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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-02-03 · Heft 6 (3.2.1874) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 6 (3.2.1874)
Date
1874-02-03
Page
Seite 86 (sequence 4)
Language
German
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Ait JifyteY? ^etgetifK^en^ ^vaft; * in der' Fülle ihres -Lebeüs'-'»in ihrer unbedingten Herrschaft» besteheri, eine'wirkliche Prüfung-''eine'kritische Fragestellungnicht-äüfkömm^ Esist immer ein 'Zeichen-des Niedergängs/'sekbst^des-Äbsterbens-: wenn der? Geist isich-gedrungen fühlt,' dem Wesen und der geschichtlichen' Entwickelung solcher Welterscheittungen "nachzugehen; und! hiernach ihren - Inhalt- Ihren - Werth "uild ihre 'Berechtigung abzuwägen. Diesist 'vorzugsweise mit - den ReligioneU derlFall: So^ länge!:fte bei - den^Menschen ' unbedingten''Glauben finden, und' die Geister sich - ihrer' Herrschaft:beugen, fällt es- Niemandem ein, die ällgemein-' angenommenen Uwerlwferungenww »Zweifel, zu ziehen, sie kritisch zu üntersuchen/ der -geschichtlichen Wahrheit: nachzuspüren, das Unhaltbare aüszuscheidönj das Mnze "in : einzelne Bestandtheile l rzu zerlegen und »den Verschiedenen Boden Nachzuweisen, aus welchemdiese erwachsen sind. ' ■ Entweder, wie gesagt, ist die Auflösung selbst oder eine neue Entwickelungsphase, bevorstehend oder schon vorhanden/ wenn -ein solcher Forschungs-- proceß vor sich geht//der 'alsdannin fortwährender 'Thatigkeit! bleibt.- . - ''' ':.ü -!>- ' ^Es kann uns daher gar nicht verwundern/! daß/! kaum-rha-! Lenwir - in den letzten NumMern den Ursprung des Islams? aus dem JudenthuMe zu -besprechen gehabt, uns-schon abermals! eine Arbeit über den Ursprung des ChristenthuMs aus demJudenthum vorliegt/ und -zwar eine solche/ die wir an dieser Stelle nicht übersehen dürfen/ - obschön wir uns - nicht allzugern auf diese? vielfach ventilirte Frage emlasseNi - Bekanntlich gleicht die For-? schung über die Art--wie das Christenthum aus dem Judenthum! hervorgegangen, und was es aus demselben entlehnt-habe,' -einem; sehr schweren Geburtsacte, der sehr verschiedenartige Erzeugnissean's Licht gefördert hat und fortwährend fördert. Der Grund? liegt zunächst in der die Forscher beherrschenden Neigung, ent/ weder das gesammte Christenthum als vom Judenthum völlig: verschieden und als eine ^ganz originale Schöpfung: darzustellen/ oder beide vollständig zu identificiren. Anderentheils aber bietet die Sache selbst viel größere Schwierigkeiten, als bei dem Islam. Wir müssen daher einige: Bemerkungen voranschicken, um uns vor Allem das Feld selbstständig zu klären.! Alle Religionen sind zweien Strömungen unterworfen, die in . ihnen theils nacheinander, theils nebeneinander vorherrschen/ Wir nennen sie einfach: die rätionelle und die mystische/ Wenn' die Religion ihre Lehren und Vorschriften einfach und bestimmt, so daß der Verstand sie zu fassen, das Herz sie zu er/ greifen vermag, ausstellt,, begründet und einprägt, wenn sie hierin auf die Übereinstimmung mit dem Verstände und den naturge/ mäßen/Gefühlen., wirkt und sich stützt, so. waltet die rationelle Richtungvor, Und selbst dann, wenn-sie sich mit symbollsirenden Ceremonien! /versieht, um gottesdienstlich auf die Geister Ein.-, fluß zu üben, wird deren Bedeutung und Sinn sich verständiger Äufsässung nicht-?entziehen<: Äm Menschengeiste.siegen? aber Elemente, die sich mit dieser einfachen Größe/ mit dieser natürlichen Simplicilät EchtzWelligen, und die/Mnw-fie''Kr'ThaiigkeitzW wacht Wd, -'vvn dein Mew'-Lichte- »-des- - MM-uUchpWeMvlK werdensondern' Dämmerung/ ja was-GräueN'dtt! Nacht /haben wollen/l'uM ssich-üw' bodenlose Tiefen versenken' und eigenthümliche phantästisch'e? Gebildesich schaffen zü" könnm. Esist^iLMöM, dann--erhitzte' Phantasie, welche -sich - des- Uebdrsinnlichüt'^-'LemäM tigt/"NnVwus den Erkenntnissen der Religion 'ein vielgestaltiges Reich ' der äbsöndeklichsten" Gebilde schaffenu Witt. " Hiermit'-wird natürlich die-vernunftgemäße Auffassung/ -das^ logische Verständnis;'beseitigt, ja perhorrescirt-und die Gefühle des Herzens werden vvn-dev Gluth der- Einbildungskraft - fölange bearbeitet/ bis sie" stch-l voll Sehnsucht und- Verlangen "und "mit '-grenzenloser Hin gebung - an - die därgebötenen Gebilde geklammert- - häben. Dies-ist'die - Mystik." In '--der Natur ^der - Religion" ünd Wes Menschengeistes, söwiechesonders in der jener Zeiten/ in welchen die Religionen entstanden,-liegt es, daß keine? derselben von der Mystik ganz frei ist; aber es kommt für ihr Wesen und ihren Charakter entschieden daraus an/ ob die Mystik die Hauptingredienz derselben ist,- und: inwieweit diese die eigentlichen Gedanken und Lehren derselben umgestaltet hat; - -; -? / " Das Judenthum hatte das- Glück/ in seiner Entstehungsphäse den einfachsten, erhabensten Rationalismus zum Inhalte zu bekommen.- 'Die Lehre vom einzigen Botte, von der Welt- -vom Menschen/^ die Grundsätze der Sittlichkeit in der Gesellschäftiund im-Individuum/ das ganze Gesetz von der -Heiligung, von der Liebe und vom 'Rechte - würden vom Mosaismus'in ^der einfachsten verständlichsten - Ausdtucksweise -gegeben, mit demvollen Bewußtsein, daß nichts - darin enthalten sei, - was nicht mit der Vernunft begriffen' und vom Herzen gewürdigt werden könne. Nur die Ueberlieferungsweise, d. i. der unmittelbare Ursprung aus Gott, ist das einzige mystische Element, aber selbst dieses Offenbarungsdogma ist mit der äußersten Zurückhaltung gegeben, da es zumeist nur durch das einfache Wort is&ri /,Gott sprach" getragen wird, selbst -bei der Offenbarung auf dem Sinai nur äußere, locale! Erscheinungen geschildert werden, und erst bei den - Propheten, wie bei Jesaias und Ezechiel sich Visionen einstellen. Auch der "gesammte Opfercültüs ist-nur symbolischer, nicht mystischer Natur. — Nicht minder "glücklich nach dieser Seite'hin knüpfte sich die , traditionelle "Entwickelung vorzugsweise an das Gesetz, und blieb so der rationellen Richtung "getreu. 'Die spätere' eigentliche Religionsphilosophie im Judenthüme stützte sich auf dem Aristoteli^mus, und endlich die moderne Entwickelüngsphase' ging aus der Berührung-? mit 'der rationellen CüMr^ so unmittelbar hervor, daß sie' das Judenthum Mur mdem'reinsiön Lichte dev Vernünftigkeitäufgefäßt hat/'Wir könnenälfömit Recht - aussagen, daß das - Eigentliche Judenthum; -dä^wvn''öer Gesammtheit - seiner Bekenner -anerkannte/' von seinein ^Ursprünge an bis auf den heutigen Tagdie rationelle Strömung nicht verlassen, sondern ununterbrochen sich in ihr fortbewegt hat. HiÄkmitz wollen wir selbstverständlich nicht sagen/ daß die-Mystik

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