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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-10 · Heft 11 (10.3.1874) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 11 (10.3.1874)
Date
1874-03-10
Page
Seite 177 (sequence 7)
Language
German
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177 Aus Ostfriesland, im Februar. (Eingesandt.) *) Irr der neuesten Nr. d. Bl. lasen wir eine Aufforderung der Gemeinde Emden in Betreff der Wiederbesetzung des Landrabbinats Ostfriesland-Osnabrück mit dem Wohnsitze in Emven. .Wir freuen uns, daß diese Angelegenheit endlich so weit gediehen ist und sind den Herrn Ministern des Innern und des Cultus zu nicht geringem Dank verpflichtet, daß sie diese Frage in einer so günstigen Weise entschieden und dadurch unangenehmen Weitläufigkeiten einen Riegel vorgeschoben haben. Die Kämpfe, die bei der jüngsten Wahl stattfanden, die Proteste, die damals erhoben wurden, sind dadurch von vornherein lahm gelegt, und wird es unter solchen Verhältnissen gewiß Niemanden einfallen, durch nutzlose Proteste noch länger das so. sehr erforderliche Wirken eines in unserer Mitte wohnenden Landrabbiners fern zu halten. Jene Entscheidung der beiden Ministerien bürgt auch dafür, daß die Constitution unseres Landrabbinats eine gesicherte und durchaus unantastbare ist, die an der Regierung selbst erforderlichenfalls eine sichere Stütze finden würde. Die nicht geringe Einnahme bleibt vollständig ungeschmälert, da es den Gemeinden nicht um Ersparnisse, sondern um einen tüchtigen Landrabbiner zu thun ist, der in seinem Kreise einen empfänglichen Boden für feine Wirksamkeit finden wird, und bei richtiger Stellung zu derselben sich der aufrichtigsten Liebe versichert halten darf. - Möchten darum tüchtige Bewerber sich melden, damit die schon so lange verwaisten Gemeinden endlich aus ihrem Ausnahmezustand herauskommen, und sich Niemand durch die grundlose Befürchtung abhallen lassen, als könnten einige renitente Gemeindeglieder die Sache abermals verzögern. Diese Möglichkeit liegt jetzt vollständig außer dem Bereiche. .. . Offenberg in Baden, l8, Febr. (Eingesandt.) Während der letzten Faschingstage wurde hier durch einen ziemlich viele passive israel. Mitglieder zählenden Gesangverein ein Nischusstück dargestellt in jämmerlichen Gestalten, und unter besonderer Betonung eines außergewöhnlich gemeinen Jargons aufgeführt, was einige passive israel. Mitglieder zum sofortigen Austritt aus dem Vereine bewogen hat, um so mehr, als der Beifallssturm, welcher dieser. Darstellung gezollt wurde, einen wahrhaft demonstrativen Charakter hatte. Daß per hiesige israel. Religionslehrer als einziges actives Mitglied auf Befragen des Bereinvorstaydes, pH diese Persifflage bei den israel. Mitgliedern keinen Anstoß erregen werde und nachdem ihm sogar der Text mit den Erläuterungen vorher zur Einsicht übergehen wurde, dennoch seine volle Zustimmung zur Aufführung gegeben hat, verdient öffentlich gerügt zu werden, besonders da gerade die socialen Verhältnisse unserer jungen israel. Gemeinde erst in der wundertätigen Rebbe's gefallen könnte, und nicht minder ein Publikum daselbst finden möchte. Die bekannte fantastische Auslegung der heil, Schrift bietet leicht eine Vxücke dazu dar. Redaction. *) Wir geben dieses „Eingesandt" nach dem Grundsätze der Unparteilichkeit, den wir stets als unsere Richtschnur bewachten. Ach, Evttoickelung begriffen und durch eine solche das Iudenthum herahwürdigende öffentliche Darstellung nur beeinträchtigt werden können, Bornheim bei Bonn, 1. März. Sie werden gewiß von einem Acte der Wohlthätigkeit und Humanität gern Notiz nehmen. - Der Freiherr von Durgardt zu Bonn schenkte aus Veranlassung der Vermahlung feiner Tochter, welche am 25, v. M. auf seinem hiesigen Nittergute gefeiert würde an die hiesigen Ortsarmen 500 Thlr. und zwar 300 Thlr. für die katholischen, 100 Thlr. für die evangelischen und 100 Thlr. an die israelit. Hausarmen, sowie 200 Thlr. an den, hiesigen Kriegerverein, Per Vorstand der Synagogeygemeinde Jacob Koppel. Oesterreichisch-imgarische Monarchie. Bonn, 2. März. Wir haben die Petition des Präsidiums der ungarisch-israelitischen Landescayzlei an das Abgeordnetenhaus in Sachen des Rabbinerseminars erhalten und werden über diese treffliche und ausführliche Arbeit in der nächsten Nummer referiren. Wien, Ende Februar. (Privatm.) Eine eigene Empfindung weckt in uns ein Blick auf den Etat desCultusministeriums, der soeben in das Abgeordnetenhaus eingebracht worden. Wir Heinerkey hier große Positionen für alle Arten der christlichen Cvnfessiouen, aber keinen Heller für die Institute des Iudenthums, Es ist dies hergebrachte Sitte , die kaum in Erstaunen setzen möchte. Aber das Gefühl der Gleichberechtigung ist denn doch bereits den Geistern so tief eingesenkt, daß sich die Frage aufdrängt: Warum dies? Warum muß eine Million jüdischer Bürger einen beträchtlichen Theil seiner Steuern für die christlichen Kirchen verwendet sehen, ohne daß für seine religiösen Veranstaltungen auch nur ein Kreuzer gewidmet wird? Ist dies Bethätigung des Grundsatzes der Gleichberechtigung, den der moderne Staat immerfort in die Wageschale legt? Fließt Pies aus per Verfassung, welche die liberalen Parteien hochstellen? Vor einigen Iqhten wollte man dqst Gewissen durch die Herstellung einer jüdffch-cheplogischen Facultqt zu Wien beruhigen und hierfür einige wenige Tausend Gulden opfern man konnte sich nicht einmal dazu erheben die ganzen Kosten ans sich zu nehmen, sondern den bedeutenden Nest sollten die jüdischen Gemeinden wagen. Man glaubte jedoch wohl, daß es am Worte genug sei, Wd nachdem dies förmlich gesprpchen war, wurde die Rat der Zukunft überlassen, und in Oesterreich kommt eine solche Zukunft stets sehr spät. Dennoch können wir der Negierung allein keinen Ipr- Mrs daraus machen. Da die Juden selbst darüber schweigen, und jede Forderung zu stellen unterlassen, so kann man es den Ministern nicht verdenken, auf welche doch schon Forderungen genug loMMen. M sitzen auch Juden im Reichsrache; diese

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