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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-02-10 · Heft 7 (10.2.1874) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 7 (10.2.1874)
Date
1874-02-10
Page
Seite 107 (sequence 5)
Language
German
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des Innern hat aber bisher Bedenken getragen, ein solches Gutachten zu erfordern , weil, in neuerer Zeit aus dem Kreise der Judenschaft selbst in. Broschüren gewichtige Stimmen sich erhoben haben, welche den jetzigen Rechtszustand vertreten. Diese Stimmen scheinen den Minister des Innern wieder zweifelhaft gemacht und den Fortgang, der Vorarbeiten vorläufig aufgehalten zu Haben. Die Petitionscommission hat aber, wie der „Hann: C." meldet, beschlossen, die Petitionen der. Negierung mit der Aufforderung zu überweisen, dem Landtage baldigst eine Vorlage zu machen, durch welche auch den Juden in allen Theilen der Monarchie der Austritt aus einer Religionsgemeinde wegen consessioneller Bedenken ohne gleichzeitigen Austritt aus dem Judentum ermöglicht wird." , (Man sieht, daß die Gegner der Gemeindeangehörigkeit sehr regsam sind, und man nicht zögern darf, ihnen eben so energisch entgegen zu treten. Es ist wahrscheinlich, daß der Bericht, der Petitionscommission v o r. der Vertagung des Hauses nicht mehr zur Verhandlung im Hause gelangen werde. Dann muß aber die Zwischenzeit bis zur Wiedcrberufung desselben benutzt werden, um dem Abgeordnetenhause dieselben Petitionen uud Druckschriften unterznbreiten, welche an die Ministerien des Innern und Cultus gerichtet worden sind. Wir werden uns hierüber in einer der nächsten Nummern ausführlicher äußern. Redaction.) Bonn, 28. Jan. (Privatm.) Zu unserer Befriedigung ist nunmehr auch Herr Nr. H. B. Oppenheim in den Reichstag gewählt und zwar für Reuß. Der rühmlich bekannte staatsrechtliche Schriftsteller und Pnblicist hat in der engeren Wahl den socialistischen Mitbewerber mit großer Majorität geschlagen. Herr Oppenheim tritt unseres Wissens zum ersten Male in ein Parlament ein. Es sitzen nunmehr sechs Israeliten im deutschen Reichstage, indem die vier Mitglieder des vorigen Reichstages: Bamberger, Lasker, Wolsfson und Sonnemann/ wieder gewählt worden, und zwei neugewählte hinzugekommen sind. Nach dem numerischen Berhältniß der jüdischen Bevölkerung in Deutschland entsprächen diesem schon vier. Wir bemerken noch, daß keiner dieser sechs Gewählten einen Wahlbezirk aus den älteren preußischen Provinzen vertritt und nur einer, Sonnemann, das jetzt preußische Frankfurt am Main; die anderen sämmtlich Wahlbezirke anderer deutscher Länder, Bamberger einen hessischen, Lasker und Oppenheim thüringisch-sächsische, Wolffsohn Hamburg und Frankenburger einen bayerischen. — „Nachschrift. Wie wir soeben erfahren, ist Iw. Johann Jacoby, der demokratischen Partei'bekanntlich angehörig, im Amtsbezirke Leipzig in der engeren Wahl Sieger geblieben. Es werden also in dem diesmaligen Reichstage sieben Israeliten, und zwar von allen Schattirungen der liberalen Partei sitzen." Breslau, .29. Jan. (Privatm.) Am 17. d. feierte das hiesige jüdisch-theologische Seminar seinen zwanzigsten Stistungstag, und erschien zu demselben, wie jährlich, der Jahresbericht, welchem diesmal eine Abhandlung des Di*. Freudenthal: „Hellenistische Studien, Heft I, Alexander' Polihistor und die von ihm erhaltenen Reste jüdischer und samaritanischer Geschichtswerke" vorangehl. Dieser zwanzigjährige Zeitraum veranlaßt jedoch den Jahresbericht nur zu einer kurzen Bemerkung über den Charakter der Anstalt und das Vertrauen, welches sie bei den Gemeinden genießt, was sich durch die Berufung der aus dem Seminar hervorgegangenen Rabbiner zu Gemeiüveämtern bethätigt. Der Bericht widmet ferner dem im verflossenen Jahre verstorbenen Joseph Lehmann, Redacteur des Magazins für die Literatur des Auslandes, der ein besonderer Gönner des Seminars gewesen, eine warme Anerkennung und hat wiederum eine Anzahl Geschenke zu Stipendien zu verzeichnen. Die Anstalt wird jetzt von 30 Hörern besucht, also einer etwas verminderten Zahl gegen die Vorjahre. Auch diesmal giebt deren Liste zu der Bemerkung Veranlassung, daß von diesen Hörern nur zwei aus dem mittleren und westlichen Deutschland sind, nämlich einer aus Baden und einer aus Hessen, die anderen sämmtlich östlich von der Oder. Es geht daraus hervor, wie gering die Neigung zum rabbinischen Studium in den westlichen Landschaften ist, was gewiß sehr zu bedauern. Schrimm, 20. Jan. «Privatm.) Am 25». d. wurde dem Corporationsvorstande durch den Herrn Gymnasialprorector mitgetheilt, daß der Herr Minister der geistlichen Angelegenheiten rc. genehmigt hat, daß am hiesigen Gymnasium vom 1. Februar e, ab jüdischer Religionsunterricht auf Kosten der Gymnasialcasse ertheilt, und behufs desselben der Prediger hiesiger jüdischer Gemeinde angestellt werden sott. Die ministerielle Genehmigung erfolgte dem dahinzielenden Anträge gemäß,. welchen der Corporationsvorstand vor einiger Zeit an das königl. Provinzialschulcollegium zu Posen stellte, und über den das letztere dem Herrn Cultusminister Bericht erstattete. Oels, 30. Jan. (Privatm.) Zwei erfreuliche Nachrichten kann ich Ihnen heute melden. Nachdem vor Kurzem eine Stadtverordnetenwahl Hierselbst ftattgesunden, ist auch diesmal wieder ein israelitischer Bürger zum Vorsitzenden des Stadtverordneten-» collegiums gewählt worden. Letzterem gehören überdies sechs Israeliten als Mitglieder an, und da auch im Magistrat ein Mitglied unserer Synagogengemeinde eine ehrenvolle Stelle einnimmt, und jüngst in die Schuldeputation unser Rabbiner eingetreten ist, so läßt sich denken, wie sehr die Angehörigen unserer Gläubensgemeinde die Achtung ihrer Mitbürger genießen. Dann kann ich Ihnen auch berichten, daß in der jüngsten Sitzung der Schuldeputation ein Antrag des Herrn Do. Cohn angenommenworden ist, dahingehend, daß die jüdischen Schüler und Schülerinnen der Stadtschulen, welchen seit längerer Zeit schon der Religionsunterricht in den Classenzimmern der letzteren

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