Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1874)
- Date
- 1874-03-24
- Page
- Seite 212 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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212 werde. Handelt es sich 'doch hier, das lauterste;untf edelste Streben nach wissenschaftlicher Ausbildung zu fördern und dabei' die bittere Noch jugendlicher Herzen zu lindern! - Die Rechnungsablage wird jährlich in den verbreiteter« jüdischen Organen geschehen. /• :■< Berlin, 13. März. Hiesige Blätter schreiben?' In der Repräsentantenversammlung der j ü d. G e m e i n d e hat am vorigen Sonntag Herr.B. Fri ed he i m folgenden Antrag gestellt: „Den Gemeindevorstand aufzufordern, auf dem alten oder neuen Begräbnißplatz, je nachdem die Oertlichkeit. zur -praktischen Benutzung am geeignetsten befunden wird, eine. Einrichtung zur Leichenverbrennung herzustellen und' der Repräsentantenversammlung über die Angelegenheit baldigst eine Vorladung zu machen." (Allerdings ist ein Antrag noch lange kein Beschluß und wir glauben nicht, daß die Repräsentanten der Berliner Gemeinde einen solchen Beschluß fassen werden. Aber man sieht doch schon hieraus, was man in unserer Zeit-so oft erfährt, daß nichts Neues auf die Tagesordnung sich drängt, ohne daß, was es auch sei, sich'Juden finden, die sich zu Champions desselben aufwerfen.! Eigenthümlich ist es, daß mit der obigen Mittheilung zugleich eine Aufforderung aus Fürth an uns gelangte, uns über das Verbrennen der Leichen vom jüd. Standpunkte aus zu äußerm Es ist Dies durchaus keine schwere Aufgabe und wir werden es in der nächsten Nummer thun. Redaction.) Nürnberg, im März. lPrivatm.) Än Bezug des auch in Ihrem Blatte erwähnten Mortarafalles von Dettelsau findet in der Bayerischen Presse noch ein Nachspiel statt. Der Pfarrer Dr. Weeber verbreitete in verschiedenen Blättern eine Entgegnung gegen den Artikel des „Fränkischen Couriers", in welcher er den hiesigen Rabbiner Dr. Lewin als Verfasser oder Urheber jenes Artikels heftig angriff, obschon er v«l der Redaction dieses Blattes auf's bestimmteste erfahren hatte, daß Di-. Lewin jenen Artikel weder verfaßt noch veranlaßt hatte. Thatsächlich stellt sich nur Folgendes heraus, was wir mit den Worten ches „Fränkischen Couriers" wiedergeben. „Wir stehen nicht an, anzuerkennen, daß wir uns. in einem Punkte geirrt haben. Die Kinder sind der Mutter nicht im eigentlichen Sinne des Wortes gestohlen worden, sie sind mit Einwilligung der Mutter nach Deutschland gebracht worden und die Mutter hat auch gewußt, daß sie in Neuendettelsau sind. Unbekannt war es der Frau im fernen Osten aber, was Neüendettelau eigentlich ist; sie wußte nicht, daß ihre Kinder in eine christliche , in eine Pietistenanstalt gebracht wurden, in welcher und von welcher aus die Proselytenmacherei handwerksmäßig be-! trieben wird. „Um etwas zu lernen" hatte sie die Kinder nach Deutschland ziehen lassen und nicht, damit, sie getauft würden. Das behaupten die beiden Schwestern und das geht auch evident aus den Erklärungen , des Herrn Pfarrer Weeber — es liegen uns deren dreie vor — hervor; es hatten weder die Mutter noch die Schwestern Kenntniß davon, daß der Bruder. Christ geworden stk?' Als die Geschwister nach Berlin kamen, führte sie 'der Bruder in eine Kirche^ und -als chie Kinder ihn fragten, warum er das thue, antwortete er, m-n müsie darnach trachten, Alles zu sehen und kennen zu lernen. Wir bekennen also unfern Jrrthum: die Kinder sind nicht gestohlen worden; wohl aber ist die Mutter getäuscht, sie ist um ihre Kinder^betrogen worden. Alles Uebrige wird durch die Erklärungen des Herrn Pfarrer Weeber nicht besser, sondern schlimmer, indem aus denselben deutlich hervorgehl, daß diese frommen Herren in Neuendettelsau so verblendet und von ihrem Unfehlbarkeitsdünkel so durchdrungen sind, daß sie es nicht einmal'fühlen, der öffentlichen Moral in's Gesicht geschlagen zu haben. Man lese nur folgenden kostbaren Passus der an uns gerichteten Zuschrift des Herrn Pf. W.: „Ich habe es für Pflicht erachtet, die Mutter mehrere Wochen vor der Taufe von dem Vorhaben der Tochter in Kenntniß zu setzen. Darauf hin kamen-ungestüme Forderungen, die Kinder zurückzuschicken. Am 26. December 1 87 3 wurde die,ältere der Schwestern getauft, sofort ersuchte man das k. Bekirksamt Heilsbronn um einen Paß für die Kinder, erhielt aber keinen." Also Herr Pf.^ W. gesteht offen zu, daß man das weite Gewissen besaß, die „ungestümen Forderungen" der Mutter, die wiederum beweisen, daß ^dieselbe vorher' doch keine Ahnung davon hatte, wo eigentlich , die Kinder sich befanden, damit beantwortete, daß man dasjenige der beiden Mädchen, das man taufen konnte, ohne mit den Strafgesetzenin Collision zu gerathen, schleunigst taufte, und nachher allerdings „sofort^, es ist köstlich, dieses „sofort", — sich um Pässe für die Kinder umsah. Das ist eine feststehende Thatfache von nieder-, schmetternder Bedeutung. Wäre das Taufvorhaben der Maria Perez wirklich reiflicher Ueberlegung und inniger Ueberzeugung entsprungen, so wäre auch nicht zu fürchten gewesen, daß sie sich von der Mutter hätte abhallen laffen; die Herren wußten aber ganz gut, wie es mit dieser Ueberzeugung stand und daß Maria Perez, Dank dem auf sie angewandten Verfahren, blos in einer Art Betäubung handelte, aus! der sie erwachen mußte, sobald sie einmal Neuendettelau hinter sich haben würde. Danach, ist auch zu bemessen, was es mit dem „Verlangen" der Mariä Perez nach der Taufe, das sie an den Herrn Pf. W. in einer diesen selbst „überraschender Weise" gestellt haben soll, für eine Be-, wandlniß hat. Wir glauben gerne , daß Maria Perez weder mit Pistolen noch anderen Mordwaffen bedroht und zur Taufe gezwungen worden ist; wir fragen aber, ob bei einem 17jähr. Mädchen noch von freiem Willen die Rede sein kann, wenn .es Monatelang sich unter den ausgesprochensten Pietisten bewegt,, keinen , anderen Menschen zu Gesicht bekömmt, wenn es jeden. Tag hören muß, wie für die Bekehrung deransonsten dem Höllenpfuhl verfallenen Juden gebetet wird, wenn man .ihm verbietet, den Sabbath auch nur durch das Anziehen seiner bessern Kleider zu feiern, u. s. w. Diese Willensfreiheit wird am besten'