Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3 11 J I 44 hier anzuführen, ohne dabei mehr Anspruch zu erheben, als unserer Erkenntniß durch einige Apercus zu Hülfe, zu kommen.. , Bekannt-ist. jene anmuthige mythologische^Erzählung, wie Paris den Erisapfel derjenigen der drei Göttinnen" der Weisheit', der'Macht' ustlH der Schönheit'zuertheile^ sollte, Ldie-V ihm . am meisten gefiele. Er sollte sie hierzu ganz unbekleidet sehen, d. h. in ihrem Wesen und Werthe erkennen und beurtheilen. Er überreichte den Apfel der/?Gvttin--der S-chpnheit. -—--Sehr nahe liegt da die Erzählung in 1. Kon. 3, 5' ff.' ' Im Traume ' erschien Gott dem Salomon und sprach zu ihm: „Fordere, was soll ich Dir geben?" Da stand ihm zur Wahl: langes Leben, Neichthum und Sieg — er aber wählte.die Weisheit, um zwischen Gutem und Schlechtem zu unterscheiden, und das Volk in Gerechtigkeit zu richten. Da antwortete ihm Gott: „Fürwahr, weil Du solches erbeten und hast Dir nicht langes Leben erbeten) undhast Dir'nicht Meichthunr erbeten, und hast'Dir nicht erbeten das Leben Deiner Feinde, sondern hast Dir erbeten, verständlich das Recht zu verstehen; siehe so thue ich nach Deinem Worte; siehe ichgebe Dir ein weises' und einsichtsvolles Herz, daß, wie Du, Keiner vor Dir war und nach Dir Keiner aufstehen wird, wie Du. Und auch, - was Du nicht erbeten, gebe ich Dir, sowohl Neichthum als Ehre,- daß wie Du Niemand unter denKönigen sem wirdall' Dein Leben lang." — Bezeichnenderes für die beiden Nationen und ihre Weltanschauung kann es nicht geben: -der Hellene wählt unter allen Gütern des. Menschen, unter Allem was er hoch schätzt,' und wonach er sich: ,sehnt, die Schönheit, der Israelit die Weisheit, die besonders nt der Erkenntniß des Rechtes besteht! Wir brauchen die Folgerungen, die hieraus entspringen, sticht weiter zu ziehen, denn es versteht sich, daß hier nicht die Anschauung eines Einzelnen, sondern die des ganzen Geschlechts, die nationale Lebensanschauung enthalten ist. Beiden Völkern entging auch nicht der Verlauf der Dinge, der daraus hervorgeht. Die Wahl des Paris hatte zwar den Genuß der Schönheit aber-ÄÄ^-en furchtbaren Kampf zwischen Griechen und Troern zur Folge/ dH mit der Zerstörung Trojas und dem Untergang fast aller griechischen Führer endete— während Salomons lange Negierung voll Friedens und schöpfe-; rischer Kraft war, die Sonnenhöhe der ganzen Geschichte Israels. : Aber schon der Begriff der We i Sh eit wie er sich in den beiden Nationen aussprach, war ein sehr verschiedener. Pallas Athene (Minerva) war vollständig aus dem Haupte des höchsten Gottes entsprungen, und erschien sofort den Helm auf dem Kopfe, den Panzer um die Brust, den Speer in der Rechten und an der Linken den furchtbaren Aegisfchild mit dem Gorgonenhaupte. Diese Weisheit fand also ihre Bestimmung und Thätigkeit im schweren Kampfe des Lebens in diesen sollte sie sich stürzen, den Kampf leiten, die Feinde erstarren und besiegen, und wo es Noch that ihren Schützling mit List sind Verstellung ausrüsten, um ihn nach langer Irrfahrt''- züm^' ZieMzü- Mützen, während seine Genossen nnd Kampfgefährten sämmtlich unter- ,260 11-W 1 gingest. — Welch' ein anderes Bild von der Weisheit stellt uns die israelitische Welt dar! Wir lesen Cap. 28 des BuchßA^iob. Die Weisheit, heißt es da,..ist nicht, bei denZDingen der? äußerlichen Welt^zu finden, nichts im Meere,'beb den Vögeln-des Himmels, jm' Abgrund oder Tod; Ihr Werths geht überfalle irdischen Kostbarkeiten. Daun heißt es (B. 23—28): „Gott kennt ihren Weg, Er weiß ihre Stätte! Denn zu den Säumen dep fErpe schau^er/siehet-unterx-d^m ganzem Himmel hin. Als er Gewicht dem Winde gab, und'die Wasser'nach Maßen geordnet, da er Gesetz dem Regen gab, Bahn denl Wetterstrahl : da sah er sie und maß sie ab, verwirklichte/- erforschte sie- und zu dem Menschen sprach er: Sieh, die Furcht des Herrn ist Weisheit, das Böse meiden Einsicht!" Die Weisheit ist also nach der naliönal-israelitischen Vorstellung, die. Weisheit ist Gottes; er hat ihr Anwendung (Ort und Stätte) in der Schöpfung der Welp gegeben,'in dem Gesetz für alle Erscheinungen der Natur; für den Menschen aber ist Weisheit: die Gottesfurcht und' das Böse meiden. Dasselbe, ausführlicher und bis in die Einzelnheilen des Lebens spricht die Einleitung! in was Buch der. Sprüche aus/ besonders '1, 20 ff., 3, 13 ff., 4, 7 ff. Hier wird /nur die - Weisheit.als für alle Menschen zugänglich und,- -verständlich dargestellt, um ihren Geböten im wirklichen Leben zu folgen, und dadurch Heil und Frieden zu finden in . allen Lagen und Tagen des Lebens. Heben wir 8, 22 ff. hervor: „Mich schuf der Ewige als seines Wandels Anfang, vor seinen Werken,' längst. Von ewig an ward ich gefürstet, von Anfang der Erde Ursprung. Als noch die Fluchtnichtiwar,-?waxd.ich Mbpren, hoch wassersschwere Quellen nickt. Eh' Berge waren eingesenkt, bevor die Hügel/ watv geboren ich pals er -stoch nicht geschaffen Land und Triften/ und alles unfruchtbaren Staubes Masse. Als -erl bereitete den Himmel, war' ich - dort, als er den- Vogen - setzte über die Fläche der Fluth, als er die Wolken droben festigte,' stark wurden die Quellen der Fluth, als ^er dem Meere seine Grenzen setzte , daß nicht die Wasser brächen - sein Gebot- ) als er der Erden Vesten setzte ein: da war ich neben ihm / ein -Pflegling/ da war ich Wöstne Tag -für Tag, spielend vor ihm in aller Zeit, spielend auf seiner Erde Ball, urid Wonne habend an den Menschenkindern. Und nun denn, Söhne hört auf mich: Heil denen, die bewahren meine Wegep --Höret Zucht, und werdet weise- und verwerft sie nicht. Heil dem Menschen, der auf mich hört, an meinen Thüren wachend Tag für Tag/ die Pfosten meiner Pforten-hütend.! Denn wer mich findet) findet Leben, und' gewinnt Wohlgefallen vom- Ewigen. Doch^ wer da sündigt wider mich, thut Gewalt' -an seinem Leben, all' die mich hassen/ lieben den Tod." — Wir haben diese Stellen gewählt) weil' sie in - poetischer -Form die Weisheit allegörisiren, ähnlich der mythologischen^ Göttin, wir glaubest -nicht fehl -zu gehen, wenn wir in diesen beidengegenuberstehestden Borstellüngen wiederum - ein tiefsinniges - Charäkt'eristicum - für die verschiedene LebenSanschäuung in den' - beiden' großen Nationen finden. ,’ -