Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1874)
- Date
- 1874-03-10
- Page
- Seite 180 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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mm doch zugeben, daß der Mann nicht..von vornherein a uf die Arbeit der Frau rechnen darf- und, offen gestanden, es. würde mit wenig, behagen, Dich, wie Du nun einmal.bist, emsig und Unablässig arbeiten und Deine Augen anstrengen zu scheu, .um das. tägliche Brod zu erschwingen, für das einzustchen der Mann berufen-ist. Doch Höre nun meinen Plan. — Ich schätze es noch als ein besonderes Glück, daß ich gerade in Euer Haus Eintritt gesunden, außer daß mir dadurch Deine Bekanntschaft verschafft wurde. Ich habe Euren Wirth, den Hosbuchdrucker, kennen gelernt, und benutzte die Gelegenheit, die ganze Einrichtung und die Verhältnisse einer Buchdruckerei kennen zu lernen. Dev gute redselige Mann machte. mich . bereitwillig. mit Allem bekannt, wasdarauf Bezug hat. Da bin ich denn aus den Gedanken gekommen., eine. hebräische. Buchdruckerei zu gründen, und wenn auch nur mit kleinem Anfang, etwa erst um halbe Bogenweise zu drucken. Du siehst, ich bin vorsichtig, und spanne meine Speculation nicht zu weit aus. Du verstehst doch etwas davon?" Dora nickte, ohne schon eine Meinung zu äußern. „Siehst Du," fuhr Bernhard fort, „die hebräische Literatur liegt jetzt sehr darnieder. Es giebt nur wenige hebräische Buchdruckereien, und diese bringen fast nur Gebetbücher und dergleichen zu Tage. Ich will es versuchen, sie wieder in die Höhe zu bringen. Ich will neue Arbeiten herausgeben, und habe schon den Entwurf zu einer solchen mit meinen College« besprochen. Das soll mir Ehre und Brod zugleich verschaffen. Du weißt, ich war vor Kurzem in Leipzig zur Messe, und habe mir daselbst viele Bekannte und Freunde erworben, die Veit's in Berlin, die Kaulla's in Stuttgart, die Bondi's in Dresden, die Wehli's in Prag, und selbst bis nach Holland und Brabant. Sie werden Abnehmer für die Schriften sammeln und die Bücher von Leipzig mitnehmen. Auch manchen sichern Buchhändler habe ich in Bereitschaft. . Du siehst, die Sache ist schon weit gediehen. Doch wollte ich nicht eher mit Dir davon sprechen. Was, sagst Du dazu?" Dora zögerte nicht zu antworten: „Was soll ich dazu sagen? Von der Sache selbst verstehe ich nichts; aber ich vertraue fest auf Peine. Einsicht und Deine Kraft. Ich werde Dir in Allem beistehen, so viel ich es vermag. Ich werde Dir die Bogen fortiren und abzählen, die Päckchen machen helfen und was sonst. Ich habe dies in der Druckerei unten oft genug gesehen und der Tochter des Hofbuchdruckers Hülfe geleistet, wenn sie, meine Freundin, in Anspruch genommen wurde, weil zu viel zu thun war. Ich wollte, ich könnte Dir auch mit meinem Rathe beistehen. Wie willst Du denn nun hie Sache weiter machen?" „Ich habe Alles schon eingeleitet. Es gilt vorerst nur die Typen, weißt Da, die metallenen Buchstaben und was dazu gehört, anzuschaffen. Der Hofbuchdrucker will mir zum Beginn eine Presse zn Gebyte stellen, natürlich gegen entsprechende Entschädigung die er aber erst gezahlt haben will , wenn der Verkauf . der Bücher im Gangeist. Dann werde ich auch einen Setzer, der für das Hebräische geschickt ist, stellen müssen. Es ist dies Alles-sehr einfach für den Anfang , macht sich überaus günstig, und selbst das verwendete Capital ist gesichert, da die Typen für viele Iahrzehende ihren - Werth behalten. Es -kommt! daher jetzt Alles darauf an,-das nöthige Geld, für die Typen zu erlangen." „Und bedarf es hierzu einer großen Summe?" fragte Dora sorglich, als sie ihren Bräutigam in seiner Rede stocken sah. „Deine Mitgift, liebe Dora, würdefür die ersten Termine genügen. Ist erst der Anfang gemachtso öffnen sich mir wohl auch andere Quellen. Es muß nur immer erst was Sichtbares da sein, damit die Menschen Vertrauen fassen ..." „Meine Zustimmung, Bernhard, hast Du ganz und gar. Freilich, ob die Eltern es thun werden? Du weißt, die Mutter geht über das, was Brauch und Sitte ist, nicht leicht hinweg, und diese verlangen, daß die Mitgift erst am Hochzeitstage aus-! gezahlt werde. Indeß, wir wollen sehen, einen günstigen Augen-! blick, eine heitere Stimmung abwarteu^ Auch habe ich eine -Quelle, aus der ich Dir einhundert Thälerchen, natürlich geborgt, -verschaffen könnte. Laß mich nur machen zur Zeit. Gott wird uns schon helfen!" .. -!; : Die beiden jungen Leute waren von ihren Sitzen ausgeftanden, einander näher getreten, ihre Hände faßten sich und bald auch, vereinigten sich ihre Lippen zu einem herzlichen Kusse. Es geschah dies gewiß selten , und eine stammende Röche übergoß das Gesicht des Mädchens. Die Sitten waren damals noch, streng und die Menschen befanden sich wohl dabei. Diesmal aber sprach die Sympathie der Herzen zu warm. Dieselbe Kühnheit, derselbe Muth in den Seelen Beider, in der des Mannes die Kühnheit des Strebens und der That, in der-des Mädchens die Kühnheit der Hingebung, der selbstlosen Aufopferung, und. darüber das Gefühl des unbedingten Vertrauens zu einander für das ganze Leben, der wahrhaften Einigung und Zusammengehörigkeit! Dies währte jedoch uur einen Augenblick. Ein Geräusch, an der Thü're ließ sie sich wieder schnell trennen, und. ihre Sitze aussuchen. Die Thüre öffnete sich- und herein.rauschte die Mutter,, hinter ihr, wie verborgen, der . Vater. Die Matrone, eine statt?, liche Gestalt, das Antlitz, das noch die Spuren früherer Schönheit unverkennbar zeigte, mit strengem Ausdruck, der besonders in den lichten grauen Augen sich aussprach, dennoch,m den feinen Zügen um. den Mund Wohlwollen und Herzenssreundlichkeit verrathend, die sich nur hinter dem Ernst undder Würde wie. hinter einem Schilde bargen. Die Matrone war in festlicher Kleidung, sie hatte Vormittags einem Beschneidimgsmahl angewohnt usd Nachmittags einige Wochenvisiten zu. machen. Denn M ihrem Kreise,, und dieser dehnte sich selbst über die jüdische Gemeinde hinaus, und über. Reich. und. Arm, Konnte keine Frau.