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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-24 · Heft 13 (24.3.1874) · p. Seite 211

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 13 (24.3.1874)
Date
1874-03-24
Page
Seite 211 (sequence 5)
Language
German
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211 ^eUaita6i^a^ßtxc&beit. Deutschland. Bonn, 9. März. (Privatmitth.) Wir bemerken, daß auch wir eine Petition an das Abgeordnetenhaus in der Angelegenheit der jüd. Gemeindeverfassung in der zur Bertheilung an alle Abgeordneten genügenden Zahl von Exemplaren zum 13. April e. absenden werden. Dieselbe befindet sich bereits unter der.Prefie. Wir brauchen aber wohl kaum hinzuzufügen, daß hierdurch wie durch die Bemühungen Anderer, Niemand von der Pflicht sich befreit glauben darf, auch seinerseits an das Abgeordnetenhaus zu gehen. Denn es gilt die Mitglieder desselben zu überzeugen, daß es nur eine verschwindend, kleine Zahl deutscher Juden ist, welche, freilich mit vielem Getöse, die Vernichtung der Gemeindeverfassung verlangen und daß ein Gesetz nach dem Herzen dieser Leute von zerstörender Wirksamkeit sein würde. Die Redaction. Leipzig, 10. März. (Privatmitth.) Es scheint uns hohe Zeit, daß auf irgend eine Weise in der Öffentlichkeit die Erklärung abgegeben und genügend verbreitet werde, wie die Juden in Preußen den Abgeordneten Herrn Di-. Laster durchaus nicht als ihren Vertreter ansehen, und es überhaupt gar nicht erfindlich ist, wie derselbe sich als solcher zu geriren und in deren Namen Erklärungen abzugeben habe. Wenn er in der Sitzung vom 5. Februar Namens der Juden darauf verzichtete, daß eine Staatsleistung für die Rabbiner, Lehrer u. s. w. geschehe, so ist es kaum zu begreifen, wie er sich hierzu berechtigt-glaubte. Er kann mit allem Nachdruck seines Talentes Dies als seine Meinung ausgeben, wie es in und außer dem Abgeordnetenhause viele Persönlichkeiten giebt, die derselben Meinung sein werden — aber im Namen der Juden selbst eine solche Verzichtleistung auszusprechen, dazu fehlt ihm jeder Rechtstitel, denn er kann nicht einmal behaupten, daß eine solche Forderung noch niemals von Seiten der Juden öffentlich ausgesprochen worden sei. Aber ganz abgesehen von diesem einzelnen Gegenstände, so ist wohl Herr lw. Laster ein verdienstvoller Volksvertreter, aber von den Juden selbst hat er kein Mandat erhalten, und somit vertritt er in jüdischen Angelegenheiten nur seine eigene Meinung; und da diese oft von den Ansichten der Mehrzahl der preußischen Juden abweicht, hätte er die Verpflichtung Dies offen und ehrlich bei seinen Auslassungen über derartige Gegenstände bemerklich zu machen! — sonst muß er bei nächster Gelegenheit öffentlicher Dementis gewärtig sein. — Gestatten Sie mir noch zu bemerk», daß das Vertrauen der Juden auf Herrn Dr. Laster durch die Antwort, die er auf Ihr wohlmotivirtes Sendschreiben erlassen hatnicht gestärkt worden, da er mit keinem einzigen Worte versucht anzugeben, warum sich seine Ansicht nicht geändert habe. Es ist Dies kein Beweis für die Klarheit und Bestimmtheit der Gegengründe. — DaS preußische Abgeordnetenhaus Hai außer Herrn vr. Laster noch ein jüdisches Mitglied, den Rechtsanwalt Herrn Dr. Marburg aus Altona — werden wir von diesem kräftiger unterstützt werden? Hoffen wir es! Leipzig; 11. März. (Privatm.) In Ihrem Blatte ist ganz besonders die Unterstützung armer Studirender unserer Religion stets nachdrücklich befürwortet worden, und so wird es auch Sie erfreuen, daß zu diesem Zwecke sich unter den! israelitischen Studirenden ein Verein unter dem Namen „Akademisch-israelitischer Unterstützungsverein Humanitas" gebildet hat. Die Universität Leipzig ist jetzt bekanntlich die besuchteste in Deutschland, und es befinden sich unter ihren Commilitonen sehr viele Glaubensgenossen aus allen deutschen Staaten und selbst aus vielen fremden Ländern. Nicht wenige unter diesen leiden bitteren Mangel und sehen sich in ihrem Streben durch finanzielle Schwierigkeiten behindert. Die Universität Leipzig ist mit Wielen Beneficien und Stipendien ausgestatet; aber diese rühren fast sämmllich aus den Zeiten her, wo die Intoleranz und Confessionalität auch die wohlthätigsten Handlungen beherrschten. Die jüd. Studirenden sind daher von allen diesen Wohlthaten ausgeschlossen und werden es auch in Zukunft bleiben, weil die Stiftungen ausdrücklich für Christen bestimmt sind und diese Bedingung nicht verändert werden darf. Die hiesige jüdische Gemeinde zeichnet sich durch ihren Wohlthätigkeitssinn aus; aber schon in vielen anderen Beziehungen überaus in Anspruch genommen und dabei nicht zu den größeren Gemeinden gehörend , kann sie unmöglich für die armen Studirenden genügende Leistungen aufbrigen. Es ist daher gewiß löblich, daß die Studirenden jüd. Religion selbst zusammengetrelen fiub und einen Verein gebildet haben, der für gesellige Zwecke, Borträge u. dergl., aber besonders für Unterstützung ihrer ärmeren Commilitonen bestimmt ist. Zu diesem Zwecke hat jedes Mitglied einen monatlichen Beitrag von 7 Vs Groschen in die Unterstützungscasse zu zahlen. Aus derselben werden an bedürftige israel. Studenten, ohne Unterschied der Laudesangehörigkeit, theils einmalig im Semester, theils fortlaufend monatlich, Unterstützungen gewährt. Die Verwaltung der Kasse hat der Vorstand der Leipziger Gemeinde übernommen. Es ist einsichtlich, daß bei dem besten Willen diese Kräfte der Studirenden selbst bei weitem nicht ausreichen werden, um die Wirksamkeit des Vereines den Bedürfnissen nur annähernd entsprechen zu lassen. In einem warm geschriebenen Aufrufe, erbittet deshalb der Vorstand des Vereines Unterstützungen von Wohlthätern und besonders von jüd. Gemeinden aller Länder, da ja aus solchen unbemittelte Studirende nach Leipzig kommen. Diese Unterstützungen können einmalige zum Fond, oder, was noch wünschenswerther ist; sich regelmäßig wiederholende sein. Die Zusendung der Gelder geschieht an Herrn Stadlrath Moritz Kohner, den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes. Hoffen wir, daß dieser Aufruf zu dem gedachten edlen Zwecke recht vielen Anklang finden^

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