die erste, die ausführlichere Schilderung und Charakterisirnng des Heimgegangenen gab; indeß können wir von allen drei sagen, daß. sie im würdigsten Style und in ausgezeichneter Form gehalten sind. Der erste Redner verstand es schon, den wärmsten, Ton anzuschlagen und die Gedanken zum Aufschwung zu bringen. , Deutschland. Aus dem Poftnschen, 30. März. (Privatmitth.) Man hat wohl in Deutschland keinen Begriff, wie dunkel es noch in den östl. Theilen unserer Provinz, welche der russisch-polnischen Grenze nahe liegen, aussieht. Auf dem Boden der seit Jahrhunderten eingewurzelten Gewohnheit -führt die Hyperorthodoxie die Herrschaft, und läßt, so. an Bildung und religiöser Klärung nichts anskommen. Aus der dicken Rinde, welche die echte Religiosität bedeckt, sprießennur die krankhaften Schößlinge 'der Hyperorthodoxie;mb. des Chassidismus um so mehr hervor, als die alte talmudisch-rabbinische Gelehrsamkeit in den Rabbinern nur noch wenige, in der Masse gar keine Vertreter mehr findet. Die Wundergeschichte in Grätz ist nur ein Symptom, dem ähnliche jeven Tag.' aller Orten dieser Ostgrenze zum Vorschein kommen können. Der Zufluß aus den polnisch-russischen Provinzen erhält diesen Zustand selbstverständlich noch mehr. Es ist wahrhaft traurig, in solchen Landstrichen leben zu müssen. Vergebens \ hoffte man durch gute Volksschulen diese Zustände zu bessern. Sie sind nun hier vierzig Jahre in Thätigkeit.und es schien eine Zeit lang, daß sie von guter Wirkung sein werden. Das letzte Jahrzehnt hat das Gegentheil erwiesen. Die in den Schulen mit Erfolg unterrichteten jungen Leute entziehen .sich, bald dem unfruchtbaren Boden ihrer Heimath und suchen im.

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