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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-31 · Heft 14 (31.3.1874) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 14 (31.3.1874)
Date
1874-03-31
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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231 Jahre 1871 von den Herren Professor Lazarus und Ferdinand Reichenheim gestiftete Zweig-Hülfsverein für jüd. Studirende der Gewerbe-, Bau- und Kunstakademie zählt zur Zeit 32 Mitglieder,- darunter 6 immerwährende; seine Einnahmen bezifferten sich im vorigen Jahre auf 1082 Thäler 11 Sgr. 6 Pf., seine Unterstützungen an 17 Akademiker auf 516 Thlr., und fein Capitalstock ist bereits auf 1926 Thlr. 15 Sgr. 6 Pf. angewachsen. Berlin, 19. März. (Privatm.) Der Vorstand der hiesigen Gemeinde wird rechtzeitig die an die Ministerien gerichtete Denkschrift auch dem Abgeordnetenhause unterbreiten. Die Verpflichtung hierzu liegt ja schon in der Annahme der Zustimmungserklärungen seitens der übrigen preußischen Gemeinden. Beigetreten sind der Petition und Denkschrift des hiesigen Vorstandes 420 Gemeinden, und zwar aus der Provinz Preußen 56, Brandenburg 25, Pommern 21, Schlesien 53, Posen 59, Sachsen 17, Westphalen 52, Rheinprovinz 40, Hannover 61, Hessen 31, Holstein 2 und Hohenzollern 3. Hierunter befinden sich die bedeutendsten Gemeinden, wie Breslau, Brieg, Bromberg, Cassel, Cöln, Coblenz, Emden, Gleiwitz, Glogau, Gumbinnen, Hitdesheim, Königsberg i. Pr., Krotoschin, Lissa, Magdeburg, Rakel, Oppeln. Ostrowo, Posen, Ratibor, Rawitz, Stettin, Wiesbaden. Bekanntlich hat Hannover sammt einigen anderen Gemeinden der gleichnamigen Provinz eine eigene Petition eingesandt, wie auch Trier, und außerdem sind zahlreiche Petitionen, welche nicht von den Gemeinden ausgehen, in dieser Angelegenheit bei den Ministerien eingelaufen. Man sieht also, daß die Bewegung eine allgemeine ist, und daß Sie mit vollem Rechte gesagt: die immense Mehrheit der preußischen Juden wolle die Gemeindeangehörigkeit und. Gemeindeeinheit erhalten. Der hiesige Vorstand hat deshalb vor einigen Tagen an die noch zurückgebliebenen Gemeinden, unter welchen die vielen kleinen wohl gedacht haben, daß es auf ihre Stimme nicht ankomme, eine nochmalige Aufforderung ergehen lassen, und steht zu erwarten, daß sie derselben Folge leisten. Man muß dem Berliner Vorstande für diese seine Bemühungen aufrichtigen Dank wissen: Demungeachtet hätten wir, einige Aufmerksamkeit mehr von feiner Seite gewünscht; denn man konnte hier am ehesten erfahren, daß die Petitionscommission des Abgeordnetenhauses auf Grund einiger bei. ihm eingelaufenen Petitionen der Gegner sich wieder mit unserer Angelegenheit zu befassen haben werde, und hätte, ehe die Commission zum Beschluß, die frühere Resolution zu wiederholen, gekommen wäre, die Denkschrift mit den Unterschriften aller ihr beigetretenen Gemeinden ein gereicht werden sollen. Dann wäre die Situation correcter gewesen.;; , : Bonn, 22. März. (Privatmitth.) - Wir erhalten soeben die „Kreuzzeitung" vom 19. März, welche unter dem „Titel „Jüdische Zustände" eine lange Polemik gegen uns enthält. Wir nehmen dieselbe durchaus nicht so ernsthaft, wie sie sich stellt. Dazu ist sie allzu oberflächlich. Jndeß haben wir dych einige Bemerkungen dazu zu machen,und diese sollen in der nächsten Nummer dieser Zeitung folgen. Oels, 18. März. (Privatmitth.) Herrn Rabbiner Dr. Cohn, über dessen Eintritt in die städtische Schuldeputation diese Zeitung vor einigen Monaten berichtet hat, ist am 15. d. M., auf sein im Februar erneutes Gesuch, ein Rescript des König!. Provinzialschulcollegiums zu Breslau zugegangen, -worin genehmigt wird, daß er am Gymnasium bei Feststellunguder Censuren für die von ihm irr der Religion unterrichteten jüdischen Schüler herangezogen werde. In gedachtem Rescripte der Königlichen Schulbehörde wird ausdrücklich bemerkt, daß das. Urtheil des!)r. Cohn über Fleiß, Fortschritte und - Führung der betreffenden Schüler in deren Censuren ausgenommen, und daß diese an letzter Stelle von ihm mit der Bezeichnung als „jüdischer Religionslehrer" mit unterschrieben werden. Bromberg, 17. März. (Privatm.) Der hiesige Magistrat hat zur Vertretung der Stadt im Herrenhause den Banquier Stadtrath Dagobert Friedländer, einen Israeliten, gewählt und der Regierung präsentirt. Es ist nicht zu: bezweifeln, daß diese die Wahl desselben zum Mitglieds des: Herrenhauses bestätigen werde, und ist dann Herr. Friedländer der zweite Israelit, der in das preußische : Herrenhaus eintritt. . Der erste war Baron von Rothschild aus Frankfurt am Main. Breslau, 16. März. Von Angehörigen mehrerer Schüber der S e x t a ■- des, hiesigen Magdalenen-Gymnasiums wird der „Schles. Pr." Folgendes mitgetheilt: Der Ordinarius Reich e l t forderte am 11. e. seine Sextaner: mos. Religion auf, in ihr Diarium/zur Mittheilung an die Eltern, wie folgt, niederzuschreiben: „Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen: Unser Herr Ordinarius hat uns eingeladen, , in Zukunft a m christl. Reli.gio nsunterricht th.eilzunehmen, nicht um uns zu Christen zu machen, sondern in unserem eigenen Interesse. Unsere ganze Cultur und Bildung, sowie die Entwickelung unseres Volksthums, und- Staatswesens, haben das .Christenthum zur Grundlage,-und ohne Kenntniß des. Christenthums ist ein Berständniß des Mittelalters, der Reformation, der Neuzeit, der. politischen Kämpfe der- Gegenwart geradezu undenkbar. -— Auch, den bedeutendsten schriftstellerischen Leistungen steht. Jeder, der das Christenthum nicht ■ kennt, urtheilslos gegenüber: also z. B. der christen-seindlichen Geschichte des - Judenthums, .von Grätz - und der neuesten Schrift von David Friedrich Strauß. Wer. allerdings darauf verzichtet, derartige Werkemit. eigenem Urtheile zu lesen, -kann auch die Kenntniß des Christenthums entbehren.". Nachdem das Dictat des Religionslehrers Reichelt in die Oeffentlichkeit gelangt war, hat der Director des Magdalenen- Gymnasiums vr. Heine in der „Br..Ztg."^folgende.Erklär u n g veröffentlich: „Ueber die Wortewelche Herr Reichelt den Sextanern des Magdalenäums mosaischer Confession — beiläufig ohne mein Wissen — dictirt hat, theile.ich. Folgendes zur Aufklärung mit, Zu allen Zeiten und auch jetzt nehmen -viele jüd,-

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