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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-17 · Heft 12 (17.3.1874) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 12 (17.3.1874)
Date
1874-03-17
Page
Seite 197 (sequence 11)
Language
German
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197 Die Mitglieverzahl vermehrte sich nämlich im letzten Jahre um-115, beträgt jetzt 429, und zwar wuchs die Zahl der Stiftenden von 18 auf 23, die der Beitragenden von 215 mit einem Gesammtbeitrage von 580 fl. auf 294 mit einem Gesammtbeitrage von 833 fl., die der ordentlichen Mitglieder von 76 auf 112. Das Vereinsvermögen betrug am Schluffe des Jahres 1873 4503 st. 53 kr. gegen 3228 fl. 28 kr. im Jahre 1872. Prag, 24. Februar. (Privatmitlh.) Herr David Zappert, Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde und Prager Stadtrath, der wegen feiner Wohlthätigkeit schon einmal von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone belohnt wurde, erhielt als neuesten Beweis der Anerkennung seines wahrhaft humanen Wirkens das Ritterkreuz des Franz-Josephs-Orden. Aus diesem Anlasse bereitete gestern der israelitische Nächstenliebeverein Herrn David Zappert eine schöne Ovation. Samstag wurde mit einem interessanten Vortrage des Herrn Professor irr. Kämpf der Cyclus der Vorträge des Vereines „Afike Jehuda" für das heurige Wintersemester geschloffen. Es haben im Ganzen im heurigen Winter die Herren Professor Dr. Kämpf, Dr. Tauber, Dr. Grüm, Dr. I. U. Kohn, Iugendbildner Freund und Kaufmann Leopold Wolf Vorträge gehalten. Der Verein, der bereits über bedeutende Mittel verfügt und sich unter der jüdischen Bevölkerung in Prag und aus dem Lande einer größeren Sympathie erfreut, ließ in dem abgelaufenen Vereinsjahre 122 Schüler in der hebräischen Sprache und Literatur unterrichten, besitzt bereits eine Vereinsbibliothek und unterhält ein Lesezimmer, in dem 8 jüdische Zeitschriften aufliegen. K. 0. V. Frankreich. Paris, 1. März. (Nach den Arch. isr.) Die neue Gemeindecaffe aus freiwilligen Beiträgen erfreut sich eines vollständigen Erfolges. Ihre Fonds belaufen sich bereits auf 292,400 Francs und die jährlichen Zeichnungen auf 29,325 Francs. Man steht nun vor der Frage über die Verwendung des Geldes und diese hat ihre Schwierigkeit. Hoffen wir, daß das Consistorium eine weise Wahl in den Zwecken trifft, welchen diese reichen Mittel gewidmet seien. — Es muß wahrhaft entrüsten, wenn die französische jüdische Presse noch immer den Groll gegen die deutschen Juden, namentlich in'Elsaß-Lothringen zu nähren sucht! Diese Bemerkung drängle sich uns jüngst durch eine Corresponvenz aus Metz in den Arch. isr. auf. Es wird darin berichtet, daß am Fasching die Deutschen einen Carnevalszug veranstaltet haben und daß in einem der Wagen sich ein Mann befand und zwar ein Jude, der sich als ein Rabbiner mit großem Barte, angethan mit einem großen Talith verkleidet hatte, in der Hand ein hebräisches Buch hallend und mit lauter Stimme Gebete in lächerlichem Tone recitirend und zugleich gedruckte Zettel, die allerhand Thorheilen enthielten, hinauswerfend. Daß ein solches Verfahren gerechten Unwillen erregt, versteht sich von' selbst, und obgleich man in Deutschland, nasnentlich am Rheine, solchen Carnevalsnarren durchaus keine Bedeutung beilegt,- jo muß man doch zugestehen, daß es bei . einem Juden den größten Mangel an Geschmack, Tact und religiösem Sinne voraussetzen läßt. Die gedachte Corespondenz dehnt aber ihren Vorwurf auf alle deutsche Juden aus und fügt hinzu: „Das sind die schönen Erwerbungen, die wir in unserer Gemeinde seit unserer unglücklichen Annexion gemacht haben. Aber diese Herren sind sehr aufgebracht durch den kalten Empfang, den sie gefunden. Keiner von ihnen hat bis jetzt dahin gelangen können, in eine einzige unserer Gemeindeverwaliungen einzutreten. Es ist gut, daß durch Ihr Journal die deutschen Juden erfahren, wie sich hier ihre Glaubensgenossen benehmen." Also „Ihre'Glaubensgenossen", als ob die franz. Juden nicht auch „Ihre Glaubensgenossen" wären! Als ob der eine Taugenichts die sämmtlichen deutschen Juden in Metz repräsentirte! Dabei verrathen sie selbst, wie abstoßend sie sich gegen ihre deutschen Glaubensgenossen benommen haben und benehmen. Wohl hätten wir vorausgesetzt, daß die Arch. isr. solche Aeußerungen nicht ohne eine Bemerkung, wie die Billigkeit und ein versöhnlicher Geist sie fordern konnten, gelaffen hätte. Es ist aber nichts davon, da. Großbritannien. London, im März. Die Marquise von Hertfort hat ihr ganzes Vermögen den Hospitälern von London hinterlaffen. Auf 85 englische Hospitäler kommen 7 israelitische. Jedes derselben hat 665 L. St. erhalten. Es ist aber noch ein bedeutender Proceß im Gange, nach dessen glücklichem Entscheide jedes Hospital noch eine beträchtliche Summe erhalten wird. Holland. Aus dem Haag, 5. März. (Privatm.) Der in Nr. 9 aus Amsterdam datirte Artikel (S. 144) bedarf durchaus einer Berichtigung.*) Allerdings haben im letzten Monat December bei den Budgetberathungen zwei römisch-katholische, sowie auch zwei protestantische (zur frommen Partei gehörende) Mitglieder der zweiten Kammer dem jüdischen Abgeordneten einige Seitenhiebe zugefügt und unter schönklingenden Phrasen sich auch unangenehme Aeußerungen gegen die Juden gestattet. Unser Glaubensgenosse in der Kammer, sowie manche Organe der liberalen Presse haben den Herren den Standpunkt klar gemacht. Dagegen ist es unrichtig, daß sich außer dem Abgeordneten jüd. Religion noch andere Mitglieder der Kammer gegen die Aus- *) Aus Versehen ist dem kurzen Artikel nicht hinzugefügt worden, daß er den Arch. isr. entnommen war, die Jrrthümer desselben also nicht unsere und nuferer Correspondenten Verantwortlichkeit treffen. Redaction.

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