Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1874)
- Date
- 1874-02-24
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
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diese Art Kritik mit ihrer Unparteilichkeit und objeetiven Erwägung auf'die ganze jüdische Forschung übertragen würde. Herr Freudenthal ist ein würdiger Nachfolger des Professors Bernays in dessen früherem" Amte: — Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir bereits im Jahre 1830 die poetischen Fragmente jüdischgriechischer Dichter, welche Eusebius und Clemens aus dem Sammelwerke' Alexander Polyhistors uns erhielten, bearbeitet und veröffentlicht haben. Wir checkten die Resultate, mit mehreren weiteren Zusätzen versehen, in dieser Zeitung Jahrgang 1870 Seite 73', 97, 117, 157, 177, 505, 605, 641, 662 mit. Neben diesen poetischen Bruchstücken enthalten aber auch jene Auszüge-Reste jüdischer und, wie Freudenthal erweist, samaritanischer g es ch i ch 1 l i cher Schriften, und diesen letzteren nun ist das vorliegende Heft als erster Theil dev betteffenden Untersuchungen gewidmet. Aus diesem geschichtlichen Gebiete liegen aber die Dinge wesentlich anders, als auf dem poetischen: Die metrische Form schon zwingt den Sammler, die Stücke, die er mittheilt, unverändert zu überliefern : Nur die Auswahl, die er trifft, welche Stücke er gebe, wo er sie anfange und ende, fällt seiner Willkür anheim; will er nicht etwa paraphrasiren, so kann er die Worte nun geben, wie der Dichter sie geformt hat; er kann'sie nicht verändern, nichts auslassen, nichts einschieben, die birecte nicht in indirecte Rede verwandeln. Ganz anders verhält es sich bei prosaischen Stücken. Hier stellen sich die Vorfragen ein: welche Glaubwürdigkeit verdient der Epitomator? mit welcher-Treue giebt er den Text des Schriftstellers, den er auszieht, wieder? welche'Zwecke verfolgte er bei seinen Auszügen, und verleiteten ihn diese etwa zu eigenmächtigen Aenderungen, oder gar zu Fälschungen? Zu diesen Vorfragen war aber der Verfasser um so mehr veranlaßt, als wir .hier Auszüge aus Auszügen vor uns haben, Eusebius erst aus den Auszügen Alexanders auszieht. Welche kritische Glaubwürdigkeit besitzt Alexander? Und welche Eusebius? Diese Fragen wären schwierig zu beantworten, da eben es an jeder Vergleichung mit den Originalien fehlt, und die früheren Bearbeiter zu den entgegengesetztesten Ansichten gekommen waren. Erst dann, wenn wir wissen; wie weit uns die geringen Trümmer des alten Gefchichtswerks treu überliefert sind, kann an ihre Betrachtung selbst gegangen werden. Bei dem Dichter, welchem zu aller Zeit die Freiheit zugestanden wurde, der Geschichte oder Ueberlieferung mehr oder weniger zu folgen oder von ihr abznweichen, aus ihr das zu; wählen, was er dichterisch bearbeiten will, hat es nur einen nebensächlichen Werth, sein' Poem mit der Geschichte oder Ueberlieferung, also Hier mit bet Bibel zu vergleichen. Bei Geschichtswerken tritt dies' in' den Vordergrund; es bildet das- Hauptinteresse, zu wissen, wie weit der alte Historiker mit der Bibel oder mit den ägyptischen, babylonischen und griechischen Vor- und Darstellungen übereinstimmt. Bei den jüd. Hellenisten kommt noch die Frage hinzu, ob sie etwa Kenntniff des biblischen Urtextes hatten, oder, wie es der Fall bei allen ist, lediglich den Septuaginta folgten. Lebenszeit des Verfassers, Titel seiner Schrift, deren Zweck, Umfang und Beschaffenheit, geben endlich der Forschung einen meist schwierigen Stoff. Herr Freudenthal löst diese Aufgaben, soweit dies überhaupt noch möglich ist, mit vielem Glücke, und verweisen wir hierüber auf seine Schrift. Allerdings wollen wir hiermit nicht gesagt haben, daß wir uns mit allen seinen Resultaten einverstanden erklären können. Wir wollen Einiges in Kürze hervorheben. Der Verfasser erweist, daß unter dem Namen Eupolemos Fragmente aus den Schriften zweier ganz verschiedener Autoren, mitgetheilt werden, und daß das erste Fragment die Arbeit eines Samaritaners gewesen. Wir hätten also auch em samaritanisch-griechisches Schriftthum, denn dieser Pseudo Eupolemos sei kein Unikum, wie er aus einigen andern Splittern der Literatur zu erweisen sich bemüht. Hierunter zählt er auch den Epiker Theodotus. Die Gründe aber, die er hierfür anführt, scheinen uns noch lange nicht stichhaltig genug. Alexander sagt zweimal, daß die Verse des Theodotus aus dessen Buche „Ueber die Juden" entnommen seien. Wenn nun auch auf Titelangaben des Polyhistor nicht viel zu geben, so läßt doch der angegebene Titel noch nicht zu, daß das ganze Gedicht nur über Sichem gehandelt Habe, wie das Epos Philo des Aelteren über Jerusalem, welchem dieser specielle Titel überall gegeben wird. Woher weiß denn der Verfasser, daß das ganze Dichtwerk des Theodotus allein über Sichem gehandelt habe? Die Art der Anführung widerspricht dem geradezu. Alexander sagt: „Von Sicima (Sichem) aber sägt Theodotus in dem Buche „Ueber die Juden", daß es nach dem Sicimus einem Sohne des Hermes; benannt wäre: der hätte die Stadt auch gegründet." Dies, sieht doch nur so aus, als ob Theodotus nur beiläufig auch von Sichem gesprochen habe. Er fährt fort: „Ihre Läge beschreibt er in dem Buche nder die Juden folgendermaßen:" und fügt 9 Verse hinzu, welche die Lage Sichems als anmuthig und geschützt beschreiben. Auch dies erweist eher, daß Sichems nur bei dieser Gelegenheit erwähnt worden, als daß das ganze Gedicht dieser Stadt gewidmet gewesen. Denn nun folgt die Erzählung von Jacobs Hinkunft nach Sichem, nachdem dessen Schicksale bei Laban geschildert worden, sowie ausführlich das Ereigniß mit Dina und die Zerstörung der Stadt durch Simeon und Levi. Alexander giebt dies dem Theodotus folgend als Erzählung, die er durch Verse des Theodotus unterbricht. Die That der beiden Brüder wird poetisch ausgeschmückt und ganz in derselben Weise gerechtfertigt, wie es der Midrasch (M. rab. § 80 JalU § 135) ebenfalls thut, und die Einwohner Sichems werden ziemlich mit den Sodomitern auf gleiche Stufe gestellt. Weiter wissen wir von dem Gedichte des Theodotus nichts, und dies spricht für das unbefangene Urtheil nur für die allgemeine Richtigkeit der' Ueberschrift des Alexander, wenn auch nicht für deren wörtliche Fassung, nämlich daß'das Gedicht jüdische Geschichten behandelte und Sichems nur wegen der Geschichte Jacobs und seiner Söhne erwähnte, wo es dem Dichter gefiel,