Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1874)
- Date
- 1874-03-31
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3226975--32486-3255454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
233 Der Unterricht im Gesang, im Schreiben' und Zeichnen; an.welchen letzteren Gegenständen, auch die Schülerinnen der 1. Abtbeilurig ’ par ticipireN, ist ersterer.in.dem ^bewährten Händen des Herrn Profesiors B. Rothenstein, der letztere in denen des Herrn I. Berger verblieben. Die Organisation deb Schule hat sich unter der sorgfältigen Leitung der Vorsteherin derselben, Frau Paula Frankl, sicher vollzogen, 'ohne in den Gang des Unterrichts störend einzugreifen.; Mit wahrhafter Befriedigung dürfen wir auf die'Entwickelung dieser: Schule' zürücksehen. Im Anfänge nur ein Cursus für die Besucherinnen der Arbeitsschule zu dem Zwecke -gegründet, ihnen die unentbehrlichsten Kenntnisse beizubringen, umfaßt sie heute in wöchentlich 40'Lehrstunden alle Unterrichtsgegenstände der Bürgerschule. Zum zweiten Male in dem kurzen Zeiträume dreier Jahre sehen wir uns genöthigt, die Schüllocalitäten zu vergrößern, um dem gesteigerten Andrange der Schülerinnen zu genügen. Gleiche erfreuliche Resultate haben wir auf allen Gebieten unserer Wirksamkeit zu verzeichnen : Sechszehn Kindergärtnerinnen, deren Ausbildung im letzten Jahre vollendet wurde, sind sämmtlich theils . in Privathäusern, theils in Kindergärten untergebracht und wir erhalten häufige und lobende Berichte über dieselben. Von uns herangebildete Kindergärtnerinnen haben in den Wiener Krippen, die Fröbel'schen Spiele eingeführt und "eine derselben M nach: BöhmeEzur Leitung eines dort neu in's Leben getretenen Mndergartens berufen worden. .. . '' Stets auf neue Erwerbszweige bedacht, bilden wir mehrere unserer Schutzbefohlenen zu Jndustrielehrerinnen heran und wieder sind einige Besucherinnen der Fortbildungsschule, Nach gut abgelegter Aufnahmsprüfung, in die Lehrerinnen - Bildungsanstalt zu St. ‘ Anna übergetreten. •' * Unsere im Vorjahre dort aufgenommenen Schützlinge haben den ersten Jahrgang mit gutem Erfolge bestanden und eine von ihnen hat auch eine Staatssubvention erhalten. ' Sie Alle nehmen noch - an dem Claviercursus Theil, den wir für diejenigen unserer Schülerinnen, welche sich dem Lehrfache widmen, errichtet haben. ^! v; Der Musikunterricht ist den Präparandinnen so unentbehrlich und doch den Mittellosen unter ihnen so unerreichbar, daß wir auch solchen Lehramtscandidatinnen, welche -nicht ans : unserer Schule hervorgegangen sind, nach Maßgabe unserer Mittet' diese Wohlthat angedeihen lasten.' : -m- Hierbei' wurde uns unsere Aufgabe durch das menschenfreundliche Entgegenkommen des Herrn Director. Moritz Plowitz erleichtert, welcher einen zweiten Freiplatz creirte und ein Eoncert verhnstaliete,' .von 'bestens "reichem Erträgnisse wir zwei' Ctaviere anschüffen und. 'so unfern? Schützlingen die Gelegenheit' zur unerläßlichen ÜebüH' bieten' konnten.! 1! Auch haben üür zwei Schülerinnen d^S" Cönservätöriums, welche sich zu Musiktehrerinnen' heranbilden,. Stipendien zuerkannt. ' Wie alljährlich, widmeten sich auch Heuer mehrere Mädchen den Handelsfächern; acht unserer Schutzbefohlenen besuchen gegenwärtig 'die Handelsschule des Franenerwerbevereines und''eine- Buchhalterin, welche erst vor Kurzem ihre'Studieü beendigte/ hat bereits eine lucrative und angemessene Stellung gefunden. Andere suchten wir durch Unterricht in der Telegraphie erwerbsfähig zu machen und'viele dieser Mädchen waren während der- Weltausstellung lohnend beschäftigt. Ueber ihr Ansuchen haben wir auch Eine unter ihnen in'Schnellschrift unterrichten lassen, um ihr so die'Nebenbeschäftigung als Copistin zu ermöglichen. " Häufig tritt an uns die Nochwendigkeit heran, bereits'erwachsene Mädchen für einen Beruf vörzubereiten und nur selten können wir ihnen den Weg vorzeichnen, auf welchen ihre Befähigung sie hinweist; immer handelt' es sich darum, sie so rasch als möglich einem Erwerbe zuznführen. Ein solches Mädchen/ das den' Betuf wie die Eignung zur Lehrerin in sich trug/ das aber gänzlich Mittellos, nicht mehr vier volle Jahre seiner Ausbildung'widmen konnte, haben wir durch Privatunterricht flir bie- Lehramtsprüfung vorbereiten lassen. Sie'hat dieselbe bestens bestanden'und ist nun als Communalschullehrerin von der Großcommune in Wien angestellt. " ' Doch auch in anderer Weife war es uns gegönnt/ für unsere "Schützlinge zu sorgen. : In der Speiseanstalt wurden im abgelaufeuen Jahre 3000 Speisekarten ausgetheilt. Die Mädchen erhielten daselbst eine gesunde und nahrhafte Kost und während der Osterfeiertage waren wir in der angenehmen Lage, einer viel größeren Anzahl von' Schützlingen die Mittagskost verabreichen zu können. ' Wenn wir nun die Erfolge des letzten Vereinsjahres überblicken, haben wir wohl Ursache, mit'ihnen zufrieden zu sein. Die Mitgliederzahl hat sich'gegen das Vorjahr um 39 vermehrt und stellt sich dieselbe jetzt auf 903 Mitglieder; 4 70 Mädchen sind der Wohltbaten des Vereines theilhaft geworden; viele Familien haben wir durch die Erwerbsquellen, die wir ihren Töchtern erschlossen, drückender Noth entrissen, viele Thränen"getrocknet, vielem Elend vorgebeugt. Doch auch oft mußten wir innehalten und uns sagen, daß wir an der Grenze' unseres!Könnens angelangt sind. Immer höhere Anforderungen' treten an uns heran, und das vergangene Jahr hat die Zahl unserer Schützlinge bedeutend vergrößert." Es folgt hierauf im Berichte die Aufforderung zur weitern thatkräftigen Unterstützung, welche sicherlich einen warmen Anklang in allen weiblichen Herzen finden wird. Wir haben diese Auszüge so ausführlich gegeben, um zu zeigen, nach wie vielen Seiten :hie segensreiche Thätigkeit des' -Vereins sich erstreckt, dessen verdiente Vorsteherin gegenwärtig Frau Paula Frankl, die Gattin des bekannten Dichters, ist. Die Einnahmen im Jahre 1873 betrugen 10,058 st., von denen 957 st. in Caffe blieben. Der größte' -Thell der Uksgabiew besteht in ' dem Äufwande für den