Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 8 (7.2.1874)
- Date
- 1874-02-07
- Page
- Seite 131 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m in derselben Sprache, wie sie diese in der Schule und in ihren Büchern findet; sie muß ihre Religion im Besitz der höchsten Lehren und der reinsten Vorschriften finden, um sich in ihr zu stärken, und auf sie stolz zu sein. Verachtet sie ihre Religion, so wird es ihr ein Leichtes sein, sie abzuwerfen. Findet sie aber die Welt ungerecht und vorurtheilsvoll gegen eine Religion , die sie des höchsten Werthes würdig achtet — dann wird sie für sie einstehen und Alles für sie hingeben. Und hierzu endlich noch Eines. Wenn wir den Völkern und Regierungen die volle, gerechte Behandlung als Bürger abverlangen, so müssen wir ihnen auch eine Bürgschaft geben, daß unsere Religion uns auch die Erfüllung der bürgerlichen Pflichten aüferlegt, keine Religion des Mittelalters, sondern eine Religion aller Zeiten ist. Und dies können sie nur erfahren aus dem, was in unseren Gotteshäusern öffentlich und verständlich gelehrt wird." Diese feurige Rede überwand alle Herzen. Bis auf eine sehr geringe Zahl sprangen Alle von ihren Sitzen auf und riefen lebhaft ihren Beifall zu. Eine Zeit lang war die parlamentarische Ordnung verschwunden. Alle sprachen unter einander. Jeder machte dem Andern deutlich, oder wollte es wenigens, daß er die ausgesprochenen Gedanken noch mit weiteren Gründen zu unterstützen habe. Endlich beruhigte man sich, und/man kam schnell zu dem Beschlüsse sowol die Umgestaltung der Schule zu bewerkstelligen, als auch mit allein Nachdruck die Einführung der deutschen Predigt in den Gottesdienst bei dem Gemeindevorstande zu erzielen. Hiermit trennte sich die Versammlung. Aus dem Heimwege trafen sich Daniel und Simson wieder zusammen. Äer letzte, neben welchem der in seine Aufregung noch versunkene Daniel schweigend ging, ergriff dessen Hand und drückte sie. „Freund," sprach er, „Sie haben meine Bedenken nicht verscheucht, aber Sie haben mich hingerissen, und ich leiste Ihnen willige Folge. Rechnen Sie auf meine ganze Unterstützung in Wort und Thal. Wir haben, so sehe ich nun einmal die Dinge an, der alten Zeit den Fehdehandschuh hingeworfen; sie wird uns als männliche Streiter und so Gott will als Sieger finden!" Daniel antwortete durch einen sprechenden, leuchtenden Blick. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Bekanntlich - ist/die griechische Mythologie in ihren wesentlichen Bestandtheilen und ihrer Ausbildung eine Schöpfung der alten Dichter, Homer und Hesiod. 'Aber nicht minder läßt sich sagen, daß der christliche Himmel Mit den Gestalten, mit welchen ihn das gläubige Volk in den katholischen Kirchen bevölkert sieht, ein Merk der großen italienischen Maler des fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts ist. Man hatte sich die Personen der Dreieinigkeit, die Madonna und alle Heiligen früher anders gedacht, aber, sowohl die Gestalten der ersten Jahrhunderte, als auch der byzantinischen Zeitwurden verdrängt, als der Geschmack, au der Antike wieder erwacht war, und diese einen bestimmenden Einfluß auf die bildende Kunst gewonnen hatte. Michelangelo war es, der hierbei die abschließende Autorität übte. Hermann Grimm sagt hierüber in seinem „Leben Michelangelos B. II S. 281 nach einer längeren Auseinandersetzung: „Von nun an gab es feste Bilder für Gottvater, Christus, Maria und die unendlichen Heiligen, von denen wir heute noch den Himmel der romanischen Völker erfüllt sehen. Die Menge, die in den Kirchen gläubigen Sinnes zu . diesen Gestalten emporblickt, ahnt nicht, daß diese vor wenigen Jahrhunderten erst durch die Willkür weniger Künstler so geschaffen wurden, und daß die Statuen der antiken/Heiden ebenso sehr als die Natur zu dieser neuen Schöpfung beigetragen. Gerade durch das jüngste Gericht ward dieser neuen Generation himmlischer Gestalten der letzte Stempel .aufgedrückt." Wie viel wird der gläubigen Masse als uralt und von Gott geheiligt ausgegcben, was durchaus nicht alten Datums ist und deren Urheber wir sehr gut anzugeben wissen! Aus Marburg in Steiermark schreibt man der „N. fr. Pr.": Der Jude M. Goldberger^ Schuhmacher in Marburg, wurde Samstag den 24. d. in der Pfarr- und Domkirche durch den Fürstbischof von Lavant unter Assistenz sämmtlicher Geistlichen und Theologen getauft und gefirmt. Pathen waren Graf und Gräfin Brandts. Von Letzteren erhielt Goldberger einGeschenk von 100 fl., vom Fürstbischof ein solches von 50 fl. Seit dem Tage der mit großer Ceremonie aufgeführtey kirchlichen Feier ist Goldberger, nachdem er viele seiner Effecten versetzt hatte, mit Hinterlassung vieler Schulden von Marburg verschwunden. ' In dem leidenschaftlichen Angriff, welchen die IiEpeckanee beige gegen das Gutachten des Großrabbiners Astruc in der Begrabnißfräge richtete, sagte sie unter andern:, daß, wenn das Äudenthum. die herrschende Religion in der Menschheit geworden, und dessen Vorschrift, daß jedem Todten sein Grab auf immer bewahrt bleiben solle, zur Ausführung gekommen wäre, die ganze Erde jetzt ein einziger Friedhof sein würde. Dies reizte uns zu einer kleinen Berechnung, die freilich nur auf hypothetischen Annahmen beruhen kann, bei der wir jedoch diese Annahmen auf breiteste Grundlage setzten. Der Zeitraum, seit welchem daö Judenthum die' älleinherrschende.Religion in der Menschenwelt hätte sein können, wäre höchstens drei Jahrtausendq.-.Has/Menschenaller^ wie gewöhnlich geschieht, zu dreißig Jahren angenommen, gäbe dies 100 Menschengeschlechter. Man