Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1874)
- Date
- 1874-03-31
- Page
- Seite 237 (sequence 13)
- Language
- German
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237 Reb' Roßen , es sehen mußte, ohne zu erkennen,' wie viel eS fei. Mit :d!efem ^wieviel^ motzte' der Melammed "nicht sehr zufrieden ' sein,^ Venn^ einen Augenblick lang- Ms" eine Art)Verdruß, über sein mageres, graues Gesicht. Doch sagte er nichts und nickte bloß" mit dem Kopfei *. ''i „Es versteht sich," fuhr Reb Meyer "fort, „daß "Ähr Euch alle Mühe gebt, alle diese Geschichten, besonders'die vom Eres Peißach, unter die Leute zu bringen, und sie recht grausig zu machen. Ihr braucht nicht zu fürchten, deß sie Euch Nicht glauben werden, wie der Rebbe; je " schlimmer Ähr "sie" erzählt/desto mehr glaubt das Volk daran," und wird erhitzt. "Nun aber geht auch sogleich -zu Reb Beer Levi, zu Reb Schlaume Schneider, Reb Tewele Rieß und zu Reb DavidKazzefuud sagt" ihnen, sie möchten mir heute Abenv die Ehre geben, mich zu besuchen/ aber genau um sieben Uhr. Habt Ihr" verstanden?" Der Äelammed nickte abermals mit dem "Köpfe und verließ das Zimmer und das Haus. . (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Bochum, 16. März 1874. Am 14. Februar feierten , die Eheleute Aron Herz und Betha Herz/geb. Samuel, has seltene Fest der diamantenen Höchzeit. Angesichts der großen Achtung, der sich die genannten^ Eheleute in hiesiger Stadt und weit über deren Weichbild hine aus zu erfreuen haben, ioa.r es ganz natürlich, Läß ihr Ehrentag -seitens eines großen Theils der" hiesigen Bürgerschäft und der ganzen,, Gemeinde, in welcher der Jubilar als Mitglied der Repräsentanz fungirt, die innigste Theilnahme erwecken mußte. Am Abende vor dem Feste wurde den Äubilaren von einem der städtischen Gesangvereine ein solennes Ständchen gebracht. " Obgleich, da der Festtag auf Sabbath fiel, eine "besondere gottesdienstliche Feier nicht stattfinden sollte, war am anderen Morgen unser schönes,.Gotteshaus von Besuchern jeder Eonfession gedrängt voll. Einen erhebenden Eindruck machte es, als die Jubilare mit verklärten Mienen und festem, ihr hohes Alter verläuguenden Schritten durch die zahlreiche Beterschaar gingen. Da war auf ihrem Antlitze .jenes Hochgefühl ausgeprägt, das der Mensch . empfindet, wenn des Lebens höchste Freuden ihn zu Gottes Weihealtarführen. Schreiber dieses gedachte in seiner Predigt des „ hohen Familienglückes, dessen das Jubelpaar fast.ohne störende Unterbrechung seit seinem sechs Jahrzehnte ümfaffendeu Ehebündnisse genießen konnte. Nach dem Gottesdienste erschienen Deputationen^ der städtischen , sowie der " Gemeindeverwaltung im Hause des Jubelpaares, , um diesem Glückwünsche darzubringen. Ein Festmahl versammelte des Mittags zahlreiche' Theilnehmer, unter denen der Bürgermeister/ sowie mehrere höhere Beamten hiesiger Stadt sich befanden. Manches herzliche und ergreifende Wort wurde bei dieser Gelegenheit gesprochen. Zum Schlüffe bars ich nicht "unerwähnt läffeü', daß das Jubelpäär durch namhafte Spenden an! mehrere wohlthätige Stiftungen seinem Ehrentage; ein bleibendes Andenken errichtet hat. '^ H. Laubheim. " Hildes heim, 15. März 1874. Wir hätten neulich die goldene Hochzeit eines sehr geächteten Mitgliedes unserer Gemeinde zu feiern, und gestaltete'sich dieser Tag. fast ju einem Volksfeste.' '"-Mr ehrwürdige -Herz Sommer und seine Frau, geb. Dippel, erfreuen sich' noch einer, in dem hohen Alter seltenen,-Gesundheit. Der Goldbräütigam hat an den' Befreiungskriegen von 1813-^-15 thätigeui-'Amheil genommen/ und wurden ihm daher auch wohlverdiente kriegerische Ehren zü Theil. Neben Geschenken vom Kaiser, von der Stadt, und von Mitgliedern der "Gemeinde würde vom Kriegerverein ein Lorbeerkränz überreicht, und man ernannte "ihn .zum'. Ehrerrmit-- gliede. Man verband ' damit Abends einen' solennen Fäckelzug, heni" sich auch Turnvereine und Gewerke mit ihten Insignien ätischloffen. Ein von dem Cömniändanten " des ' Kriegerveleins gebrächtes Hurrah wurde von dem ältesten Sohne des Jubilars "durch ein Hoch auf den Kaiser in würdiger Weise erwidert, und schloß die Feier mit einer 'dreimaligen Ehrensalve. ' > Die nun schon seit Jahren der Seelsorge entbehrenden Israeliten"hiesiger Strd't siüd froh, heue' endlich'den" so läsige schon gewählten llr. Guttmann als Rabbiner in ihrer Mitte zu begrüßen. Vermischtes. Jui dritten Heft des 27. Bandes der „Zeitschrift der. Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", liest man eine Abhandlung von I. Grill „lieber das Berhältniß der indogermanischen und der semitischen Sprächwurzeln", welche so'recht erweist, wie unsere Zeit auf jedem wissenschaftlichen Gebiete Fortschritte macht, aber auch von Ter Sucht geplagt wird,'aus Grund einer erkannten Sache sofort die kühnsten Folgerungen und Hypothesen zu bilden und dreist" zu behaupten, nun den Schlüssel zu den Welterscheinungen zu besitzen. .Es wird in dieser Abhandlung recht bedeutsam hervorgehoben, Taß die indogermanischen und die semitischen Sprachen sich 'bei der Bildung Ver Wurzeln darin unterscheiden, daß die ersteren die Hauptbedeutung den Vokalen, die letzteren den Consönanten beilegte, jene einsilbige Wurzeln, diese im Drange der Wurzelbildung biliura, dann iriliurä;* und einige wenige plurilittra bildeten, ferner daß die ersteren bei den Nuäncirungen der Begriffe, die mannigfaltigste Formbildung ihrer- Wurzeln" besonders auch die Zusammensetzung anwandten, während die semitischen auf den .materiellen Begriff dem Hauptwerth legend, eigene Wurzeln für jede Begriffsnuance schufen.