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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-31 · Heft 14 (31.3.1874) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 14 (31.3.1874)
Date
1874-03-31
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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M4 Unterricht. An Fonds besitzt jetzt der Verein circa 5200 fl- und 6400 fl. für die Speiseanstalt. Pest, 16. Marz. sPrivatmitth.) 8. B. Seit der-zu Anfang dieses Monates begonnenen und immer noch andauernden Ministerkrisis halt der Landtag keine Sitzungen, und ist daher bie. demselben zur Entscheidung vorliegende Seminar- und Schulsondsrage noch immer in der Schwebe. , Die „Frommen im Lande" erschlaffen jedochnicht in ihrer bisher entwickelten Rührigkeit und benützen die in den Landtagssitzungen eingetretene unliebsame Pause, auf die vortheilhafteste Weife. Sie verstehen es, aus der politischen Misöre Capitali zu schlagen und die allgemeine Entmuthigung zu ihren Zwecken, auszubeuten. In Folge der von der „Durchführungscommission in der Schwarzadlergasse" versendeten Circulare, treffen auch von den entferntesten Wahlbezirken des Landes die Sendboten der verschiedenen Gemeinden hier ein, um die Deputaten ihres Bezirkes sstr ihre Sache zu gewinnen. Sie feiern ihren Sieg durch Festessen schon im Voraus, da die Führer der Opposition, wie Senngei, Zichh, Tißa rc., welche durch Eintritt in das Coalitionsministerium regierungsfähig wurden, — ihnen, wie sie sich bereits dessen , rühmen, das Versprechen gegeben haben, daß der Schulfond ihrem Verlangen gemäß verwendet werden wird. Gegenüber den lässigen Actionen der Landescanzlei dürfte ihnen diese auch gelingen; diese hüllt sich noch immer in büreaukratisch-vornehme Geheimthuerei, und glaubt mit dem Einreichen des bloß von dem Präsidenten Herrn Martin Schweiger unterschriebenen Memorandums den Landtag bereits für sich gewonnen zu haben. Es wäre der Landescanzlei ein Leichtes gewesen den Petitionen der 300 orthodoxen Gemeinden eine dreifache Anzahl fortschrittlich gesinnter entgegenzufetzen. Nur so hätte das Memorandum den geeigneten Nachdruck erhalten, und würde als Ausdruck des Gesammtwillcns der ungarischen Iudenheit gelten können. *) Es hat demnach allen Anschein, daß nach Wiedereröffnung der Landtagssitzung, deren Zeitpunkt sich jetzt noch gar nicht bestimmen läßt, die Majorität für die Auftheilung des Schulfonds stimmen wird, .’—r der fortschrittlichen Partei wird es unverwehrt bleiben, oder auch allenfalls zur Pflicht gemacht werden, das Seminar ■*) Auch wir haben diese Unterlassung als einen großen Fehler bereits gerügt; aber Lei der Unsicherheit, wann der Reichstag wieder zusammentreten wird, wäre es noch Zeit, diesen Fehler wieder gut zu machen. ' Redaction. zu errichten, während der Antheil der autonom orthodoxen Gemeinden unter Ueberwachung der Regierungsorgrne zu Schulzwecken verwendet werden dürste. Pest, 20. März. (Privatmitth.)?. Während der Ministerkrise ruhete felbsterständlich auch die Angelegenheit des Rabbiner- Seminars. - Jetzt ist nun Herr von Tresort in das neue- Ministerium als Unterrichtsminifter wieder eingetreten, und so können wir hoffen, daß die Sache ihren weiteren Fortgang wieder erhalten wird. Bei der einmaligen Lage der Sache ist Dies naturgemäß, und man darf der Energie der dabei interessirten Iudenheit keine Vorwürfe machen, wenn es freilich-auch vorzuziehen wäre, wenn Institute, welche so sehr das Judenthum selbst betreffen, durch die Thatkraft unserer Glaubensgenossen allein in's Leben gerufen würden, wie Dies in andern Ländern geschehen ist. ' Frankreich. Paris, im-März. Welche Wege man in der jetzigen französischen Nationalversammlung beschreitet, giebt folgender Bericht aus der-Commission, welche das Wahlrecht zu bearbeiten hat; zu erkennen. . Auf die Kunde,- daß der Dreißiger-Ausschuß den Colonien und Algerien das Recht auf eine Vertretung im Abgeordnetenhause entziehen wolle, haben die Abgeordneten von Algerien, die Herren Lucet, Mexis Lambert, Crsmieu'x und Warmer, sowie die Abgeordneten der Colönien ' Schoelcher, Laserve, Desbassayns de Richemont u. A. sich für' die gestrige Sitzung des Ausschusses zum Worte gemeldet. Die-Vertreter der afrikanischen Colonie hatten namentlich das Vorurtheil des Ausschusses gegen die durch ein Decret des Herrn Crämieux mit dem Wahlrecht ausgestatteten algerischen Juden zu bekämpfen.' Ich bin, sagte der alte' Crämieux, selbst Jude. Man sagt, daff die Israeliten von Algerien nicht auf der Höhe der französischen Bildung stehen; auch wir standen nicht auf dieser Höhe und haben uns erst durch die Emancipation zu derselben eniporgeschwungen. Ebenso trat Herr Laserve für die Rechte der S chw ä rzen und Mulatten ein, der Ausschuß selbst gelangte noch zu keinem Beschlüsse; es liegen ihm Anträge vor, wonach-die Vertretung von Algerien und' den Colonien ganz eingestellt (Amendement Tallon) oder aus einige Detegirte für "ihre besonderen Jntereffen beschränkt werden soll (Amendement Delfol). A e ui l l e t o n. Äntriguen vor siebzig Jahren. Erzählt von L. Schr. vn. Wer war dieser Reh Meyer Katzenellenbogey, zn welchem unser Melammed eitte?- . Es war, eineigenMrrflichep Mannein Original-) - wie '~te die Zeit' eshervorbrachte , in welcher sich unsere Erzählung bewegü Mach einem sehr gewöhnlichen Bilde hätte man sagen -können, er' war ein Mann mit einem Janüskopse-', d. h. mit einem Gesichte 'ckorwärM- und einem- '"solchenrückwärts; aber er hatte nur ein Gesicht, das er jedoch-geschickt dahinwandte, wo -es -seiner Eitelkeit/ seinem Hochmuth und seinen sonstigen Zwecken gefiel: Er hatte - tüchtige Kenntnisse,' ohne ein wirklicher Talmudist'

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