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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-02-03 · Heft 6 (3.2.1874) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 6 (3.2.1874)
Date
1874-02-03
Page
Seite 93 (sequence 11)
Language
German
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93 / ' Öfen/ 19. Januar- (Privatmitth.) Di^ Schilderung, die Nr. 2 über die zerrütteten financiellen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Ungarn brachte, entwirft ein treues Bild der hiesigen Zustände, wie sie uns überall in den großen wid. in kleinen Gemeinden entgegentritt Ja, selbst die Großgemeinde Pest laborirt an einem-gewaltigen Deficit, und aller Eifer des Vorstandes vermochte bisher nicht, die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde in Einklang zu bringen. Sie können in den pester Blättern die verschiedenen Ansichten über die Mittel zur Begleichung des Deficits lesen. Ich übersende Ihnen eine Notiz aus dem Pester Lloyd, woraus Sie entnehmen können, daß man sogar zu einem energischen Mittel, zur Reducirung der jüdischen Volksschule, seine Zuflucht nehmen - will. Es wurde bereits vor Monaten der Plan ventilirt, die jüdische Volksschule, — deren Pest zwei hat, nämlich die sogenannte Meisterschule, welche von dem israelitischen Schulfond und die Gemeindeschule, welche von der Gemeinde erhalten wird — ganz aufzulösen. Allein der Plan stieß auf heftigen Widerstand und selbstverständlich wurde auch auf der Canzel dagegen geeifert. Bei unseren allgemeinen tristen Schulverhältnissen, die so vieles zu wünschen übrig kaffen, und wo noch eine so große Zahl von schulpflichtigen Kindern ohne jeglichen Unterricht aufwächst, ist das Eingehen einer seit fast 50 Jahren bestehenden - Primär- und Gemeindeschule von unberechenbarem Nachtheile. Aber selbst die Aufhebung der oberen Clafsen ist vom Uebel: so daß wir es gär nicht glauben können, daß eine solche Mustergemeinde wie Pest dazu sich entschließen wird. Was werden dann nach solchem Vorgänge erst die kleineren Gemeinden thun? Es ist nicht unsere Absicht, Mittel vorzuschlagen, um dem Deficit abzuhelfen; aber die Schule muß außer dem Spiele bleiben. Es hat die pester Gemeinde durch große Bauten, — in jüngster Zeit die Synagoge in der Pombachgasse, — eine große Schuldenlast auf sich geladen, — und sie hätte freilich früher ihre Rechnung machen sollen! Aber nun ist dies zu spät, und man darf nicht die Schule zum Opfer bringen! Lemberg, 14. Januar. Der „N. fr. Pr." wird geschrieben: „(Wählerversammlung.) Von den sechs seitens des lemberger Stadt-Wahlcomitss vorgeschlagenen Reichsrathscandidaten sind in der gestern Abends im hiesigen Rathhaussaale stattgefundenen Wählerversammlung blos Di\ W a rschau e r (krakauer Universitätsprofessor) und Dr. Zbyszew ski (Präsident des Fortschrittsclubs) erschienen. Die Herren Dr. Malecki-, Dr. Kolischer, vr. Madejski und Skrynski haben schriftlich die Ablehnung der ihnen angebotenen- Candidatur angezeigt. Zunächst erhielt Dr. Warschauer das Wort, welcher für die Erlangung der ausgedehntesten Landesautonomie, und zu diesem Behufs vor Allem für die Erweiterung des Wirkungskreises des Landsmann- Ministers einzutreten versprach/ Da die Einführung-der polnischen Sprache in Amt, Schule und Gericht blos im Verordnungswege erfolgte- — was für den Bestand dieser Errungenschaften keine sichert Garantie bilde, und das Land der Gnade und Ungade des jeweiligen Ministeriums überantworte, —- so werde er bestrebt sein, das Zustandekommen eines diesbezüglichen Reichsgesetzes zu bewirken. Außerdem werde , er aber auch die gerechtere Repartition der Steuern, wie auch die Verlegung des bisherigen Sitzes der Generaldirectionen fämmtlicher galizischer Eisenbahnen nach Galizien urgiren. Obwohl er Jude sei, so werde ihn sein Glaube nicht hindern, seine Pflicht als Patriot zu erfüllen und in allen Fragen solidarisch mit den polnischen Brüdern anderer Confession vorzugehen; ein großer Theil der galizischen Israeliten habe sich bisher den ihnen als Landessöhnen auferlegten Pflichten entzogen, dagegen erwartet Redner, daß die künftige Generation sich in dieser Hinsicht bessern werde." Wir glaubendes gern, daß der Herr Dr. Warschauer von seinem Glauben nicht verhindert wird, den Nationalpolen zu spielen, um Abgeordneter zu werden. Ein Jeder nach seiner Einsicht und nach seinem Geschmack. Wenn er sich aber unterfängt die große Mehrheit seiner galizischen Glaubensgenossen zu schmähen und sie der Pflichtwidrigkeit zu zeihen, weil sie das Joch der Polen nicht wehrlos auf ihren Nacken nehmen wollen, weil sie die Verfassung, die allein sie aus der polnischen Knechtschaft zur bürgerlichen Gleichberechtigung erhoben hat und allein ihnen diese auch für die Zukunft verbürgt, achten: so müssen wir dies nicht blos als eine Verblendung, sondern auch als eine freche Anmaßung zurückweisen. Nicht wir haben uns zu bessern, sondern die Polen. Wenn diese statt -der nationalen Unduldsamkeit das Gefühl der Toleranz und das Bewußtsein des gemeinsamen Rechts, — falls ihnen dies möglich, — sich angeeignet, wenn sie sich auf die Stufe erhoben haben werden, wo sie trotz nationaler und confessioneller Verschiedenheit alle Söhne des Landes als gleichberechtigt ansehen, — dann werden auch wir in dem gemeinsamen Streben für das Heil des Vaterlandes uns mit ihnen zusammensinden, und es wird uns nicht einfallen, besondere Wege gehen zu wollen. Nicht wir wollen die Polen beschränken, sondern die Polen uns; nicht wir wollen über die Polen herrschen, und sie in ihrer Weise zu leben und sortzuschreiten verhindern, sondern die Polen uns. Nicht wir also haben uns zu bessern, sondern die Polen; nicht , wir entziehen uns der Pflicht, die das Recht und die persönliche Freiheit auferlegen, sondern die Polen. Dies ist unsere Ueberzeugung," und in ihr macht uns auch die schimpfliche Anklage des Dr. Warschauer nicht wankend. Großbritannien. London) 11. Januar. Die Pall Matt Gazette veröffentlicht ein Schreiben - Earl Ruffel's, welches sein Ausbleiben von dem Meeting am- 27. d. wegen Krankheit bestimmt ankündigt. Earl Ruffel-beantwortet zugleich schlagend Erzbischof Mannings 6*

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