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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-17 · Heft 12 (17.3.1874) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 12 (17.3.1874)
Date
1874-03-17
Page
Seite 198 (sequence 12)
Language
German
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lassungen dieser Herren erhoben haben. Noch viel'weniger hat sich einer der genannten Herren bewogen gefühlt, sein Mandat niederzulegen, denn nichts hat dazu Veranlassung gegeben: Zwar hat unlängst ein Mitglied, Namens Hofmann (Protestant) sein Mandat niedergelegt, doch nur weil er altersschwach und krank war. Dieser Herr ist auch kurz darauf gestorben und gehörte er auch keineswegs zu den vier oben erwähnten. (Der Gegenstand wird auch in einer von Herrn S. de Pinto verfaßten Broschüre besprochen, welche, wie uns aus Amsterdam geschrieben wird,Zeinen sehr günstigen Eindruck gemacht hat. Rebaction.) Rumänien. Bukarest, 2. Mär;. (Privatm.) Es ist offenbar, daß der gehässige Geist gegen die Juden sich abgemildert hat und in seinem Furor nur noch in der Minorität der Abgeordneten besteht. Man hat sich überzeugt, daß die Bedrückungen und Hetzen die Juden weder zu vernichten noch auszutreiben vermögen, dagegen dem neuen Staate in der ganzen civilisirten Welt eine schließlich doch gefährliche Abneigung und Verachtung bereiten. Verhält sich daher schon aus Mangel an.Aufhetzern das Volk ruhig gegen sie, so muß auch die Regierung daran denken, die Verhältnisse allmälig zu yrduen und in das Geleis des Fortschritts zu bringen. Thöricht wäre es nun zu glauben, daß dies in rascher Weise geschehen werde. Aber es ist schon-genug, daß dieser Weg überhaupt beschritten wird und die Mehrheit des Abgeordnetenhauses nicht abgeneigt ist, der Negierung darin zu folgen. Die Geschichte lehrt, daß der Anfang auf diesem Gebiete die Hauptsache ist, weil die Consequenz dann schon weiter führt. Aus diesem Gesichtspunkte ist das beschränkte Recht, welches den Juden in dem neuen Gemeindegesetze eingeräumt wird, zu acceptiren, wenn es auch der heutigen Anschauung in der civilisirten Welt noch wenig entspricht. Aber wir stehen eben auch erst am Saume der letzteren. Gewiß, unsere Lage hat sich bedeutend gebessert und wir sehen mit etwas mehr Vertrauen in die Zukunft. Amerika. Chicago, im Januar. Am 25. d. wird allhier die Versammlung der constitutionelleu „Groß-Loge" abgehalten werden. Was man bei den Nordamerikanischen Israeliten darunter versteht, ist bekannt. Es sind keine Freimaurerlogen. Es sind eigentlich nur jüdische Wohlthätigkeitsvereine, die unter den Namen Logen im ganzen Lande bestehen und unter dem Gesammtnamen Keno-fiariill eine Art Verbindung unter sich haben. In dieser Versammlung sollen nun allgemein gültige Bestimmungen berathen und beschlossen werden. Pie Anzahl der Glieder beläuft sich ungefähr auf 25,000 Männer und das Capital der sämmtlichen Vereine ans mehr als 1 Million Dollars. .Sie haben Waisenanstalten, Hospitäler und A hle. Das Waisenhaus zu Cleveland hat 200 Zöglinge. Wenn ein „Bruder" im Bezirke stirbt, zahlt jedes Vereinsmitglied 2 Dollar und die Wittwe erhält so 2280 Dollars. Wie viel Gutes diese Vereine üben, kann man hieraus ermessen. . Je n i f Saron Mayer von Rothschild. Ueber den vor Kurzem zu London verstorbenen Baron Mäher von Rothschild enthalten die Arch. isr. einen Nekrolog, aus welchem wir die folgenden Notizen entlehnen. Mayer Anselm von Rothschildwar der Enkel dessen, der das Haus Rothschild gegründet, und der vierte Sohn des Nathan Mayer von Rothschild, der das Londoner Hans „N. M. Rothschild und Sohn" gegründet hat. Er war 1818 geboren, hat also das Alter von 56 Jahren nicht ganz erreicht. Er vollendete seine Erziehung im Trinity College / und beschäftigte sich Anfangs mit den Geschäften seines Hauses. Geschmack an den Künsten und vorzugsweise der in England blühende Turf (Sport) theilten sich bald in den größten Theil seiner Zeit. Der Marslall des Baron Mayer wurde bald berühmt und gewann die höchsten Preise in zahlreichen Wettrennen. An der Fürsorge für die Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde nahm er keinen Theil, wenn er auch ihren wohlthätigen Anstalten manche Spenden zuwies. Er wurde Ober-Sheriff von Buckinghamshier und später Mitglied l e 1 o n. des Unterhauses für Hythe. Im Jahre 1850 heirathete er eine Cousine, aus welcher Ehe eine einzige Tochter entsproß. Den größten Theil des Jahres verbrachte er auf seinem prächtigen Landgute von Mentmore, wo er eine luxuriöse Gastfreundschaft übte und eine merkwürdige Sammlung von Curiositäten und Kunstgegenständen aufgehäuft hatte. Seine Gesundheit war seit langer Zeit sehr angegriffen und sein Tod kam nicht unerwartet. Sein Leichenbegängniß, welchem die Equipagen des Prinzen von Wales und des höchsten Adels folgten, war glänzend. Eine wahre Anekdote. Der kürzlich erfolgte Tod des Kirchenrathes Rabbiner Di-, von Maier in Stuttgart brachte mir folgendes Histörchen wieder in Erinnerung, das mir einst mein Freund St. aus N. erzählte, und das während der Lebzeiten des Verblichenen zu veröffentlichen nicht ganz tactvoll gewesen wäre. Die Episode wirft zugleich ein grelles Licht auf unsere Mainz-Würzburger Orthodoxie

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