Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1874)
- Date
- 1874-03-03
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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159 hier für Uebersendung der Gedächtnißreden auf den Oberrabbiner Herrn I»r. Loewi den huldvollsten Dank und für „die würdige Weise, in welcher man das Andenken dieses verdienten Mannes feierte" die Allerhöchste Anerkennung ausgesprochen ,F. N. N.) Nürnberg, im Februar. Den! „Fränkischen Courier" wird aus Nürnberg geschrieben: Vor einigen Tagen bekam der.hiesige Rabbiner, Herr vr. Levin, von seinem Amtscollegen in Odessa, Herrn Vr. Schwabacher, die Mittheilung, daß sich in einer Anstalt des bekannten Muckernestes Neuendettelsau zwei israelitische Mädchen gegen den Willen ihrer Mutter befänden und von dieser zurückverlangt würden. Diese Mittheilung entsprach vollkommen der Wahrheit. Maria und Dutha Perez, die erstere sechszehn, die letztere zehn Jahre alt, sind Töchter eines Rabbi aus Wilna und waren nach dem Tode ihres Vaters mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Odessa gezogen. Hier lernte der letztere den aus Missionsreisen befindlichen Pfarrer Weber, nunmehr Pfarrer in Neuendettelsau, kennen, ließ sich taufen und kam dann, wir wissen nicht in welcher Eigenschaft, nach Neuendettelsau. Vor circa fünf Vierteljahren nahm derselbe seine beiden Schwestern von der Mutter fort und brachte sie ebenfalls in das Muckernest, wo sie in einer der dortigen Anstalten untergebracht und in die entsprechende Behandlung genommen wurden. Mit den beiden fremden und verschüchterten Kindern wurde so gut experimentirt, daß Maria, die ältere, schon nach kurzer Zeit getauft werden konnte. Auch Dutha's Seele war so weit zubereitet, daß ihre Taufe täglich bevorstand, da besonders Rector Meyer, den vielleicht eine dunkle Ahnung treiben mochte, auf Beschleunigung drang. Inzwischen hatte die Mutter der Kinder den Aufenthaltsort der letzteren doch erfahren, und in ihrem Aufträge wendete sich Iw. Schwabacher in Odessa, wie bereits mitgetheilt, an Herrn 9,-. Levin dahier, der sich sofort in Begleitung eines hiesigen israelitischen Kaufmannes nach Neuendettelsau verfügte, um die uöthigen Schritte zu thun. Die dortigen Anstaltsvorstände sahen nach Einsicht der ihnen vorgelegten Papiere sofort ein, daß an ein weiteres Zurückhalten der Kinder nicht zu denken sei; desto mehr suchten sie auf die Kinder selbst einzuwirken und sie zur Standhaftigkeit zu ermahnen. Als IM*. Levin Maria Perez zum ersten Male sah, sagte er zu ihr: „Maria, willst du deine Mutter sehen?" Da riß das Mädchen in einer momentanen Regung von Scham und Reue mit zitternder Hand das Kreuz, das es am Halse trug, hinweg und warf es von sich. Allein sofort befahl eine Schwester, das Kreuz wieder umzuhängen, und das Kind gehorchte. „Du gehst jetzt von uns, einer schweren Prüfung entgegen, aber du wirst wiederkehren; glaube und bete", so sprach Pfarrer Weber zu Maria beim Abschied, und: „Bleib' nicht bei den Juden!" riefen die an der Thür versammelten Insassen der Anstalt ihr nach. Herr Dr. Levin ist gestern von seinem schweren Gang zurückgekehrt und hat die Opfer der Seelenretterei bei sich. Während in Dutha hie Liebe zur Mutter langsam wieder erwacht und die Neuendettelsauer Eindrücke bald verdrängen wird, lebt und webt Maria vollkommen in jenen mystischen Anschauungen, die man ihr beigebracht und mit denen man sie bis zur Willenlosigkeit beherrscht hat. Sie betet, liest im Neuen Testament und seufzt nach ihrem „Seelenbräutigam" Jesus Chnstus. (Wir haben absichtlich die scharfen Bemerkungen des „Frank. Courier", mit denen er der gerechten Entrüstung über diese Seelenfängerei, diese Unmenschlichkeit, die geheiligten Bande zwischen Mutter und Kindern zu zerreißen, Ausdruck giebt, ausgelassen, und nur die nackten Thatsachen berichtet. Ein jüdisches Blatt braucht seiner Verachtung und seinem Unwillen nicht erst Worte zu leihen. Redaction.) München, 19. Febr. Man schreibt in den hiesigen Blatten: „Aufsehen macht hier eine Verlobung zwischen e i n e m I sraeliten und einer Christin, welche beide sehr angesehenen Familien angehören. Der Bräutigani ist der Vorstand des städtischen Gemeindecollegiums, Herr Banquier Guggenheimer, die Braut eine Tochter des verstorbenen Jrrenhausdirectors Dr. Solbrig. Es dürfte hier zum ersten Male der Fall eintreten, daß beide Theile, der jüdische und christliche, den Austritt aus ihrer Confession erklären müssen, um die bei uns nur den Dissidenten gestattete Civilehe eingehen zu können." (Es versteht sich, daß die Betreffenden nach Abschluß der Civilehe gesetzlich wieder in ihre früheren Confessionen zurücklreten können. Aber wahrlich! die Religion gewinnt unter solchen Maßnahmen, des Gesetzes nicht an Ansehen, und muß die obligatorische Civilehe derartigem Spiele verziehen!) Ans Württemberg, im Februar. (Privatmittheilung.) Gestalten Sie mir, Herr Redacteur, Ihnen aus unserem Lande, in dem die Angelegenheiten der israel. Religionsgenossenschaft sich seitens des Staates der gleichen Fürsorge, wie die der christlichen. Kirchen erfreuen dürfen, einiges zu berichten. So hat der soeben vertagte Landtag sich auch mit unseren Angelegenheiten mehrfach zu beschäftigen Gelegenheit gehabt. Von der Aufhebung der Personalsteuer, einer Cultussteuer, die insbesondere ihres odiösen Ursprungs, wie ihres ungerechten Vertheilungsmodus wegen unter den Israeliten des Landes sehr unbeliebt war, ist den Lesern Ihres Blattes schon in einem früheren Artikel Kunde gegeben worden. Ferner wurden bei Gelegenheit der Ausbesserung der Gehälter der Staats-, Kirchen- und Schuldiener um ein Sechstel auch die Gehälter der Rabbiner, Vorsänger und Confessionsschullehrer um den gleichen Betrag mit Wirkung vom 1. Juli v. I. erhöhet und der israelitischen Centralkirchencasse zu diesem Zwecke außer dem bereits bewilligten Staatszuschuß eine Nachexigenz von 2600 fl. gewährt. Um den gleichen Betrag, wie die Gehälter, werden übrigens auch die Dienstalterszulagen der genannten Beamten erhöhet. Unter den Gemeinden, die in diesem Jahre seitens der Staatsregierung Beiträge zu Kirchen- und Schulbaukosten empfingen, sigurirt auch die israel. Gemeinde Buttenhausen, die zu den Kosten der Restauration ihrer Synagoge