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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-03-10 · Heft 11 (10.3.1874) · p. Seite 173

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 11 (10.3.1874)
Date
1874-03-10
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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173 uttb den; Hastarot nach den Perkopsy- ,, Mie.,eim. gereimte- Fachschrift Meldet,. wurde dessen Druck am 15> Kislaw 5291 a. m. d. i. ,im December 1530 beendigt. Die Herausgeber Gerson Kohen und seine Söhne- Mordechat und Salomo unterließen es, nicht,; ihren Namen , mit; großen Lettern am Ende zu drucken. AH dem Titelblatte ist die Vignette der Gerson'schen Druckerei, zwei Engel, welche zwei segnende, Hände das. Emblöm der Aronidischen Abstammung — halten, abgedruckt. Auf der letzten Seite hingegen befindetsich das Wappen der Stadt Prag,, über welchem zwei böhmische Löwen eine Krone halten, welche Figur, wie es scheint, die Bibliographen sich nicht zu erklären wußten. Von dieser höchst, seltenen- Ausgabe des Pentateuchs besitzen die Oppenheimer'sche und Dresdner Bibliothekje ein Exemplar auf Pergament gedruckt. Das der ersteren ist in zwei Bänden ge-, bunden.; . An Manuskripten ist die Gemeindebibliothek nicht, sonderlich reich. Die Zahl derselben ist 33. Dieselben bedürfen noch einer gründlicheren Prüfung, als ihnen bisher zu Theit werden konnte. Als ein Meisterstück der Kalligraphie verdient das kabbalistische Werk „Ez-Hachajim“ (Baum des Lebens) des R. Chajim Vital Erwähnung. Die in. großer Anzahl angebrachten- Arabesken und anderen Federzeichnungen, und Figuren sind so kunstvoll ausgesührt, und die verschiedenen angewandten Schriftarten von solcher Reinheit, Nettigkeit und Gleichmäßigkeit, daß man nicht weiß, was man mehr bewundern, soll, ob die Schönheit der Schrift, den in der ganzen Anordnung sich kundgebenden feinen Geschmack, oder — die Geduld und Ausdauer des Schreibers. Das genannte Manuskript hätte gewiß nicht verfehlt, bie; Bewunderung vieler Besucher Aer Weltausstellung- .zu erregen, wenn Jemand, daran gedacht hätte, es nach Wien zu schicken. Aus den wenigen auf die Israel. Gemeindebibliothek Bezug habenden Daten, in diesem Aufsätze geht wohl zur Genüge deren, Werth und Bedeutung hervor. Durch das Ordnen- und Auf-, .stellenlassen derselben hat die Repräsentanz die hier zerstreut gewesenen , Gedenksteine zweitaufendjghrigen geistigen .Streben^ zu einem großen Denkmale vereinigt unb dadurch. eine' bleibende Erinnerung an ihre eigene Wirksamkeit <wi, dasselbe geknüpft. Dem Bestände..dieses Erz-und. Stein.überdauernden Denkmals droht. höchstens, nur noch vom Bücherwurme, aber nicht von der zerstörenden Hand fanatischer Menschen Gefahr. Denn die Zeit, wo die in der Sprache der Propheten und des. christlichen Erlösers geschriebenen und gedruckten Bücher von der päpstlichen Inquisition aus keinem anderen Grunde, . als weil sie dieselben nicht verstand, dem Scheiterhaufen überliefert wurden, . ist. . .wohl für immer vorbei. Unter . Papst Julius 111., der auf Amathen des , Neapolitaners Pietro Carasser, nachmaligen Papstes Pius IV. die strenge Inquisition , eingeführt,- wurden fast in allen Städten Italiens, wo damals die meisten hebr. Bücher vorhanden waren und nach hunderttausenden zählten, Scheiterhaufen für dieselben angezündet (S. Sept. 1553). Noch schlimmer erging es den hebr. Büchern, nachdem der Inquisitor selbst Papst geworden war. Denn Pius IV. ließ nicht blos in Italien nach hebr. Büchern fahnden, sondern auch in anderen Ländern. Auch in Oesterreich und zwar in Prag , wurden 1.559 die hebr. Bücher von den Behörden confiscirt, selbst die Gebetbücher wurden mit Beschlag belegt, und die Vorbeter in den Synagogen waren in Folge dessen. gezwungen, auswendig vorzutragen. Die große Seltenheit de? Drqger Drucke aus der ersten Hälfte besitz. Jahrhunderts hat höchst wahrscheinlich in der erwähnten Confiscation ihren Grund. Auch die bereits erwähnte auffallende. Erscheinung, daß der Prager Oberrahbiner, , David Oppenheim,-M von ihm gesammelten Bücher nicht in dem damals erzkachol. Prag, sondern in best protestantischen Hannover aufstellen ließ, dürfte hierdurch ihre. Erklärung finden. Er wollte nämlich die mit Aufopferung großer Summen zusammengebrachte - Bibliothek auch, vor der Eventualität einer Confiscation sichern. Z&eituiigSiuxeßucßtm. Deutschland. , Berlin, 2 6. Febr. (Privatmitth.) Nachdem das Abgeordnetenhaus die.Veränderungen acceptirt hat, welche das Herren^ haus mit. dem Gesetze über die Civilehe und die Führung der Civil^ ftandsregister vorgenommen hatte, wird dasselbe auch bald zur . Ausführung; kommen., Hiermit, ist das Ausnahmegesetz,; nach welchem durch das Gesetz vom 23. Juli 1847 die. Juden in dem alten Provinzen der Civilehe unterstanden, gefallen, und sind für alle Unterthanen des preuß.. Staates, dieselben Bestimmungen ge^ troffen. , ..Die: BeränderMg^, .welche.. für .die. Juden aus . diesem Gesetze erfließt, besteht, darin,' baß ihre Civilehen nicht mehr vor dem Richter geschlossen,und.von. diesem ihre Civjlstaudesregistev geführt, werden, sondern dies, wie nunmehr für alle. Preußen, vor besonderen Beamten geschieht. Auf Antrag, des Herrenhauses sind die Geistlichen nicht befähigt, zu Civilstandsbeamten ernannt zu. werden, und somst. können für die Juden die Jnconyenienzen nicht eintreten, welche daraus entstehen konnten, wenn, der christl. Pfarrer die Schließung, der Civilehe und die Führung der Register, somit auch die Ausstellung, der Atteste zu-vollziehen gehabt hätte. Das Gesetz bestimmt auch, daß die Geistlichen für den Verlust der Gebühren eine Entschädigung erhalten sollen.. In Yen annectirtenProvinzen^ wo die Mattikenfuhrung noch den jüdischen, Geistlichen, zustand , werden diese ebenfalls eine Entschädigung erhalten müssen.. Wir. können also mit diesem Gesetze pyd seiner- Fassung zufrieden.sein. .13*

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