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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-24 · Heft 13 (24.3.1874) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 13 (24.3.1874)
Date
1874-03-24
Page
Seite 213 (sequence 7)
Language
German
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213 charakterisirt durch eine Anekvote, welche.Maria Perez.dieser Tage gesprächsweise und ohne die Absicht, der Anstalt zu schaden, erzählte; Sie hatte in Reuendettelsau eines Tages die Befürchtung geäußert, ihre Mutter könnte dorthin kommen, um ihr wegen ihres Uebertritts Vorwürfe zu machen. Die Antwort, die; sie. erhielt/ war ungefähr folgende: Da brauchst Du Dich nicht zu fürchten. Wenn sie kommt, wird sie.auch bekehrt, denn voN 'Neuendettelsau geht Niemand weg, ohne get au ft zu werden. — Wir glauben der Zustimmung aller Billigdenkenden sicher zu sein, wenn wir dabei bleiben, daß hier eklatanter Fall der tadelnswerthesten Proselytenmacherei u. Seelenfängerei vorliegt, der den Menschenfreund um so mehr anwidert, als hier Kinder ihrer Mutter entfremdet worden sind. Und das ist geschehen, Herr Pfarrer W. mag da sagen, was er will; Niemand wird behaupten wollen, daß die Kindesliebe und der Respect vor der jüd. Mutter erhöht wird, indem man den Kindern sagt — es ist Dies eine von beiden Schwestern bestätigte Thatsache — sie sollen nicht zu den Juden zurückkehren, sonst würden sie von denselben erwürgt oder vergiftet. ,— Es wäre doch gewiß innerhalb der Christenheit selbst dem Bekehrungseifer dieser; Herren ein weiter Spielraum geboten; da giebt es Unglückliche der Verzweiflung zu entreißen, Verlorene zu retten, Verwahrloste zu ordentlichen Menschen herauzuziehen, Unwissende zu unterrichten, u. s. w. Aber das genügt ihnen nicht; eine Judenseele ist ihnen wie einem Gourmand ein Haut Gout Wildpret; ihr zu-lieb lassen sie alles im Stich, riskiren sie alles, werfen Geld zum Fester hinaus, und ein bekehrter, schmutziger, polnischer Jude mit struppigem Bart und den unappetitlichsten Gewohnheiten, der seinen eigenen früheren Glaubensgenossen ein Pfahl im Fleische war, dünkt ihnen lieblicher, als ein ganzes Dutzend reingewaschener und vor der Verwahrlosung geretteter; Christenkinder. Man hat berechnet, daß den englischen Gesellschaften für Judenbekehrung, eins ins andere gerechnet, jede „gerettete" Judenseele auf 7000 Pfd. St. --- 84,000 fl. zu stehenkommt. Die Deutschen , werden es auch nicht billiger thun können; bei uns ist aber das noch schlimmer, daß das Geld nicht aus den Caffen einer reichen Aristokratie fließt, sondern daß es Missionskreuzer sind, an denen der Schweiß armer Leute klebt,; mit welchem die Juden „bekehrt" werden. . Und was haben diese Bekehrungen gewöhnlich für einen Erfolg? Von 10 Proselyten bleibt - kaum einer Christ;; die meisten satteln wieder uni, umsich vielleicht noch ein- oder das andere Mal „bekehren" zu lasten. Was hatte speciell die Bekehrung in dem vorliegenden Falle für einen Erfolg? Der Bruder Perez, dem Herr Pfarrer Weeber das' höchste Lob ertheilt und der sich sogar der Theologie widmen wollte, hat nach der Angabe seiner älteren Schwester ein orthodoxe Jüdin geheiräthet, muß also, da es in Rußland keine Civilehe giebt,. zum ^Judeuthume zurückgetreten sein:- Dutha Perez, die Jüngereist., munter wie ein Fischlein; im Wasser und will! Alles,nur nicht, nach Neuendettelsau zurück, und was Mariä! Perez, die Getaufte, anbelangt, so können wir dem Hrn. Pfarrer Weeber zur Beruhigung mittheilen, daß das Stadium des Bibellesens und des Seufzens nach dem Seelenbräutigam bei ihr bereits vorüber ist, und daß, ohne jede menschliche Einwirkung—- wer Herrn L)r. Lewin kennt, wird uns das glauben — Dank ver frischen, entnüchternden Nürnberger Luft, ihre Heilung von der Neuendettelsauer Krankheit, sehr große Fortschritte macht. Es freut uns das herzlich, nicht als ob uns die Religion des Mädchens nicht vollkommen gleichgiltig wäre, sondern weil in dieser Zeit des Fastens und der Kasteiung nichts so erheiternd auf uns einwirkt, als der Anblick betrogener Be-^ikehrer." Soweit der „Fränkische Courier." Hierzu kam nun noch eine Erklärung des Königt. Bezirksamtes von Heilsbronn, die folgendermaßen lautet: „In der Zuschrift des Herrn Pfarrers Weeber von Neuendettelsau de dato 27. Febr. 1874 — Nr. 108 Ihres Blattes — ist bezüglich des Mortarafalles bemerkt: „Am 26. Dec. 1873 wurde die ältere der Schwestern getauft, sofort ersuchte man das kgl. Bezirksamt Heilsbronn um einen Paß für die Kinder — erhielt aber keinen." — Zur Aufklärung über diese Weigerung diene folgende Mittheilung: Einige Tage nach den Weihnachtsfeiertagen kamen in; mein Amtszimmer zwei Diakonissinnen von Neuendettelsau mit zwei Mädchen, die ich zuvor nie gesehen, mit . dem Ansuchen, ihnen Pässe .nach; Odessa auszufertigen. Die eine wurde als Dutha Seldin, die -andere als Zierle Seldin aus Odessa vorgestellt, mnd bei Letzterer bemerkt, daß sie vor wenigen Tagen zur protestantischen Kirche übergetreten, und in Neuendettelsau getauft worden sei. Ich stellte vorerst die Frage, unter welcher Aufsicht und unter welchem Schutz beide Kinder die ebensoweite als beschwerliche Reise, namentlich in jetziger Winterszeit unternehmen würden, worauf mir entgegnet wurde, daß diese beiden Kinder mit. einer Legitimation, die ich nur ausfertigen möchte, die Reise für sich unternehmen wollten. Ich stellte beiden Diaconissinnen vor, wie gewagt ein solches Unternehmen für diese Mädchen sei, und bemerkte zugleich, daß ich es vor m e i n e m Gewissen n i ch t verantworten könne, solche unerfahrene junge Mädchen ohne allen Schutz, lediglich mit einer Reiselegitimatiou in die weite Welt.zu schicken, und daß, so lange dieser Punkt nicht bereinigt sein würde, dem gestellten Gesuche nicht entsprochen, werden könnte. "■ Heilsbronn, 2. März 1874. _ Man sieht, die Dettelsauer hatten Angst bekommen, und vor dieser Angst lag ihnen die Fürsorge für die -beiden Kinder wenig am Herzen. . Trier, 10. März. (Privatmitth.) Zur Warnung den israelitischen Gemeinden, vor Betrügern, auch wenn solche von hochgestellten Beamten; empfohlen sind, theile ich; Folgendes zur gefälligen Aufnahme in die.Allgemeine Zeitung des Judenthums

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