Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1874)
- Date
- 1874-02-24
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
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143 von Maßregeln, welche den Vollzug der Congreßbeschlüsse bezwecken,« strenge nach diesem leitenden Grundsatz verfahren möge, — in Folge dieses Beschlusses hofften die orthodoxen Gemeinden, daß auch der jüdische Religionsfond, welcher in Folge der von Br. Haynau 1849 auf die > Israeliten ausgeworfenen Kriegssteuer jetzt ungefähr 2 Millionen beträgt, nach gerechtem Schlüssel zwischen den beiden Glaubensgenofsenschaften vertheilt, nicht aber auf den ausschließlichen Wunsch des israelitischen Congresses zur Errichtung eines Rabbinerseminars verwendet werden wird, welches Seminar nur zu einer dem Geiste des orthodoxen jüdischen Glaubens widerstreitenden Hierarchie führen würde. Die orthodoxen Gemeinden wollen den ihnen gebührenden Theil dieses Fonds zur Förderung von Elementarschulen verwenden, bitten , daher das Haus, den Minister dahin zu weisen, daß er in Betreff der Theilung dieses Fonds einen Gesetzvorschlag unterbreiten und zum Theilungsschlüssel die Zahl entweder der schulpflichtigen Kinder oder der Gläubigen jeder Gemeinschaft Vorschlägen möge, während der Zeit aber die Einkünfte des gemeinsamen Fonds in gleichen Hälften zur Disposition der autonomen zwei Glaubensgenossenschaften stelle. Diese Bittgesuche bittet Redner an den Petitionsausschuß zur Begutachtung zu weisen." ' Wer die so vorgetragenen Wünsche vom objectiven Standpunkte betrachtet, könnte im ersten Augenblicke eine gewisse Billigkeit in denselben vermuthen und sich daher ihnen zuneigen. Geht man aber näher darauf ein, so wird man schon von der Berketzerungssucht abgestoßen, welche das Schriftstück athmet. Man will nicht allein das Häuflein Juden, das über das ganze Land zersplittert ist, durchaus spalten, sondern auch beide,Hälften immer mehr in Verbitterung und Gehässigkeit hineinhetzen, und die andere Hälfte als Abtrünnige und Ketzer brandmarken. Diese Verfahrungsweise von Seiten der Orthodoxen, ist ja in allen ^Confessionen bekannt. Auch das uneigennützigste glaubensanhänglichste Streben wird verdächtigt und verdammt. Hierzu kommt denn doch die jedes Planes entbehrende Anforderung, die alsbald vermuthen läßt, daß es sich allein um die Erlangung des Geldes handelt. Man fügt nur beiläufig hinzu, daß man diese große Summe zur Förderung des Elementarunterrichtes benutzen wolle. Hiermit glaubt man den liberalen Reichstag zu fangen. Man weiß, was es mit dem Elementarunterricht bei diesen Leuten auf sich hat, und wer nun noch die Führer derselben kennt, ist nicht zweifelhaft, wohin der größte Theil des Geldes fließen würde. Indeß werden diese Leute, so lange Herr von Trefort Minister ist, mit ihren Plänen nicht durchdringen. Von der andern Seite kann man übrigens auch hieraus lernen, was man mit allen möglichen Concessionen bei dieser Partei gewinnt. Ob man bei dem Rabbinerseminar orthodoxe pilpulistische Lehrer anstellt, und für diese den Lehrplan einrichtet, so daß man hiermit dem ganzen Institute den einheitlichen Charakter und das .organische Zusammenwirken der Lehrkräfte gefährdet, und so den eigentlichen wissenschaftlichen Boden durchlöchert, kümmert die Gegenpartei durchaus nicht und man gewinnt weder ihre Zustimmung, noch eine Abschwächung ihres Verdammungsurtheils und ihrer Jntriguen. Merkwürdig ist es übrigens, daß sich jetzt die Hyperorthodoxen in Berlin wie in Pest an die liberalen Parlamente klammern, während sie früher ihr Heil durch allen möglichen Einfluß, bei den absoluten Herrschern und pietistischen Regierungsmännern suchten. Auch die Freiheit ist gut, wenn man. sie zur Magd bestimmter Zwecke machen kann! ° Öfen, 9. Febr. (Privatm.) Die Angelegenheit in Betreff der Errichtung der Rabbinerbildungsanstalt in Pest ist seit wenigen Tagen in - ein neues, günstigeres Stadium getreten. Die zu diesem Zwecke vom Cultusminister einberufene „ständige Commission", welche den 4. November 187 3 ihre Verhandlungen in Angriff genommen und zur Erleichterung des Geschäftsganges sich in zwei Subcomitos wegen Adoptirung oder Ankaufs eines geeigneten Locats und Ermittelung geeigneter Lehrkräfte theilte, wurde auf Ansuchen des Cultusministers mittelst Erlasses vom 14. Januar l. I. von der Landeskanzlei zur Berathung m pleno auf den 3. Februar eingeladen. Die Sitzungen der „ständigen Commission" wurden am 3. Febr. und den darauf folgenden Tagen in Pest abgehalten und die beiden Subcomitss erstatteten ausführlichen Bericht über ihre seit November v. Ä. gepflogenen Verhandlungen. Von Seite des ökonomischen und Baucomitss wurde ein geeigneter Baugrund in der Hollunder- und Sandorgasse zum Ankauf vorgeschlagen und zwar um den Preis von 48,000 fl. Die Commission nahm diesen Antrag an und ermächtigte das Comitö zum Ankauf dieses Baugrundes und zur Ausschreibung eines Concurses zur Entwerfung der Baupläne, die dann seiner Zeit wieder dem Plenum zur Genehmigung und selbstverständlich auch dem Ministerium vorgelegt werden sollen. Das Fachcomitö, das, wie das ökonomische, aus den in Pest wohnenden Mitgliedern der „ständigen Commission" zusammengesetzt war, hatte die schwierige und hochwichtige Aufgabe, mit Umgehung eines Concurses, geeignete Lehrkräfte für das neue Institut vorzuschlagen und über die von den Mitgliedern der Commission vorgeschlagenen Persönlichkeiten in maßgebenden Kreisen Erkundigungen einzuholen. Das FachcomitL schlug nun nach Sichtung von circa 30—40 theils in Vorschlag gebrachten Persönlichkeiten und Concurrenten, — gewisse unvermeidliche Individuen drängen sich bei solchen Gelegenheiten immer in den Vordergrund, — folgende Candidaten vor: Herr I. Fleißig, früher Rabbiner in Freistadt in Ungarn, gegenwärtig Rabbinatsaffeffor in Wien; Herr Rabb. Abr. Hochmuth in Weßprin; Herr Rabb. D. Oppenheim in Gr. Becskerek und Herr Director Heinr. Deutsch in Pest und zwar für die eigentlichen theologischen Gegenstände: Bibel, Talmud, Midrasch, Decisoren rc. Ferner die Herren 00,-. W. Bacher, I. P. Frankel u. A. Schwarz, sämmtlich aus dem Breslauer Seminar, welche hauptsächlich die Gegenstände des Obergymnasiums an der Unterabtheilung des Seminars und irgend eine theologische Disciplin zu