Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1874)
- Date
- 1874-02-24
- Page
- Seite 146 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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146 den Schulzwang in dem von ihm vorgelt gtenSchulgesetzentivurf verworfen hat. Wir glauben nicht, daß manin Italien soweit sei, einen Israeliten zum Unterrichtsminister zu machen. Aber immerhin ist schon ein solches Gerücht -'wenigstens für den ju; diesem Posten Bezeichneten rühmlich, da es beweist, daß man ihm die Befähigung zuschreibt und achtungsvolles Vertrauen zu ihm besitzt. .; Rumänien. Bukarest, 14. Februar. Die Deputirtenkammer berieth gestern das Communalgesetz. Die Oppposition beantragte die Streichung des Artikels, der den eingeborenen. Juden, beschränkte communale Rechte verleiht; die Majorität lehnte den Antrag -ab.! (Man erkennt aus der Fassung des Telegramms nicht, ob I der Vorgang zum Guten oder zum Schlechten auszulegen sei. Wollte die Opposition den Juden jedes auch beschränkte kommunale-Recht nehmen? oder würde durch, diese Streichung den Juden das volle Communalrecht gewährt sein? Bei der Ersah-' rung, -die man betreffs des' Militärgesetzes gemacht hat, wo die zweite Kanimer den Juden was Avancement gewährte, der Senat es 'strich, und die Kammer nachgab , könnte man wohl hoffen, ein beschränktes *Communalrecht auch bei /dem Senate eher durchzubringen. Daß Rumänien bei seiner großen und tapferst Armee das nicht zu gewähren wagt, was Rußland jetzt für sein Heer festgesetzt hat, kann nicht in Erstaunen setzen. Die feindselige Gesinnung bleibt übrigens in Rumänien noch immer vorherrschend. So haben kürzlich wieder einige Gerichtshöfe entschieden, daß auch eingeborene Juden Grundstücke nicht kaufen dürfen. Der zur! endlichen Entscheidung angegangene Caffationshof läßt auf die Antwort warten, indem er die dagegen erhobenen Anträge in den Acten ruhen läßt. Nun, Man muß schon zufrieden sein, daß keine neuen Aufläufe und Plünderungen stattfinden. Eine seitens unserer Glaubensgenoffen dem Fürsten Karl überreichte Petition erregt keine großen Hoffnungen. Man wollte damit nur seine Pflicht thun, und dies können wir nur billigen. Redaction.) Jeu i f f e t o n. Zu p«rim. Esther von Grillparzer. Wir haben im Feuilleton zu No. 12 und 13 des vorigen Jahres über das treffliche Fragment „Esther" von Grillparzer theils berichtet, theils einige Scenen aus dem zweiten Aufzuge mitgetheilt. Denn aus zwei Aufzügen besteht das Fragment. Wir "machten damals die Bemerkung, daß. Grillparzer das Drama wohl nicht vollendet hat, weil es eigentlich Mit diesem zweiten Aufzuge künstlerisch abschließt, indem Esther Königin wird, und für den folgenden Theil des Dramas eigentliche Fäden gar nicht angesponnen sind. Der Beweis hierfür liegt auch' wohl darin, daß dieses Fragment bereits mehrere Male aufgeführt worden, und zwar zur großen Befriedigung der Zuhörer, was nicht der Fall sein konnte, wenn es nicht einen gewissen Abschluß hatte. Ändeß liegt jetzt ein genauer Bericht vor, wie Grillparzer den Stoff weiter zu bearbeiten gedacht hatte, und aus welchem Grunde er es unterlassen. Die Sache ist interessant genug, um auch hier, in Anschluß an No. 12 und 13 d. v. I. besprochen zu werden. Wir hatten dort auch darauf aufmerksam gemacht, daß Grillparzer es liebte, der Geschichte und den Legenden, die er dramatisch behandelte, in dem Gange seiner Stücke getreu zu bleiben und nur die Charaktere und ihre Motive frei zu gestalten, Dies ist auch hier der Fall; er entnimmt die ganze Begebenheit fast genau dem Buche Esther. Jndeß beweist dies wiederum andererseits/ worauf wir schon in unserer Einleitung zum Buche Esther aufmerksam gemacht, wie dramatisch die Handlung irr diesem Buche geordnet sei. - - ........ Im der eben erschienenen Schrift: „Aus .dempersönlichen Verkehre , mit Franz Grillparzer von Auguste v. Litterow-Bischoff (Wien, Rosner 1873)" theilt diese Dame ein Gespräch aus dem Jahre 1868 mit, in welchem sie von dem Dichter Näheres über die Art und. Weise, wie er die „Esther" habe fortsetzen wollen, erfuhr. Wir geben daraus Folgendes: „Haben Sie davon keine Erinnerung behalten?" fragte ich. „Das hat mich ja nach dem unglücklichen Sturz so sehr geschmerzt, daß mir Vieles sogar für immer abhanden gekommen und mir auch der Gang der „Esther" nicht mehr erinnerlich ist. Das weiß ich aber doch noch, daß der zweite Act mit einer Scene endet, wo Mardochai unter dem Thorwege auf Nachricht wartet, wie es Esther, von deren Triumph beim Könige die Kämmerlinge schon unterrichtet sind, ergehe. Haman, ängstlich, wie das Alles sich wenden werde, denn auch sein Schicksal wird oben entschieden, findet hier den Mardochai, welcher als der Einzige, der sich nicht vor ihm niederwirft, ihm sogleich auffällt. Da Haman in diesem Momente nicht'wagt, die Gemächer des Königs zu betreten, entsendet er den Thorhüter , um Kundschaft eiNzuholen, und dieser, der seinen Posten nicht'verlassen darf, stellt Mardochai an seine Stelle und lehnt den Hüterstab als Zeichen seiner Würde an dessen'Seite. Hierdurch bekommt Mardochai als scheinbar befugter Thürhüter Gelegenheit, von einer durch Bightan und die Königin Basthi angesponnenen Verschwörung Kunde zu erhalten, und der Ack endigt damit, daß er Esther auf verborgenen Wegen Warnung zukommen läßt, auf ihrer Huth zu sein." — „Besonders liegt das Motiv, daß das Stück in der Liebesscene nicht