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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-04-07 · Heft 15 (7.4.1874) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 15 (7.4.1874)
Date
1874-04-07
Page
Seite 249 (sequence 7)
Language
German
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Hause ein, um dem Jubelpaare ihre Glückwünsche abzustatten.' Mittags wurde die Ehe in der gedrängt vollen Synagoge vom Cantor Blumenfeld aus Adelebsen nochmals eingesegnet; Dann ging-s im festlichen Zuge zu der großen Festtafeln Hierauf erschienen die weiblichen und männlichen Arbeiter der L.'schen Fabrik mit einem Musikchore 'an' der. Spitze, um die Gesellschaft zu dem von dem Jubilare für das gefammte Fabrikpersonal arrangirten Festballe abzuholen, - der einen sehr animirten Verlauf hatte und sich bis gegen Morgen-hinzog. Vor einiger Zeit haben Sie in diesem Blatte daS Werk von Ebers: Aegypten und die Bücher Mosis besprochen. Für die Leser, die sich für derartige Forschungen intdressiren, weise ich auf einen in dasselbe Gebiet gehörenden und recht lehrreichen Aufsatz von Max Büdinger hin: Aegyptische Einwirkungen auf hebräische Culte, welcher im Novemberhefte der Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Jahrgang 1872 M 451 ff^ abgedruckt ist. *) - - Aus dem Posenschen, 22. März. (Privätmitth.) In Flatow ist die Nachricht eingegangen, -daß der Cultusminister vr. Fal k dem Wunsche der städtischen Behörden nachgegeben und die Anstellung eines jüd. Lehrers an der dortigen in der Reorganisation begriffenen Simultan-Mittelschule genehmigt hat. Nachdem in Aussicht genommenen Project werden alsdann an dieser Anstalt wirken 6 evangelische, 2 katholische und 1 jüd. Lehrer; unter ersteren 2 Literaten. ' Breslau , im März. (Privätmitth.) Zwanzig Jahre sind verflossen, seitdem das in Folge der Ereigniffe von 1848 in der Ausführung sistirte Gesetz der über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 in den alten Provinzen des preußischen Staates in's Leben trat. In dem seit Kurzem entbrannten Kampf um die Fortdauer dieses vielgepriesenen und vielgeschmähten Gesetzes, der sich zu einem Kampf um den Rechtsbestand und die materielle Existenz der größern Mehrzahl aller jüdischen Gemeinden Preußens zugespitzt hat, und von Seiten der Angreifenden mit Mitteln geführt wird, die nur allzusehr erkennen lasten, daß es sich unter dem scheinheiligen Vorwand von „Recht und Gewissensfreiheit" in der Thai nur um eine gewöhnliche Macht-- und Parteisrage handelt-— in diesem Kampfe wird es vielleicht von Interesse und von Nützen sein, an einem lebendigen Beispiel die Wirksamkeit jenes-Gesetzes zu illustriren. Hierzu ist aber, unseres Wistens, keine Gemeinde der älteren preußischen'Provinzen — abgesehen von ihrer numerischen Bedeutung — nach allen Richtungen so vorzüglich geeignet, wie die Breslauer, deren Entwicklungsgang während der letzten dreißig Jahren in den sprechendsten Zügen ein Bild davon giebt, wie tief-die Zerrüttung und der Verfall aller Verhältnisse. Unter dem System" der Anarchie und - der Gesetzlosigkeit — die; . *1 IN meiner jüngsten Correspondenz findet.sich ein sinnentstellender Druckfehler und ist S. 195 Zeile 20 anstatt „Zeitverhältnisse" Zwitterverhältnissezu lesen. - - ' man 'unsso gern als eine neue.^Arra:cher-Freiheit'4verherrlLcheW möchte t um sich gegriffen , und mit welcher fast'-wunderbaren regenerirenden Kraft die gesetzliche ' Rechtsordnung neues und gesundes Leben aus den Ruinen hervorgerufen chat.' — Die Breslauer Gemeinde beweist nicht minder' aber durch evidente Thatsachen, daß die in der Theorie nicht zu leugnenden Mängel und Schattenseiten des jetzigen Gesetzes , in der Praxis durch eine einsichtsvolle und besonnene, von Parteisucht und falschem Büreaukratismus entfernte Handhabunggänzlich unschädlich gemacht werden können, und daß jene Mängel keinesfalls .— sofern nur der gute Wille dazu-vorhanden ist — ein Hinderniß darbieten, um auch den Minoritäten denjenigen Schutz und diejenigen Garantien zu gewähren; auf welche sie im Interesse der Gewiffensfreiheit. und Gleichberechtigung sicherlich vollen Anspruch machen dürfen. 1 ‘ Sehen wir uns in diesem -Augenblick einmal die materiellen und moralischen Verhältnisse der Breslauer Gemeinde an; und vergleichen wir sie mit der Periode, die zwanzig Jahre hinter uns zurückliegt. ' Bei-der .letzten Zählung von 1871 betrug die jüdische Bevölkerung Breslaus ca. 14,000 Seelen; wir dürfen sie heut auf 15,000 taxiren, was einer Familienzahl von 30OO entspricht. Die Steuer-Heberolle pro 1874 weist demnach auch 38O0 Contriöuenten auf, worin die zur Steuer gleichfalls mit herangezo-, zogenen zahlreichen, unverheiratheten jungen Männer mit selbstständigem Einkommen inbegriffen sind. Das steuerbare Einkommen der Gesammtzahl der Contribuenten ist auf mehr als 6 Millionen Thaler abgeschätzt, und nach dem in den. letzten Jahren angewandten Steuersatz von 1 %, würde die directe Gemeindesteuer ein Aufkommen von 60,000 Thaler ergeben. Wiewohl nun die Gemeinde in den letzten Jahren — wie bald erwähnt werden soll — für Herstellung von zwei Synagogen höchst beträchtliche Summen aufgewendet und @($ulbeir contrahirt hat, die immer sehr stärker Amortisation unterligen, so sah sie sich dennoch in der glücklichen Lage, den Steuersatz um t/5 0/o herabzufetzen und noch andere Erleichterungen bei der Veranlagung eintreten zu lassen, durch welche das Steuersoll: auf 43,00 0 l Thlr. - ermäßigt worden ist. ' Der Haushaltsetat, balancirt in Einnahme und Ausgabe -mit vot. 73,000 Thlr; Die Besoldungen der Beamten der allgemeinen und der Cultusverwaltung betragen 8000 Thlr^, der Zuschuß zu der Religionsfchule ca. 38 00 Thlr., die Ausgabe zur Armenpflege -8000 Thlr,, der Zuschuß an andere selbstständige Wohlthätigkeitsanstalten 2000 u. s. w. Seit der Reorganisation der Gemeinde hat dieselbe einen neuen Begräbnißplatz erworben, undhergestellt - für ca. 30-000 Thaler, eine monumentale; großartige Synagoge neu erbaut — die er ft e, welche die Breslauer Gmeinde als solche-je besaß, da bis dahin hier nur : Privatsynagogen existirten — die einschließlich der Zinsen bis jetzt ca, 550,000 Thlr; gekostet hat/' -Und-

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