Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-31 · Heft 14 (31.3.1874) · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 14 (31.3.1874)
Date
1874-03-31
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3226960-3226975--32480-3255448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WMMWW 221 Vom Rhein,e,, 25. Mär z, E Materialismus und'' ÄttlWeit.". -!. Keinen Einwand: gegen ihre Lehre Pflegen die Vercheidiger? 'des Materialismus mit größerer Entrüstung zurückznweisen, als! den) dast. dieselbe geeignet sei, die Sittlichkeit, besondersin.- ihrenhöheren-. und feineren Beziehungen, zu untergraben. -Und doch! scheint, » xiww betrachtet, dieser Vorwurf völlig gerechtfertigt zu! sein. Eine Doctrin, welche nur das Vorhandensein des Grob-! sinnlichen , des Körperlichen zugiebt, -muß ja. als den einzig, verständigen Trieb den nach materiellem. Wohlbefinden bezeich-? nen, jedesideale. Streben aber, jeden idealen. Gesichtspunkt als? eine reine Chimäre betrachten. Nun wendet man zwar gewöhyüch ein, das Wohl des Einzelnen beruhe so sehr auf dem: Wohle der Allgemeinheit, daß aus dem bloßen materiellen Selbst-, erhaltungstriebe heraus ein jeder. für das Wohl feiner unmittel-i baren und weitern Umgebung, der ganzen Menschheit sorgen, müsse.. Indeß es: ist leicht ersichtlich, wie schwach diese Entgegnung ist. Sobald das Wohl des Einzelnen in Conflict kommt, mit dem der Allgemeinheit oder irgend eines Andern) .muß der! konsequente Materialist), der ja irgend eiügeistiges Band, irgend? eine eingeborene Verpflichtung nicht kennt-, ohne Zögern seinen? eigenen, wenn auch unrechtmäßigen, Nutzen vorziehen. Ein Ge-? wiffen, jairgend. eine Verantwortlichkeit für seine Handlungen, besitzt der Mensch nicht, der. das willenlose Werkzeug blinder! Naturkräfte ist; so wird man nur aus materieller Furcht-zu vev-j meiden haben, mit den Strafgesetzen in-Conflict zu gerathen. Glücklicherweise, giebt-es viele Männer von naturalistischer Ueberzeugung, welche trotzdem durch Anlage; Erziehung und Umgebung,, sowie durch, das gesellschaftliche Ehrgefühl überhaupt veranlaßt. sind:, auf sittlichem Gebiete ihren? Anschauungen-untreu! zu werden.. Aber solche Persönlichkeiten von. geistig- oder social! Hervorragender Stellung; vermögen nichts - für die -UngefährlichkeiH des Materialismus zu beweisen. Wie: der Naturforscher seine: Gesetze nicht aus. vereinzelten Exemplaren und Erscheinungen abzuleiteni vermag,.- sondern aus -großen Mengen derselben das Uebereinstimmende oder das-durchschnittliche. Verhalten, constatiren muß, so läßt, sich die wühve: Wirkung menschheitlicher Richtungen nur aus, einer Betrachtung . ihres,! Einfluffes:- auf ausgedehnte Kreise,^ auf -die- -Menge ihrer Anhängererkennen: - Mit anderen .Morten,- wir> - werden hier aus den geschichllichen Weg verwiesen. ai-nh] Drei-ZeitaKerhat, es geMen)-in welchem die materialistische -Anschauungzu .ausgedehnter Herrschaft!?gelangtist: die letzten! leidem Jahrhunderte des- Heidenthumes,.- das: achtzehnte. Jahrhundert,, zumah in .Frankreich; und Italien, undunsere Gegend- Mart.;.; Untersuchen wir in Kurzemwelche-,Wirkungen derMaterialismus auf die sittlichen Zustände dieser Zeiten geübt hat. Gdräde, wie jetzt)wav/.es in-der^eit ddr^ römischen Kaiser Abli'^ die Religion nur noch als' "eine EinriDung"zü.Wr;MW/ die hervorgegangen sei aus ganz gemeiner Furcht und höchstens gut, den rohen undungebildeten Pöbel und besonders'" auch die Weiber! im Allgemeinen, diescharfem, logischem. Denken-nicht zugänglichseien,- im. Zaume zu Hallen. Für den Gebildeten aber war die Religion meist ein Gegenstand der Gleichgültigkeit,' ja der Verachtung, die sich sogar bei einzelnen Schriftstellern -und deren! Anhang bis zum bittersten-Haffe steigerte. -Damals - wie .jetzt gab es-Männer — wir erinnern an Lucrez — welche im Glauben die . Ursache: der meisten und schrecklichsten Uebel zu finden meinten..! Andere Schriftsteller — wie Lucian — griffen die Religion mit den. scharfen Waffen geistreichen und cynischen Spottes an. Natürlich stand diesem Unglauben eine ebenso übertriebene -Orthodoxie/! -mit kindischer- Wündersucht gepart gegenüber. Und wenn auch die große Masse des Vol kesder . letzlern .angehörte, - sowar -die Mehrzahl der -Gebildeten - dem -völligen Unglauben und dem zugleich theoretischen-und praktischem Systeme desselben, dem Epikuräismus; verfallen. Plutarch stellt dem Aberglauben als nicht minder -gefährliches Uebel.den Unglauben gegenüber- -Apulegus beschwert sich-über den - letztern als dem Gegensatz gesunder Philosophie. Und wie? auf den Friedhöfen! unserer freien Gemeinden vie Inschrift -über dem Eingänge-die HoffMng auf die Unsterblichkeit abschneidet,-'soweihten die damaligen, Römer- und Griechen ihr Grab, „demewigen Schlafe" - oder „der sichern- Ruhe." . Ein--fahrender?- Sänger setzte sich, die Grab-- schrist: „Nach Verhöhnung! des!Wahues? liege ich hiev -in -unerwecklichem Schlafe." Andere-prahlen, -sie seien nichts mehr, als.,-morsche. Knochen, und Asche" u.:ft w. Und:-daran!-knüpfte .sich'die praktische. Schlußfolgerung, die oft wiederholt, ward: „Ich war) nichtsich bin nichts:) - - -Und Du, per Du; lebst,: ißtrink, liebe und dann komm ." Gerade - unter denHalbgebildeten war .— wie in der heutigen Zeit - --diese Ansicht:sehm verbreitet.: / Der -Atheismus war entschieden fashionable zur. Zeit-,der:Cäsaren.: ( Nun. wie Unzählige führten praktisch) aus, was: der Epikuräismus undwas jene Grabschriftem. ihnen verkündeten! - Wie unmöglich? zeigte es sich,, daß.-die-ungeheure--Mehrzahl--,der: Materialisten . sich, von der Bethätigung ihrer Ansichten'-fernhcvlte!! -Da: war. jede - Begeisterung, jede Erhebung,", jeve! Hingabe an eine große Idee! aus , denverödeten! Gem-üihern.-gefchwunvem! .'-Weg mit Vaterlandsliebe, mit.: Liebe-? zwischen: Eltern:.und --Kindern, zwischen Gatte und Gattin, weg.-mit ernster Gedankenarbeit,-Mit Rechtlichkeit:und-Tugend! Nichts: galt/Ms der: Genuß;,.Reich- Hümer -und! durch sie: die, sinnlichen Freuden .zm^erw-erbem .zu essen, zu trinken- und zu lieben, Wat das alleinige: Ziel, :dem -man Alles -opferte. Kraß standen Armuth)und)Reichthum, gegenftiber; nur- 2?0M, begüterteFamilien,zählte--man in Rom. -Jene, -die Mme«nr voL).MtÄn^Neides gegen -die--Reichenum'"deren ..GunstuM': doch'' buhlten/; non,- deren Tisch sie?'als nichtsnutzige )Pärastter die.,. Brosamen,nfuchttzn,.-. deren Schätze:Wodurch -die .schreckliche-Pest)- des. Sykophautenthums, der verleumderischem gerichtlichen -Angeberei,- zuerlangen sich bestrebten. - Vom deroäAiken

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.