Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1874)
- Date
- 1874-02-24
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t4\ etwas über die schöne Lage und den Ursprung Sichems anzufügen. Hiermit fällt der Hauptgrund, Theodotus für einen Samaritaner' zu halten, hinweg. Das Motiv, Theodotus nenne Sichem „die heilige Stadt", will bei einem griechischen Dichter nichts sagen, denn das griechische hgog wird noch dazu bei den Epikern allen Ländern, Inseln, Städten, Besten, gegeben und bei Homer z. Bi Troja (Jlios), Pergamos, Thebe, Euboea; die Bezeichnung Uqov nToXh&Qov ist häufig, und es will daher gar nichts beweisen, daß auch der spätere Dichter eine solche geläufige Phrase in seinen Hexameter brachte. Ebensowenig spricht entschiede für den samaritanischen Charakter die Verschmelzung griechischer Mythologie mit jüdischer Geschichte. Am wenigsten, wenn es sich um eine Ethymotogie handelt. Daß nach Alexander Theodotus Sichem vom Hermes, dem Vater Sichems gründen läßt, also Hermes mit Emmor verschmilzt, will wenig bedeuten, da es nicht einmal sichtbar ist, ob Theodotus den griechischen Gott meinte) oder nur dem Emmor diese griechische Form gab. Verschmelzung jüdischer und griechischer Sage findet sich bei fast allen jüdischen Hellenisten. Wir müssen daher Theodotus' noch immer für einen Juden erdachten. — Auch das scheint uns noch nicht genügend erhärtert, was Freudenthal über die Verbindung und gegenseitige Einwirkung zwischen den Hellenisten und den Palästinensern beibringt. So lange diese noch in einzelnen, mühsam ausgesuchten Daten machgewiesen wird, so lange sie sich nicht in eingreifender Anschauung und bedeutsamen Erzeugnissen zeigt, kann die Beweisführung noch nicht als gelungen angesehen werden.' Denn daß irgend welche, aber sehr lose Verbindung zwischen beiden ftattgefünden, wird Niemand leugnen. Uebersehen darf aber nicht werden, daß das Griechenthum auf die Palästinenser fast noch unmittelbarer seit Syrien dem griechischen Scepter unterworfen war, als auf die Juden in Egypten wirken konnte und wirkte. Dies zeigt sich z. B. schon durch das Eindringen vieler griechischer Ausdrücke in die Sprache der Mischna, für welche Graezismen man in Babylon schon besondere Erklärungen geben mußte. In der Nömerzeit konnte dieser Einfluß nur wachsen. Bei dem Nachweis griechischer Vorstellungen im Midrasch braucht man daher'nicht erst an eine Vermittelung durch die Hellenisten zu denken; man konnte sie ebensogut aus der Griechenwelt unmittelbar wie die jüdischen Hellenisten erhalten. Josephus aber nimmt überhaupt eine Ausnahmestellung ein, da er eigentlich Palästinenser, dann aber in Rom lebend , die jüdische Gelehrsamkeit seiner Zeit) die Hellenisten, die Griechen und die Römerkennen mußte, ohne freilich nach all' diesen Seiten' hin Gründlichkeit zu besitzen. ^e*kAiMpvü<xA&xAjS\im>. Deutschland. Berlin; 15. Februar. Der neue Friedhof der jüd. Gemeinde wird in der Nähe von Weißensee angelegt werden. Bereits ist ein sehr umfangreiches Terrain erworben und die Concession zu Anlegung der Begräbnißstätte eingeholt worden. —. Die Kaiserin hat der jüdischen Alterversorgungsanstalt Hierselbst ein Geschenk von 300 Mark übersenden lassen. Nach dem soeben erschienenen Jahresbericht der in der großen Hamburgerstraße belegenen jüdischen Alterversorgungsanstalt betrug der Cassenbaarbestand am 1. Januar 1873 250 Thlr., die Gesammteinnahmen des verflossenen Jahres 14,550 Thlr., die Gesammtausgaben 14,300 Thlr. Der neue, im Innern noch nicht vervollständigte Anbau der Anstalt besteht aus einem dreistöckigen Hause mit vollständiger Wasserleitung, Gaseinrichtung und Dampfheizung. Gegenwärtig befinden sich in der Anstalt in 48 Zimmern 68 Hospitaliten. Bonn, 13. Febr. (Privatm.) Nach den Auslassungen der officiösen „Provinzialcorrespondenz" gedenkt man in einigen Tagen den Landtag auf zwei Monate zn'vertagen, und ihn etwa zum 8. April nach Schlüß des Reichstages wieder zu berufen. Dies wäre also der Zeitraum; der gestaltet wäre , im Sinne unseres Leitartikels in vor. Nr. die Denkschriften und Petitionen vorzubereiten, und mit den? Tage des Wiederzusammentritts an das Abgeordnetenhaus gelangen zu lassen, und zwar mit solcher Anzahl von Exemplaren, daß jedem einzelnen Abgeordneten ein Exemplar vom Präsidium zugestellt werden kann. Wird diese Gelegenheit, die Wünsche und, Ansichten der großen Majorität der preußischen Juden den Abgeordneten zu erkennen zu geben, verpaßt, so könnten wir die Folgen nur uns selbst zuschreiben und hätten jedenfalls unsere Pflicht nicht gethan. — Der Vollständigkeit wegen bemerken wir hier, daß Herr 0r. Johann Jacoby das Mandat für den Reichstag nicht angenommen hat. Es befinden sich also nur sechs Israeliten im gegenwärtigen Reichstage. Buk (Posen), 9. Februar. (Privatmittheil.) Was wohl kaum vermuthet wurde, ereignet sich jetzt in der hiesigen Provinz, nämlich, daß innerhalb des deutschen Reiches noch ein Wunderräbbi sich etabliren und einen großen Zulauf aberwitziger Gläubigen finden könnte! Die „Oftd. Post" in Posen schreibt hierüber: „In Grätz hat sich bekanntlich ein talmudischer Phrenologe, ein Rabbi, niedergelassen, um allen Rathbedürftigen den Schleier der Zukunft zu lüften. Der Zulauf zu diesem Weisen ist so groß, daß von hier aus täglich 30—40 Mann per Bahn über Opalenica dorthin fahren und in dem letztgenannten Orte nicht genug Führwerke zu finden sind, um die wißbegierigen Pilger zum weisen Rabbi zu befördern. Es reisen nicht blos Männer,